Rolls-Royce Holdings baut seine Analystenunterstützung nach den Halbjahreszahlen weiter aus. Die Deutsche Bank hob am Mittwoch ihr Kursziel für die Aktie des Triebwerksherstellers von 1325 auf 1705 Pence an und bestätigte die Kaufempfehlung. Bezogen auf den Schlusskurs von 1529,4 Pence in London entspricht das einem Aufwärtspotenzial von rund 11 Prozent. Analyst Christophe Menard begründet den Schritt mit einer Dynamik, die weit über den aktuellen Prognosehorizont hinausreiche: Sämtliche Divisionen liefen ihren eigenen Zielen voraus. Besonders auffällig sei die operative Marge im Geschäft mit Zivilflugtriebwerken, die im ersten Halbjahr mit 25,3 Prozent einen Rekordwert erreichte – und damit bereits oberhalb der für 2028 ausgegebenen Zielspanne von 21 bis 23 Prozent liegt, zwei Jahre früher als geplant.
Auch JPMorgan hatte sein Kursziel bereits Anfang August angehoben und bezeichnete das Halbjahresupdate als das beeindruckendste von neun aufeinanderfolgenden Berichten, in denen der Konzern die eigenen Erwartungen übertroffen und die Prognose angehoben hatte. Beide Häuser stützen sich auf dieselbe Grundlage: Zahlen, die deutlich über den Markterwartungen lagen.
Alle Sparten liefern, Power Systems am stärksten
Der Blick in die Divisionen zeigt, warum die Analysten ihre Modelle nach oben anpassen. Power Systems verzeichnete das stärkste Gewinnwachstum im gesamten Konzern: Der Umsatz kletterte um 28 Prozent auf 2.604 Millionen Pfund, der operative Gewinn sprang um 72 Prozent auf 528 Millionen Pfund. Die Margenausweitung geht laut Unternehmensangaben maßgeblich auf das Wachstum im Bereich der Stromerzeugung zurück, getrieben von der Nachfrage aus Rechenzentren.
Auch die Verteidigungssparte legte kräftig zu: Die operative Marge sprang binnen eines halben Jahres von 15,4 auf 21,0 Prozent – ein Anstieg um 5,6 Prozentpunkte. Im zivilen Luftfahrtgeschäft sorgt ein Auftragsbestand von 17,5 Milliarden Pfund für mehr als drei Jahre Umsatzsichtbarkeit; der Auftragseingang im Halbjahr belief sich auf 2,4 Milliarden Pfund. Auf der Verteidigungsseite kamen im Berichtszeitraum konkrete Aufträge hinzu: Im März sicherte sich das EUROJET-Konsortium, an dem Rolls-Royce maßgeblich beteiligt ist, die Lieferung von EJ200-Triebwerken für 20 neue Eurofighter-Typhoon-Jets der Türkei. Im April wählte die australische Marine die Gasturbine MT30 für bis zu elf neue Fregatten der Mogami-Klasse aus.
Bilanz wird schlanker, Ratingagenturen reagieren
Parallel zur operativen Stärke arbeitet der Konzern an seiner Kapitalstruktur. Anfang Juli schloss der Treuhänder des Rolls-Royce UK Pension Fund eine Buy-out-Transaktion mit der Pension Insurance Corporation ab. Damit verschwanden versicherte Pensionsverpflichtungen von rund 3,9 Milliarden Pfund aus der Bilanz. Zusätzlich tilgte das Unternehmen Anleihen im Volumen von 1,1 Milliarden Pfund aus eigenen Mitteln und begab neue Bonds über eine Milliarde Euro mit Laufzeiten bis 2031 und 2036. Die Bruttoverschuldung sank auf 2,7 Milliarden Pfund, während die Liquidität zum 30. Juni auf 9,0 Milliarden Pfund stieg, nach 8,7 Milliarden Pfund zum Jahresende 2025.
Die Ratingagenturen honorierten diese Entwicklung: Moody’s und Fitch stuften Rolls-Royce im Berichtszeitraum auf A3 beziehungsweise A- hoch, beide mit stabilem Ausblick. S&P Global bestätigte das Rating BBB+, hob den Ausblick aber auf positiv an. Vorstandschef Erginbilgic ordnete zudem die Auswirkungen des Nahost-Konflikts auf das Geschäft ein: Der Konzern sei seit dem Ausstieg aus dem Markt für Schmalrumpfflugzeuge vor 15 Jahren kaum betroffen, da die meisten treibstoffpreisbedingten Vertragsstornierungen dieses Segment betroffen hätten. Die stärker betroffenen Kunden im Nahen Osten hätten sich mittlerweile weitgehend erholt.
Kurs nahe Rekordhoch, Bewertung bleibt anspruchsvoll
An der Börse spiegelt sich diese Entwicklung in einer beeindruckenden Kursbilanz wider. Die Aktie notiert aktuell bei 17,95 Euro und damit nur 2,79 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 18,47 Euro, das erst am Mittwoch erreicht wurde. Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Plus von über 42 Prozent, seit Jahresbeginn hat sich der Kurs um mehr als ein Drittel verteuert. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 23,70 Prozent zeigt, wie deutlich sich der Aufwärtstrend beschleunigt hat – die jüngsten Kurszielanhebungen von Deutsche Bank und JPMorgan liefern dafür nun frisches fundamentales Fundament.
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