Rolls-Royce macht Nägel mit Köpfen. Nach Jahren ohne Ausschüttung zahlt der britische Triebwerksbauer seinen Aktionären wieder eine Dividende. Der Kurs bestätigt den Vertrauensvorschuss: Mit 17,41 Euro notiert die Aktie nur noch knapp drei Prozent unter ihrem Rekordhoch von 17,90 Euro aus dem Juli.
Seit Jahresbeginn hat sich das Papier um mehr als 32 Prozent verteuert. Das ist kein kurzfristiger Ausreißer, sondern die Fortsetzung eines mehrjährigen Umbaus unter CEO Tufan Erginbilgic. Nun kommt mit der Dividende ein Baustein hinzu, den viele Anleger lange vermisst haben.
Ausschüttung und Rückkäufe laufen parallel
Rolls-Royce zahlt für das erste Halbjahr 2026 eine Zwischendividende von 6,0 Pence je Aktie. Der Titel notiert ab Donnerstag, dem 6. August 2026, ex Dividende. Die Auszahlung selbst folgt am 18. September.
Parallel dazu läuft das Aktienrückkaufprogramm auf Hochtouren. Von den geplanten 2,5 Milliarden Pfund für das Geschäftsjahr 2026 hat der Konzern bereits 1,4 Milliarden Pfund umgesetzt. Das Programm ist Teil einer größeren Strategie: Bis 2028 will Rolls-Royce zwischen 7 und 9 Milliarden Pfund an seine Aktionäre zurückgeben. Die Nettoliquidität von 2,1 Milliarden Pfund zum Halbjahresende gibt dafür Rückendeckung.
Kleine Reaktoren, große Ambitionen
Während Triebwerke für Zivilluftfahrt und Verteidigung weiterhin den Löwenanteil des Gewinns liefern, wächst ein neues Geschäftsfeld heran: kleine modulare Reaktoren, kurz SMR. Ende Juli unterzeichnete Rolls-Royce SMR eine Absichtserklärung mit dem tschechischen Energieversorger ČEZ und der Regierung des Landes.
Ziel sind zwei zusätzliche Standorte in Tušimice und Dětmarovice – beides ehemalige Kohlekraftwerksregionen. Tschechien plant dort eine Reaktorflotte mit einer Gesamtkapazität von bis zu 3 Gigawatt. Rolls-Royce ist derzeit das einzige europäische Unternehmen mit mehreren vertraglich fixierten SMR-Aufträgen. Auch am Standort Temelín laufen die Arbeiten bereits.
Schiffsantrieb und Verteidigung liefern Rückenwind
Am 3. August präsentierte Rolls-Royce auf der Schifffahrtsmesse SMM 2026 neue nachhaltige Antriebssysteme für die Marine. Der Fokus liegt auf Effizienz und Serviceintegration – ein Zeichen dafür, dass die Sparte Power Systems sich über ihr klassisches Geschäft mit Notstromaggregaten hinaus in Richtung grüner Energielösungen bewegt.
Auch die Verteidigungssparte trägt zum positiven Bild bei. Rolls-Royce hat mit der deutschen Regierung einen Auftrag zur Entwicklung eines skalierbaren Kern-Triebwerkskonzepts für autonome Kampfflugzeuge (Collaborative Combat Aircraft) gesichert. Zusammen mit der bis 2030 gesicherten Finanzierung des britischen Kampfflugzeugprogramms GCAP sorgt das für einen Auftragsbestand, der mehr als drei Jahre Umsatz abdeckt.
Marge zeigt breitere Ertragsbasis
Die operative Marge des Konzerns kletterte im ersten Halbjahr auf 22,5 Prozent. Civil Aerospace bleibt mit 25,3 Prozent Marge der größte Ertragsbringer. Bemerkenswert ist aber das Wachstum bei Power Systems: Der Gewinn dort legte um 72 Prozent zu, getrieben vom KI-bedingten Boom bei Rechenzentren.
Das deutet auf eine breitere Ertragsbasis hin als in früheren Zyklen, in denen der Konzern stärker vom Zivilluftfahrtgeschäft abhing. Mit einem RSI von 63,2 bewegt sich die Aktie in einem soliden, aber nicht überhitzten Bereich – der Kurs liegt gut 20 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 14,42 Euro und signalisiert damit einen intakten langfristigen Aufwärtstrend.
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