Zwei neue Kundenprojekte zeigen, wie Rockwell Automation sein Geschäft zwischen Cybersicherheit und Fabrikautomation ausbaut. Der belgische Energieversorger Luminus setzt künftig auf die SecureOT-Plattform, während der US-Lebensmittelhersteller Ken’s Foods seine Verpackungslinien mit neuer Antriebstechnik modernisiert. Beide Vereinbarungen sind für sich genommen keine Kursbeweger, geben aber ein klares Bild davon, in welche Richtung sich das Geschäftsmodell des Automatisierungskonzerns entwickelt.
Cybersicherheit für Kraftwerke
Luminus betreibt in Belgien ein breites Portfolio aus thermischen Kraftwerken, Wasserkraft-, Batterie- und Windanlagen. Mit der SecureOT-Plattform will der Versorger seine Betriebstechnologie besser überwachen und Risiken systematisch priorisieren. Die Lösung orientiert sich an der Industrienorm IEC 62443 und der EU-Richtlinie NIS2, die Betreiber kritischer Infrastruktur zu strengeren Sicherheitsstandards verpflichtet.
Nach einem erfolgreichen Rollout an allen Standorten baut Luminus die Nutzung nun eigenständig aus und integriert schrittweise weitere Anlagen in das System. Für Rockwell Automation ist das ein Beleg dafür, dass regulatorischer Druck in Europa zunehmend zu handfesten Aufträgen im Cybersicherheitsgeschäft führt — ein Segment, das der Konzern in den vergangenen Jahren gezielt ausgebaut hat.
Schlankere Verpackungslinien in den USA
Bei Ken’s Foods, einem familiengeführten Hersteller von Dressings und Saucen, geht es um ein klassisches Automatisierungsproblem: veraltete Schaltschrank-Architektur, die Wartungsarbeiten verlangsamt und Platz kostet. Die Lösung setzt auf direkt an der Maschine montierte Frequenzumrichter des Typs PowerFlex 350, die Verkabelung reduzieren und Fehlerdiagnosen vor Ort ermöglichen.
Der Elektropartner Elm Electrical bezifferte die Kostenersparnis gegenüber klassischen Schaltschrank-Lösungen auf 17 Prozent. Die neue Architektur unterstützt zudem ein Sicherheitssystem über eine Palettierlinie mit 130 Antrieben — nach eigenen Angaben des Unternehmens soll dieser Ansatz künftig zum Standard für neue Anlagen bei Ken’s Foods werden.
Zwei Bausteine einer Strategie
Beide Projekte laufen auf ein gemeinsames Muster hinaus: Rockwell Automation verkauft nicht mehr nur Hardware, sondern Systeme, die Betriebe transparenter, wartungsärmer und regulatorisch abgesicherter machen. Cybersicherheit bei Energieversorgern und schlankere Fertigungsarchitektur in der Lebensmittelindustrie sind zwei unterschiedliche Branchen, aber dieselbe Logik — weniger Komplexität, mehr Kontrolle über die eigenen Anlagen.
Für den Konzern selbst sind solche Einzelaufträge keine Meilensteine, die den Kurs bewegen. Sie liefern aber laufend Bestätigung dafür, dass die Nachfrage nach modularer Automatisierung und OT-Sicherheit in beide Kernmärkte — Industrie und Energie — hinein wächst.
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