Beim umstrittenen Ölförderprojekt Sea Lion vor den Falklandinseln wächst der operative Druck. Wie Rockhopper Exploration heute mitteilte, muss Projektbetreiber Navitas Petroleum zwei Auftragnehmer ersetzen.
Beide Dienstleister haben ihre Arbeiten an dem Vorhaben infolge der argentinischen Sanktionsdrohungen eingestellt. An den Finanzmärkten sorgte die Nachricht für deutliche Kursverluste: Die im britischen Rohstoffsektor aktive Rockhopper verlor heute 8,1 Prozent und markierte mit 0,6500 Euro ein neues 52-Wochen-Tief.
Dienstleister weichen dem Sanktionsdruck
Der israelische Partner Navitas, der 65 Prozent an den Lizenzen im Nord-Falklandbecken hält, passt die Projektplanung nun an. Rockhopper ist mit 35 Prozent an dem Vorkommen rund 220 Kilometer nördlich der Inselgruppe beteiligt. Nach Angaben der Partner wird derzeit nicht von wesentlichen nachteiligen Auswirkungen auf den Gesamtzeitplan ausgegangen.
Diese Prognose ist jedoch an klare Bedingungen geknüpft: Sollte sich der Ersatz der Partner verzögern, misslingen oder sollten sich weitere Auftragnehmer ohne adäquate Alternativen zurückziehen, könnte sich diese Einschätzung ändern.
Hintergrund der Rückzüge sind massive Drohungen der Regierung in Buenos Aires. Der globale Ölfelddienstleister Halliburton stellte klar, nach Gesprächen mit argentinischen Bundesbehörden weder selbst noch über Tochtergesellschaften Arbeiten für Sea Lion auszuführen.
Argentinien hatte zuvor rund 180 Mitteilungen an Dienstleister der Branche verschickt und mit straf- sowie zivilrechtlichen Schritten gedroht. Unter anderem steht für kooperierende Konzerne ein Ausschluss von Aktivitäten im heimischen Schieferölgebiet Vaca Muerta im Raum.
Rechtlicher Konflikt spitzt sich zu
Die Auseinandersetzung um die Rohstoffe im Südatlantik eskaliert seit Wochen auf politischer und juristischer Ebene. Ein argentinisches Gericht hatte vor gut drei Wochen eine vorläufige Aussetzung der Bohrungen, Offshore-Installationen und Hafenarbeiten angeordnet.
Zudem treibt der argentinische Präsident Javier Milei ein völkerrechtliches Schiedsverfahren nach dem UN-Seerechtsübereinkommen voran und kündigte Gesetzesinitiativen für härtere Strafen gegen beteiligte Unternehmen an.
Rockhopper und Navitas stützen sich bei ihren Plänen auf die vergebenen Lizenzen der Falklandinseln und verweisen auf die politische Rückendeckung der britischen Regierung. Beide Partner halten bislang an dem Vorhaben fest.
Für die erste Phase von Sea Lion sind Investitionen von rund 1,8 Milliarden US-Dollar veranschlagt, der gesamte Finanzierungsbedarf beläuft sich auf etwa 2,1 Milliarden US-Dollar. Die 2P-Reserven werden auf rund 314 Millionen Barrel beziffert.
Zeitplan bleibt ambitioniert
Die Projektgesellschaft plant, die ersten Entwicklungsbohrungen Anfang 2027 zu starten. Das erste Öl soll nach Unternehmensangaben im ersten Quartal 2028 über die schwimmende Produktions- und Lagereinheit Aoka Mizu mit einer Förderkapazität von bis zu 55.000 Barrel pro Tag gefördert werden.
Rockhopper erklärte, das Unternehmen sei durch eine frühere Kapitalerhöhung bis zum geplanten Produktionsbeginn finanziert. Ob die Suche nach neuen industriellen Partnern ohne Verzögerungen gelingt, entscheidet nun über das Erreichen dieser Meilensteine.
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