Rocket Lab: SpaceX zieht die Aktie mit

Symbolbild, KI-generiert

Rocket Lab verliert trotz wachsender Erlöse und neuer Aufträge 4,6 Prozent, während SpaceX-Transaktionen die Raumfahrtbranche belasten.

Auf einen Blick:
  • Rocket-Lab-Aktie gibt 4,6 Prozent nach
  • SpaceX belastet den gesamten Raumfahrtsektor
  • Umsatz im zweiten Quartal steigt
  • ARK Investment kauft über 680.000 Aktien

Manchmal hat eine Aktie einen schlechten Tag, ohne dass ihr eigenes Unternehmen irgendetwas falsch gemacht hätte. Genau das passiert heute Rocket Lab. Das Papier verliert 4,6 Prozent, doch der Auslöser sitzt nicht im eigenen Haus, sondern bei SpaceX.

Dort werden Insider-Aktien im Volumen von 47,2 Milliarden Dollar handelbar, was den Kurs von SpaceX belastet – und die Sorge in den gesamten Weltraumsektor trägt. Der Procure Space ETF, der genau solche Firmen bündelt, gibt an diesem Handelstag um 3 Prozent nach, während der breite Markt, gemessen am SPDR S&P 500 ETF, nur 0,5 Prozent verliert. Rocket Lab hustet mit, weil der Nachbar geniest hat.

Das ist die eigentliche Geschichte hinter dem heutigen Kursrutsch: Die junge Weltraumindustrie ist an der Börse noch keine Ansammlung unabhängiger Geschäftsmodelle, sondern ein enges Cluster, das gemeinsam steigt und gemeinsam fällt. Wer in Rocket Lab investiert, kauft nicht nur Raketen und Satelliten, sondern auch die Stimmung eines ganzen Sektors, der sich noch nicht von seinen prominentesten Mitgliedern emanzipiert hat.

Operatives Geschäft läuft, während der Kurs strauchelt

Dabei hätte Rocket Lab an diesem Mittwoch eigentlich Positives zu vermelden gehabt. Erst gestern wurde bekannt, dass das Unternehmen seine neue IMM-Apex-Solarzelle mit 31,5 Prozent Wirkungsgrad vorgestellt und sich damit einen Platz im NITE-STAR-Vertrag über 981 Millionen Dollar gesichert hat.

Anfang September folgte die 94. Electron-Mission, bei der erneut ein StriX-SAR-Satellit für den japanischen Kunden Synspective ins All gebracht wurde – ein Kunde, mit dem bereits 16 weitere Starts bis 2030 fest gebucht sind. Wiederkehrende Umsätze dieser Art sind für ein Raumfahrtunternehmen selten und wertvoll.

Auch die Zahlen aus dem zweiten Quartal, veröffentlicht Anfang August, lesen sich solide: Der Umsatz kletterte um 62 Prozent auf 234,1 Millionen Dollar, die Bruttomarge nach GAAP lag bei 36,1 Prozent, und der Nettoverlust schrumpfte von 66,4 auf 49,3 Millionen Dollar.

Für das dritte Quartal stellt Rocket Lab einen Umsatz zwischen 250 und 265 Millionen Dollar sowie einen deutlich reduzierten Verlust auf Ebene des bereinigten EBITDA in Aussicht. Man wächst also – und verliert dabei weniger Geld als noch vor einem Jahr.

Warum interessiert das den Aktienkurs heute so wenig? Weil Kursbewegungen kurzfristig selten den Geschäftsverlauf abbilden, sondern die Nervosität eines ganzen Marktsegments.

Der Titel notiert derzeit bei 54,30 Euro und liegt damit 59 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro, das Ende Mai erreicht wurde. Zugleich bleibt er 67 Prozent über dem 52-Wochen-Tief vom November – ein Spannungsfeld, das zeigt, wie stark diese Aktie zwischen Euphorie und Ernüchterung pendelt.

Zwischen Insider-Verkauf und institutionellem Zukauf

Auch bei Rocket Lab selbst gab es zuletzt Bewegung auf der Aktionärsseite, wenn auch nicht als Reaktion auf den heutigen Tag. CFO Adam C. Spice verkaufte am 2. September rund 140.157 Aktien im Wert von 8,78 Millionen Dollar, hält aber weiterhin etwa 1,41 Millionen Aktien.

Auf der anderen Seite griff ARK Investment Ende August und Anfang September kräftig zu und kaufte an zwei Tagen zusammen mehr als 680.000 Aktien. Zwei gegenläufige Signale, die sich nicht zu einer eindeutigen Botschaft verdichten lassen – typisch für eine Aktie, die zwischen langfristiger Wachstumsstory und kurzfristiger Sektor-Nervosität gefangen ist.

Bleibt die Frage, wie lange sich Rocket Lab noch am Schicksal seines prominentesten Konkurrenten orientieren muss. Solange SpaceX als Gravitationszentrum der Branche gilt, werden dessen Erschütterungen auch börsennotierte Wettbewerber treffen, ganz gleich, wie gut deren eigene Auftragsbücher gefüllt sind.

Die operative Substanz von Rocket Lab – wachsende Umsätze, verlässliche Kundenverträge, technologische Fortschritte bei Solarzellen und Trägerraketen – steht heute nicht zur Debatte. Zur Debatte steht, ob der Markt der jungen Raumfahrtbranche irgendwann zutraut, eigenständig bewertet zu werden, statt im Kollektiv zu schwanken.

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