SpaceX beginnt am 4. Juni seinen institutionellen Roadshow-Prozess, Preisfindung am 11. Juni, Handelsstart am 12. Juni. Für Rocket Lab bedeutet das nicht nur Rückenwind — es bedeutet das Ende der Schonfrist.
Der Proxy-Trade und sein Ablaufdatum
Weil SpaceX bislang nicht börsennotiert war, floss Kapital von Anlegern, die am Weltraumthema partizipieren wollten, in öffentlich handelbare Alternativen. Rocket Lab war die naheliegendste Wahl. Polymarket-Trader beziffern die Wahrscheinlichkeit eines SpaceX-Börsengangs bis Ende Juni auf 94,6 Prozent — der Countdown läuft.
SpaceX nennt Rocket Lab in seinem S-1 explizit als Wettbewerber im Small-Lift-Markt, der in mittlere Nutzlastklassen expandiert. Das ist einerseits eine Bestätigung der Investitionsthese. Andererseits liefert es ab dem 12. Juni einen direkten Bewertungsmaßstab — und der könnte unangenehm werden.
Bewertung unter Druck
Rocket Lab meldete für Q1 einen Umsatz von 200,35 Millionen Dollar, ein Plus von 63,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Non-GAAP-Bruttomarge stieg auf 43,0 Prozent, nach 33,4 Prozent im Vorjahreszeitraum. Der Auftragsbestand erreichte 2,20 Milliarden Dollar.
Trotzdem: Bei einer Marktkapitalisierung von rund 85 Milliarden Dollar und einem Trailing-Umsatz von 679,6 Millionen Dollar ergibt sich ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 121. Der Nettoverlust im Geschäftsjahr 2025 lag bei 198,2 Millionen Dollar. Sobald SpaceX selbst gehandelt wird, haben institutionelle Anleger einen direkten Vergleichspunkt — und die Frage, ob Rocket Labs Multiple gerechtfertigt ist, stellt sich neu.
Operative Substanz bleibt stark
Unterhalb der IPO-Dynamik baut Rocket Lab sein Fundament weiter aus. Im ersten Quartal unterzeichnete das Unternehmen 36 neue Startverträge — 31 für die Electron-Rakete und HASTE-Missionen, fünf dedizierte Neutron-Buchungen. Diese Zahl übertrifft die 21 Missionen des gesamten Jahres 2025.
Die Bilanz zeigt 1,48 Milliarden Dollar in Cash, gestützt durch die Partnerschaft mit Raytheon im Rahmen des Golden-Dome-Programms. Für die Neutron-Rakete hat Rocket Lab erstmals FAA-Startgenehmigungen für ein Debütfenster zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember 2026 beantragt — ein regulatorischer Meilenstein, der den Zeitplan auf Papier fixiert.
Neutron als Schicksalsfrage
Neutron ist Rocket Labs Versuch, den Small-Lift-Markt hinter sich zu lassen und in die mittlere Nutzlastklasse vorzustoßen — das Terrain der Falcon 9. Dass Kunden bereits Kapazitäten reservieren, bevor Neutron auch nur einmal geflogen ist, zeigt Vertrauen in das Programm. Beweisen muss es sich noch.
Für den Bull-Case müssen zwei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sein: Der SpaceX-Börsengang hebt den gesamten Sektor, anstatt Kapital aus Proxy-Titeln abzuziehen. Und Neutron fliegt innerhalb des angekündigten Fensters. Ein sauberer statischer Triebwerkstest im dritten Quartal wäre das nächste konkrete Signal — ebenso wie die Q2-Zahlen, die zeigen müssen, ob das Backlog-Wachstum anhält oder abflacht.
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