Rocket Lab baut gerade einen Weltraumkonzern von Grund auf um. Aus dem Raketenstarter wird ein Systemanbieter mit eigenen Satelliten, eigenem Frequenzspektrum und eigenem Rüstungsgeschäft. Die Börse honoriert das gerade nicht.
In den vergangenen vier Wochen hat die Aktie 37,38 Prozent verloren. Wer nur auf die vergangenen zwölf Monate schaut, sieht dagegen ein Plus von 31,74 Prozent. Zwischen diesen beiden Zahlen liegt die eigentliche Geschichte.
Acht Milliarden für Iridium
Am 29. Juni 2026 hat Rocket Lab die Übernahme von Iridium Communications finalisiert. Der Deal hat ein Volumen von acht Milliarden Dollar. Rocket Lab übernimmt damit ein aktives Netzwerk niedrig fliegender Satelliten und ein weltweit harmonisiertes L-Band-Frequenzspektrum.
Das Kalkül dahinter: Mit Iridiums Infrastruktur kann Rocket Lab direkt im Markt für Direct-to-Device-Kommunikation mitspielen. Auch bei verteilten militärischen Weltraumsystemen will der Konzern künftig mitbieten. Die Transaktion soll Mitte 2027 abgeschlossen sein.
Reicht ein einziger Hot-Fire-Test aus, um elf Monate vor dem geplanten Erstflug alle Zweifel an der neuen Rakete zu zerstreuen? Am 13. Juli 2026 hat Rocket Lab genau das versucht – einen vollständigen Hot-Fire-Test des vakuumoptimierten AVac-Triebwerks für die neue Neutron-Rakete. Der Test verlief planmäßig, ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zum Erstflug spät im Jahr 2026.
Ganz reibungslos lief die Neutron-Entwicklung bisher nicht. Im Januar war ein Tank der Hauptstufe geplatzt. Der Zeitplan für den Erstflug hat sich dadurch bislang aber nicht verschoben.
Der Space Force vertraut Rocket Lab
Am 7. Juli 2026 meldete Rocket Lab den Erfolg der VICTUS-HAZE-Mission für die US Space Force. Der eigentliche Start war bereits am 19. Juni erfolgt – binnen 17 Stunden nach Benachrichtigung, inklusive komplexer Rendezvous- und Näherungsmanöver im Orbit.
Diese Fähigkeit, kurzfristig und präzise zu starten, hebt Rocket Lab von klassischen Raketenanbietern ab. Genau solche Manöver sind für die nationale Sicherheit besonders gefragt.
Wachsender Auftragsbestand, wachsende Zweifel
Im Mai 2026 meldete Rocket Lab einen Rekordumsatz von 200 Millionen Dollar für das erste Quartal. Der Auftragsbestand wuchs auf 2,2 Milliarden Dollar – ein Plus von 106 Prozent zum Vorjahr. Hinzu kamen 31 neue Electron- und HASTE-Verträge sowie fünf dedizierte Neutron-Missionen.
Damit stehen inzwischen mehr als 70 Missionen im Auftragsbuch. Der globale Markt für Weltraumtechnologie soll laut Schätzungen von 551,2 Milliarden Dollar im Jahr 2026 auf rund 1.081,74 Milliarden Dollar im Jahr 2035 wachsen. Platz für Wachstum ist also reichlich vorhanden.
Warum die Aktie trotzdem fällt
Der 14-Tage-RSI liegt aktuell bei 30,1 und nähert sich damit überverkauftem Terrain. Genau solche Ausschläge sind typisch für kapitalintensive Wachstumsbranchen wie die Raumfahrt. Anleger preisen zunächst Fantasie ein, dann folgt die Korrektur, sobald die Kosten der Expansion sichtbar werden.
Rocket Lab bezahlt Iridium, baut parallel eine komplett neue Rakete und betreibt gleichzeitig ein wachsendes Electron-Geschäft. Das kostet Geld, bevor es Geld einbringt. Genau diese Lücke zwischen Vision und kurzfristiger Kasse scheint der Markt gerade neu zu bewerten.
Die kommenden Monate liefern die eigentlichen Beweise. Der Neutron-Erstflug ist für spät 2026 angesetzt, der Iridium-Deal soll Mitte 2027 abgeschlossen werden. Bis dahin bleibt der Konzern in einer heiklen Phase. Zu groß für die alte Rolle als Raketenstarter, noch nicht bewiesen als integrierter Systemanbieter.
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