Man muss das kurz sacken lassen. Am 19. Juni startet Rocket Lab eine Rakete für die U.S. Space Force, 16 Stunden und 42 Minuten nach dem offiziellen Startbefehl. Der bisherige Rekord fiel damit um mehr als 10 Stunden. Das Raumfahrzeug ist danach in unter 38 Stunden einsatzbereit, jagt im Orbit ein anderes Objekt, fotografiert es, überwacht es in Echtzeit. Und die Aktie? Rauschte um gut 6 Prozent nach unten auf rund 100 Dollar.
Was hier eigentlich passiert ist
VICTUS HAZE ist kein normaler Missionsauftrag. Rocket Lab hat nicht einfach eine Rakete gestartet, sondern die gesamte Mission als Paket geliefert: Spacecraft entwickelt, gebaut, getestet, gestartet, und betreibt den Satelliten nun rund um die Uhr im Orbit. Erstmals in der Geschichte des sogenannten Tactically Responsive Space hat ein einziger Auftragnehmer das alles allein gestemmt.
Das Guidance-, Navigation- und Control-Team brauchte gerade mal vier Stunden, um die finalen Flugbahnen zu berechnen, die Software zu aktualisieren und globale Bodenstationen zu koordinieren. Vier Stunden. Was sonst Monate dauert, wurde hier in einem Nachmittag erledigt.
Peter Beck und der Leutnant sind zufrieden
Rocket-Lab-Gründer und CEO Sir Peter Beck sagte nach dem Start, die integrierte Mission zeige, dass man nationale Sicherheitsinteressen im Weltraum schnell sichern und verteidigen könne. Das sei moderne Weltraummacht: die Fähigkeit, Raumarchitektur nach Bedarf neu aufzubauen.
USSF-Leutnant Colonel Lincoln Miller, Programm-Manager bei Space Safari, formulierte es so: Rendezvous- und Annäherungsoperationen in solch kurzen Zeitfenstern seien alles andere als trivial, gerade in einer Krise oder einem Konflikt. Die Demonstration zeige, dass man einem Gegner den Erstvorteil in neuen Orbits streitig machen kann.
Der Markt sieht das anders
Nun, der Markt hat seinen eigenen Rhythmus. Die Aktie steht im laufenden Jahr zwar noch rund 32 Prozent im Plus, doch in den vergangenen 30 Tagen hat sie gut 30 Prozent verloren. Das 52-Wochen-Hoch liegt bei 151 Dollar, das aktuelle Niveau bei rund 100 Dollar.
Dass ein Weltrekord und ein Vertragsgewinn dieser Größenordnung die Aktie nicht stützen, sagt wenig über Rocket Lab und viel über die Bewertung. Wer bei 151 Dollar eingestiegen ist, braucht mehr als Rekorde. Der braucht Quartalszahlen, und die kommen erst am 21. September.
Pionier im Orbit, Aktionäre warten
Das Pioneer-Raumfahrzeug macht derweil seinen Job: Es verfolgt im Erdorbit einen nicht kooperativen Satelliten, simuliert Bedrohungsszenarien, liefert Lagebilder. Rocket Lab betreibt das alles selbst, mit eigener Antriebstechnik, eigenen Solarpanelen, eigener Flugsoftware. Die vertikale Integration ist real, nicht nur ein Folienpunkt.
Ob das reicht, um die Aktie wieder in Richtung 151 Dollar zu tragen? Das entscheidet sich im September. Bis dahin gilt: Weltrekord im Orbit, Warteraum auf Erden.
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