In der vergangenen Woche legte der Weltraum-Spezialist Rocket Lab Zahlen für das zweite Quartal vor.
Die Ergebnisse fielen erneut über weite Strecken rekordverdächtig aus, auch wenn der Ausblick auf den Starttermin der neuentwickelten Neutron-Rakete klar enttäuschte.
Dass die Aktie dennoch höher stieg, lag auch daran, dass in den Tagen danach neue Großaufträge, eine spannende Produktankündigung und eine Expansions-Nachricht mit Deutschland-bezug veröffentlicht wurde.
Auftragslage um über 1 Mrd. US-Dollar verbessert
Zunächst zu den Zahlen: Rocket Lab steigerte im zweiten Quartal den Umsatz um 62% auf 234,1 Mio. Dollar und übertraf damit die Analystenschätzung von rund 231,6 Mio. Dollar leicht. Der operative Verlust schmolz auf 8,8 Mio. Dollar, nach 11,8 Mio. Dollar im ersten Quartal zusammen, und lag damit klar besser als die Unternehmens-Prognose, die den Investoren ein Minus von 20 bis 26 Mio. Dollar in Aussicht stellte.
Der Auftragsbestand erreichte mit 2,36 Mrd. Dollar einen neuen Rekordwert, und im laufenden dritten Quartal kamen bereits über 1 Mrd. Dollar an neuen Aufträgen aus Launch- und Space-Systems-Geschäft hinzu.
Raumfahrt-Konzern mit Allround-Angebot
In die Details geschaut zeigte sich, dass der Ergebnismix zusehends die Profitabilität antreibt: Mit 181,3 Mio. Dollar entfielen bereits 77% des Umsatzes auf das margenstärkere Space-Systems-Geschäft (Satelliten, Komponenten, jetzt auch Mynaric) statt auf reine Launch-Dienstleistungen – genau die Diversifizierung, die aus einem Raketenstart-Unternehmen einen breit aufgestellten Weltraumkonzern mit wiederkehrenden Umsätzen macht.
Für das dritte Quartal stellte das Management einen Umsatz von 250 bis 265 Mio. Dollar in Aussicht deutlich über dem Analystenkonsens von 238,5 Mio. Dollar und mit einer starken Bruttomarge von 35 bis 37%.
Neutron-Start in Q4 nicht abgesagt – aber fehlende Bestätigung spricht für Q1
Der große Wermutstropfen bleibt der Zeitplan der Neutron-Rakete. Im Analystencall wurde zwar bestätigt, dass die Fertigung weiterhin auf Kurs sei, um die Rakete im vierten Quartal zur Startrampe zu bringen – eine Bestätigung, dass der Jungfernflug noch in diesem Jahr stattfindet, blieb das Management aber schuldig.
Erfahrungsgemäß führt eine fehlende Bestätigung zu einem Verzug, sodass die Investoren davon ausgehen müssen, dass sich der Start auf 2027 verschieben wird. Der Rekordbacklog von 2,36 Mrd. Dollar deckt jedoch bereits das 2,5-fache des auf ein Jahr hochgerechneten Quartalsumsatzes ab – ein beachtliches Auftragspolster, selbst wenn sich der eine oder andere Neutron-Start weiter nach hinten verschiebt.
Investoren können den nicht ausgesprochenen Verzug daher gelassen sehen – die Investitionsstory bleibt auch bei einem kleinen Neutron-Projektverzug äußerst spannend.
Rocket Lab USA Aktie Chart
Neu-Entwicklungen und Europa-Expansion als Wachstumstreiber
So hat Rocket Lab mit GHOST ein komplett neues, weltweit verlegbares Startsystem für suborbitale und orbitale Missionen vorgestellt. Der Debütflug soll im kommenden Jahr suborbital von Alaska aus starten, genauer gesagt vom neuen Rocket Lab Launch Complex 4 in Kodiak.
Gleichzeitig meldete Rocket Lab, dass man in München offiziell die Rocket Lab Germany GmbH gegründet hat, um „souveräne Weltraumfähigkeiten“ für Europa bereitzustellen. Grundlage dafür ist die im April abgeschlossene Übernahme von Mynaric, dem Münchner Spezialisten für optische Laserkommunikationsterminals.
Mynaric produziert seine Terminals unter dem Dach von Rocket Lab weiter, künftig soll in Deutschland zusätzlich Fertigungskapazität für Satelliten und Komponenten aufgebaut werden – ein bedeutender Schritt hin zu einem europäischen Standbein.
Abgerundet wurde die positive Nachrichtenflut durch einen 397 Mio. Dollar schweren Auftrag der US Space Force für das SB-AMTI-Programm, bei dem Rocket Lab sogenannte Flatellites – flache, kostengünstige Satelliten – bauen und mit Neutron ins All bringen soll.
Investoren kaufen Rücksetzer nach Zahlen weg
An der Börse sorgte dieser Nachrichtenmix zunächst für verhaltene Freude: Die Rocket Lab-Aktie fiel am Montag im nachbörslichen Handel zunächst um bis zu 8%, weil Anleger die Neutron-Unsicherheit stärker gewichteten als den Rekordumsatz.
Man muss einschränkend sagen, dass die Aktie kurz vor den Zahlen bereits über 30% hinzugewonnen hatte, sodass dies durchaus auch Gewinnmitnahmen von Tradern gewesen sein dürften.
Am Mittwoch drehte die Stimmung bereits wieder. Der anfängliche Rücksetzer von rund 8% wurde im Tagesverlauf vollständig ausgebügelt, die Aktie schloss den Handelstag im Plus bei 81,17 Dollar – dem höchsten Schlusskurs der Woche.
Rocket Lab USA Aktie Chart
Aktie mit klassischem High Risk – High Reward-Profil
Auch für die Analysten überwog das Positive zur Jahresmitte. Das Analysehaus Cantor Fitzgerald hob das Kursziel auf 122 Dollar an, Citizens taxierte den fairen Preis sogar auf 130 Dollar. Zudem nutzte Star-Investorin Cathie Wood die Sommerschwäche, um für rund 23 Mio. Dollar neue Rocket Lab-Aktien für ihre ARK-Fonds einzusammeln.
Nach dem jüngsten Rücksetzer auf unter 80 Dollar könnte sich ein attraktiver Einstiegspunkt in eines der spannendsten börsennotierten Unternehmen aus dem Aerospace-Sektor ergeben. Die Aktie könnte raketenmäßig Richtung Analystenkursziele steigen; sollte sich die Neutron-Story jedoch deutlicher verzögern als aktuell angenommen, könnte die ambitionierte Bewertung auch zu einer Bruchlandung werden.
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