Wer sich derzeit die Kursentwicklung von Rocket Lab ansieht, könnte meinen, das Unternehmen stecke in der Krise. Minus 4,1 Prozent am Freitag, minus 11 Prozent auf Wochensicht, ein Abstand von 58 Prozent zum 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro. Für mich ist das aber ein Musterbeispiel dafür, wie eine Übernahmegeschichte den Blick auf das operative Geschäft verstellt – und genau das macht die Aktie derzeit so schwer einzuschätzen.
Die operativen Zahlen sprechen eine klare Sprache
Fangen wir mit dem an, was unstrittig gut läuft: Im zweiten Quartal 2026 erzielte Rocket Lab einen Rekordumsatz von 234 Millionen Dollar, ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr und 34 Millionen Dollar mehr als im bereits rekordträchtigen Vorquartal.
Der Auftragsbestand kletterte auf 2,36 Milliarden Dollar, ein Zuwachs von 137 Prozent binnen Jahresfrist. Für das dritte Quartal stellt das Unternehmen einen Umsatz zwischen 250 und 265 Millionen Dollar in Aussicht, bei GAAP-Bruttomargen von 29 bis 31 Prozent. Wer nur auf diese Kennzahlen schaut, müsste eigentlich zuversichtlich sein.
Auch operativ tut sich einiges: Am 21. August absolvierte Rocket Lab die 93. Electron-Mission und brachte einen Erdbeobachtungssatelliten von iQPS in die Umlaufbahn – die 14. Electron-Mission des Jahres.
Parallel sammelt das Unternehmen weitere Aufträge der US-Weltraumstreitkräfte ein, etwa für das Space Data Network Backbone im Wert von 12 Millionen Dollar sowie die Aufnahme in das milliardenschwere NITE-STAR-Programm.
Mit Viasat kam zudem ein Auftrag zum Bau eines Satellitenbusses für das Programm Protected Tactical SATCOM-Global hinzu. Das ist ein Unternehmen, das operativ auf allen Zylindern läuft.
SpaceX bringt Unruhe in die Iridium-Übernahme
Und trotzdem fällt die Aktie. Der Grund liegt für mich klar bei der geplanten Übernahme von Iridium. Am Donnerstag bat SpaceX die US-Aufsichtsbehörde FCC, das Verhalten von Iridium während der laufenden Prüfung der Übernahme genauer unter die Lupe zu nehmen.
SpaceX argumentierte, Iridiums „gut dokumentierte Geschichte wettbewerbswidriger Attacken gegen Konkurrenten und amerikanische Verbraucher“ hänge wie eine Wolke über der geplanten Transaktion. Das trifft Rocket Lab direkt ins Mark, weil die Übernahmekonditionen die Zahlungen an Iridium-Aktionäre an den eigenen Aktienkurs koppeln – ein fallender Kurs verteuert die Übernahme also relativ zu ihrem ursprünglichen Wert.
Was mich an diesem Vorstoß von SpaceX nachdenklich stimmt: Zeitlich passt er exakt in eine Phase, in der die Übernahme eigentlich an Fahrt gewinnt. Die kartellrechtliche Wartefrist in den USA lief bereits am 12. August ab, Rocket Lab reichte eine S-4-Registrierung bei der SEC ein, und gemeinsam mit Iridium wurden am 10. August die nötigen FCC-Anträge zur Übertragung der Lizenzen gestellt.
Die Aktionärsabstimmung über die Übernahme ist für den 24. September angesetzt. Der Einwand von SpaceX kommt also in einem Moment, in dem die regulatorischen Weichen eigentlich schon gestellt schienen.
Insiderverkäufe relativieren sich bei genauerem Hinsehen
Dazu kommen zwei Insiderverkäufe, die auf den ersten Blick beunruhigend wirken: COO Frank Klein verkaufte am 24. August Aktien im Wert von rund 3,18 Millionen Dollar, CFO Adam Spice trennte sich am 27. August von Anteilen im Gegenwert von etwa 674.000 Dollar.
Beide Transaktionen erfolgten jedoch im Rahmen automatisierter Rule-10b5-1-Pläne zur Deckung von Steuerverpflichtungen aus der Ausübung von Restricted Stock Units – kein spontanes Signal des Managements gegen die eigene Aktie, sondern Routine. Wer daraus einen Vertrauensverlust des Managements ableitet, überinterpretiert meines Erachtens die Fakten.
Mein Fazit
Unterm Strich sehe ich bei Rocket Lab ein Unternehmen mit intaktem operativem Momentum, dessen Aktie derzeit unter der regulatorischen Unsicherheit rund um Iridium leidet. Die fundamentalen Zahlen – Umsatzwachstum, Auftragsbestand, neue Militäraufträge – sprechen für sich.
Der SpaceX-Vorstoß könnte sich als vorübergehende Störung erweisen, er könnte aber auch die Genehmigung durch die FCC verzögern und damit den für den 24. September angesetzten Zeitplan durcheinanderbringen.
Wer in Rocket Lab investiert ist, sollte die kommenden Wochen bis zur Aktionärsabstimmung als entscheidende Wegmarke betrachten – die operative Stärke des Unternehmens dürfte dabei nur eine Nebenrolle spielen, solange die Iridium-Frage nicht geklärt ist.
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