Jahrelang galt Rocket Lab als reiner Raketenbauer im Schatten von SpaceX. Jetzt bewertet der Markt das Unternehmen völlig neu. Eine massive Rally hievte die Papiere in dieser Woche auf nie gesehene Niveaus. Investoren erkennen den Wandel zu einer vertikal integrierten Plattform für Weltrauminfrastruktur.
Am Donnerstag markierte die Aktie ein neues Rekordhoch bei 113,40 Euro. Zwar setzten zum Wochenausklang Gewinnmitnahmen ein, die den Kurs auf glatt 107 Euro drückten. Auf Wochensicht verbucht das Papier dennoch ein Plus von knapp 20 Prozent. Hohe Handelsvolumina deuten auf einen breiten Einstieg institutioneller Adressen hin.
Mehr als nur Raketenstarts
Der Hauptgrund für die Neubewertung liegt in der veränderten Umsatzstruktur. Das Segment Space Systems, welches Satellitenkomponenten und Raumfahrzeuge fertigt, hat das klassische Startgeschäft überholt. Im ersten Quartal generierte diese Sparte 136,7 Millionen US-Dollar. Die reinen Raketenstarts brachten lediglich 63,7 Millionen US-Dollar ein.
Marktbeobachter sehen darin den Kern der aktuellen Kursfantasie. Die Börse bepreist Rocket Lab zunehmend wie hochmargige Rüstungs- und Infrastrukturplattformen, anstatt wie einen kapitalintensiven Transportdienstleister. Analysten von Citigroup und Goldman Sachs passten ihre Kursziele der rasanten Aufwärtsbewegung an. Sie verweisen explizit auf die wachsende Rolle des Unternehmens in nationalen Sicherheits- und Verteidigungsprogrammen.
Warten auf die Neutron-Rakete
Für das zweite Halbjahr 2026 richtet sich der Fokus auf die neue Trägerrakete Neutron. Der Erstflug des mittelschweren Modells ist für Ende des Jahres angesetzt. Das Unternehmen hat sich bereits Startverträge bis ins Jahr 2029 gesichert. Dies sorgt für langfristige Umsatzsichtbarkeit in einem traditionell volatilen Sektor.
Die aktuelle Bewertung lässt allerdings wenig Spielraum für Fehler. Verzögert sich die Entwicklung der Neutron-Rakete oder treten operative Probleme auf, drohen scharfe Korrekturen. Bis zum geplanten Erstflug bleibt die hohe Erwartungshaltung der dominierende Preistreiber für die Aktie.
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