Rocket Lab Aktie: Operativ stark, Kurs unter Sektor-Druck

Symbolbild, KI-generiert

Rocket Lab absolvierte den 95. Electron-Start und präsentierte neue Solarzellen, während Sektorängste die Aktie deutlich unter Druck setzen.

Auf einen Blick:
  • 95. Electron-Mission erfolgreich absolviert
  • Neue Solarzellen mit 31,5 Prozent Wirkungsgrad
  • Raymond James startet Bewertung mit Outperform
  • Sektorängste belasten Rocket-Lab-Aktie

Fünf Starts trennen Rocket Lab noch von der 100. Electron-Mission. Am heutigen Freitag hob die 95. Rakete des Unternehmens ab, die 16. in diesem Jahr allein – ein Tempo, das operative Stärke demonstriert.

Und doch fällt die Aktie seit Wochen, notiert aktuell bei 54,10 Euro und liegt satte 60 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro. Für mich ist genau diese Kluft zwischen operativer Nachrichtenlage und Kursverlauf die eigentliche Geschichte des Tages.

Operativ liefert Rocket Lab ab

Die Mission „Happily Ever Faster“ startete um 15:28 Uhr neuseeländischer Zeit von Launch Complex 1 und brachte einen Erdbeobachtungssatelliten für einen vertraulichen Kunden in eine kreisförmige Umlaufbahn von 500 Kilometern. Der nächste Electron-Start ist noch vor Monatsende geplant.

Parallel dazu hat Rocket Lab seine neue Solarzellengeneration IMM Apex vorgestellt: 31,5 Prozent Wirkungsgrad zu Missionsbeginn, 40 Prozent weniger Zellmasse als vergleichbare Triple-Junction-Produkte, und das ganz ohne Germanium-Substrat.

Über 1.100 Satelliten im Orbit nutzen bereits Solarprodukte des Unternehmens, darunter das James-Webb-Weltraumteleskop. Das ist keine Randnotiz, sondern ein Beleg dafür, dass Rocket Lab sein Geschäft über die reine Trägerrakete hinaus diversifiziert.

Auch von der Analystenseite kommt Rückenwind. Raymond James hat die Coverage für Rocket Lab heute mit einem „Outperform“-Rating und einem Kursziel von 80 US-Dollar aufgenommen – nach eigener Rechnung ein Aufwärtspotenzial von rund 27 Prozent.

Analyst Brian Gesuale verweist dabei auf das Q2-Umsatzwachstum von 62 Prozent auf 234 Millionen US-Dollar sowie einen Auftragsbestand von 2,36 Milliarden US-Dollar. Für das dritte Quartal stellt das Unternehmen selbst 250 bis 265 Millionen US-Dollar Umsatz in Aussicht.

Dazu kommt die für Mitte 2027 avisierte Übernahme von Iridium im Volumen von rund 8 Milliarden US-Dollar – ein Schritt, der Rocket Lab strategisch deutlich vergrößern würde.

Woher kommt dann der Kursdruck?

Wer nur die operativen Meldungen liest, fragt sich zu Recht, warum die Aktie 30 Tage in Folge rund 23 Prozent verloren hat und mit einem RSI von 36,6 klar im überverkauften Bereich notiert.

Die Antwort liegt weniger im Unternehmen selbst als im Sektor. CEO Peter Beck warnte in einem Interview mit Newstalk ZB davor, dass die Bewertungen im KI- und Raumfahrtsektor „platzen“ könnten – ausgelöst durch die Frenzy rund um den SpaceX-Börsengang.

SpaceX wird demnach mit rund 1,75 Billionen US-Dollar bewertet, bei 18,67 Milliarden US-Dollar Umsatz 2025 und einem Nettoverlust von 4,94 Milliarden US-Dollar. Das entspricht etwa dem 94-Fachen des Umsatzes. Als SpaceX Anfang Juni an der Nasdaq debütierte, verlor auch Rocket Lab an einem einzigen Tag 10,8 Prozent – reiner Sektor-Reflex, kein unternehmensspezifisches Problem.

Genau hier liegt für mich der Kern der Sache: Die Marktkapitalisierung von Rocket Lab lag bei rund 66 Milliarden US-Dollar bei nur 600 Millionen US-Dollar Umsatz 2025 – auch das eine ambitionierte Bewertung, wenngleich weit entfernt von den Dimensionen eines SpaceX. Wenn der CEO selbst öffentlich vor überhitzten Bewertungen im eigenen Sektor warnt, ist das ein bemerkenswertes Signal zur Selbstkritik, das man als Anleger ernst nehmen sollte.

Mein Fazit

Unterm Strich sehe ich bei Rocket Lab zwei Erzählstränge, die auseinanderlaufen. Operativ liefert das Unternehmen: Startkadenz, Produktinnovation, wachsender Auftragsbestand und positive Analystenstimmen sprechen für die fundamentale Story.

Der Kursverlauf spiegelt dagegen eine branchenweite Bewertungskorrektur wider, die durch die SpaceX-Neubewertung des gesamten New-Space-Sektors ausgelöst wurde. Der Konsens der Analysten bleibt mehrheitlich positiv, mit Kurszielen deutlich über dem aktuellen Niveau.

Ob sich die operative Stärke gegen den sektorweiten Bewertungsdruck durchsetzt, dürfte sich zeigen, sobald die Marktnervosität rund um KI- und Weltraum-Bewertungen wieder abebbt. Bis dahin bleibt die Aktie ein Fall, bei dem Fundamentaldaten und Kursverlauf spürbar auseinanderdriften.

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