Rocket Lab kämpft an einer entscheidenden Linie. Die Aktie schloss am Mittwoch bei 66,50 Euro und nähert sich damit ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 67,30 Euro. Für Charttechniker ist das eine der wichtigsten Unterstützungszonen überhaupt — und genau dort steht Rocket Lab jetzt auf der Kippe.
Der Kursverfall der letzten Wochen war heftig. Binnen sieben Tagen verlor die Aktie 7,89 Prozent, auf Monatssicht summiert sich das Minus auf 26,27 Prozent. Vom Rekordhoch bei 133,80 Euro aus dem Mai 2026 trennen das Papier inzwischen 50,30 Prozent. Der 14-Tage-RSI liegt bei 34,3 und nähert sich damit überverkauftem Terrain.
Wer nur auf die letzten Wochen schaut, verpasst die andere Seite der Geschichte: Auf Zwölfmonatssicht steht Rocket Lab immer noch mit 62,20 Prozent im Plus. Die aktuelle Schwäche ist also kein Totalabsturz, sondern eine harte Korrektur nach einem steilen Anstieg.
Neue Finanzprodukte spiegeln hohe Schwankungsbreite
Wie volatil die Aktie mittlerweile gehandelt wird, zeigt ein neues Finanzprodukt der Bank of Montreal. Das Institut legte am 15. Juli aktienbezogene Schuldverschreibungen im Volumen von rund 1,376 Millionen Dollar auf, die an die Kursentwicklung von Rocket Lab gekoppelt sind. Die Papiere bieten einen bedingten Jahreskupon von 20,65 Prozent, monatlich ausgezahlt — allerdings nur, solange die Aktie über einer Schwelle von 41,675 Dollar bleibt.
Diese Marke entspricht der Hälfte des im Prospekt festgelegten Startwerts von 83,35 Dollar. Ein Kupon dieser Höhe ist kein Zufall. Er spiegelt die annualisierte Volatilität der Aktie von aktuell 94,13 Prozent — ein Wert, der Rocket Lab in die Kategorie der besonders schwankungsanfälligen Wachstumstitel einordnet.
Das Handelsvolumen am Mittwoch lag bei 15,2 Millionen Aktien und damit rund 38 Prozent unter dem jüngsten Tagesdurchschnitt. Das deutet auf eine Phase des Abwartens hin, in der viele Investoren erst einmal die Richtung abwarten.
Neutron-Triebwerk besteht wichtigen Test
Während der Kurs schwächelt, macht das operative Geschäft Fortschritte. Am 13. Juli absolvierte Rocket Lab am NASA Stennis Space Center einen erfolgreichen Volllast-Test des Archimedes-Vakuum-Triebwerks für die zweite Stufe der Neutron-Rakete. Der Brenntest dauerte knapp unter 5,5 Minuten.
Das ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur wiederverwendbaren Neutron-Rakete im mittleren Nutzlastsegment, deren Erstflug noch für 2026 geplant ist. Für ein Unternehmen, das sich als ernsthafter Konkurrent im Startmarkt positionieren will, ist ein funktionierendes Triebwerk kein Detail — es ist die Grundlage des gesamten Geschäftsmodells.
Insider-Verkäufe nach festem Plan
Parallel zur Kursschwäche verkaufte der Equatorial Trust, eine Familienstiftung von CEO Peter Beck, zwischen dem 6. und 8. Juli rund 3,28 Millionen Aktien. Der Erlös summierte sich auf etwa 286,4 Millionen Dollar. Die Transaktionen liefen automatisch über einen Rule-10b5-1-Handelsplan, den der Trust bereits am 27. März 2026 aufgesetzt hatte.
Solche Pläne legen Verkäufe im Voraus fest, oft aus Gründen wie Portfoliodiversifikation oder Nachlassplanung. Sie lassen sich daher nicht ohne Weiteres als Signal für eine veränderte Einschätzung des Managements zur kurzfristigen Kursentwicklung lesen.
Analysten bleiben trotz Kursverfall optimistisch
Die Wall Street hält an ihrer positiven Einschätzung fest. Der Analystenkonsens lautet weiterhin „Strong Buy“, das durchschnittliche Kursziel liegt bei etwa 113,43 Dollar — deutlich über dem aktuellen Kursniveau. Diese Diskrepanz zwischen Kursziel und Realität zeigt, wie stark sich Markterwartung und kurzfristige Kursbewegung derzeit auseinanderentwickelt haben.
Am 6. August steht der nächste Quartalsbericht an. Der Markt rechnet mit einem Nettoverlust von 0,07 Dollar je Aktie bei Erlösen von rund 231,79 Millionen Dollar. Bei einer Marktkapitalisierung von 44,36 Milliarden Euro dürfte vor allem eines im Mittelpunkt stehen: ob die Unterstützung bei 67,30 Euro über den Sommer hinweg hält.
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