Ein Auftrag über 397 Millionen Dollar treibt Rocket Lab zurück ins Rampenlicht. Die US Space Force hat dem Unternehmen am 4. August 2026 den Zuschlag für das Programm „Space-Based Airborne Moving Target Indicator“ erteilt. Rocket Lab soll dafür sogenannte Flatellites entwickeln, starten und betreiben.
Der eigentliche Clou steckt im Detail: Es ist die erste öffentlich bestätigte Mission für die kommende Neutron-Rakete. Satelliten-Entwicklung und Bau starten jetzt. Der Start selbst hängt jedoch davon ab, ob die Rakete rechtzeitig flugbereit ist.
Die Nachricht hat der Aktie sichtbar Auftrieb gegeben. Binnen sieben Handelstagen legte das Papier um 29,69 Prozent zu, aktuell steht Rocket Lab bei 66,40 Euro. Vom 52-Wochen-Hoch aus Ende Mai trennen die Aktie dennoch noch mehr als die Hälfte.
Die entscheidende Frage
Für Anleger geht es um einen fundamentalen Wandel. Kann Rocket Lab den Sprung schaffen — vom Anbieter kleiner Satellitenstarts zum vollwertigen Rüstungs- und Raumfahrt-Generalunternehmer? Die Antwort hängt maßgeblich davon ab, ob die Neutron-Rakete pünktlich fliegt und den Auftragsbestand von 2,2 Milliarden Dollar bedienen kann.
Bullen-Szenario: Militärische Bestätigung und vertikale Integration
Der neue Space-Force-Auftrag bestätigt eine Strategie: Rocket Lab baut und betreibt die Flatellites selbst, statt sie nur zu starten. Das Unternehmen dringt damit in margenstärkere Servicebereiche vor.
Der Auftrag reiht sich in eine Serie ein. Erst kürzlich sicherte sich Rocket Lab einen Vertrag über suborbitale Starts im Wert von 266 Millionen Dollar sowie einen Hyperschall-Testauftrag über 190 Millionen Dollar. Das Unternehmen positioniert sich damit als zentraler Zulieferer für die US-Militärinfrastruktur.
Optimisten verweisen zudem auf die geplante Übernahme von Iridium für rund 8 Milliarden Dollar, die Mitte 2027 abgeschlossen werden soll. Zusammen mit dem prall gefüllten Auftragsbuch könnte sie die wiederkehrenden Einnahmen liefern, die Rocket Lab für den Sprung in die GAAP-Profitabilität braucht. Analysten trauen der Aktie im Konsens ein Kursziel von 99,31 Euro zu — ein Aufwärtspotenzial von fast 50 Prozent, sollten die Großprojekte planmäßig laufen.
Bären-Szenario: Ausführungsrisiko und hohe Schwankungen
Die Kehrseite: Rocket Lab stemmt gleich zwei Großprojekte parallel. Die Neutron-Rakete muss fertig werden, während gleichzeitig die milliardenschwere Iridium-Übernahme integriert wird.
Verzögert sich der für Ende 2026 geplante Neutron-Erstflug, gerät nicht nur die SB-AMTI-Mission unter Druck. Auch andere Aufträge im Bereich „Space Systems“, der inzwischen den Großteil des Umsatzes ausmacht, stünden dann auf der Kippe. Die 30-Tage-Volatilität von 96,67 Prozent auf annualisierter Basis zeigt, wie nervös der Markt diese Unsicherheit bereits einpreist.
Trotz der jüngsten Rally bleibt die Aktie 1,63 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 67,50 Euro. Der Kurs hat sich vom 30-Tage-Einbruch um 18,43 Prozent also noch nicht vollständig erholt. Hinzu kommt ein Belastungsfaktor aus der Chefetage: CEO Peter Beck hat in den vergangenen sechs Monaten rund 3,29 Millionen Aktien verkauft. Solche Insider-Verkäufe dieser Größenordnung dürften manchen Investor skeptisch stimmen.
Ausblick: Quartalszahlen und Neutron-Countdown
Hält Rocket Lab den Zeitplan für den Neutron-Erstflug Ende 2026 ein, könnte die Serie neuer Verteidigungsaufträge den Kurs zurück in Richtung des 50-Tage-Durchschnitts von 79,73 Euro tragen. Das wäre ein Anstieg von rund 20 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau.
Der nächste konkrete Prüfstein kommt schnell: Am 10. August 2026 legt Rocket Lab die Zahlen zum zweiten Quartal vor. Der Markt wird genau hinschauen, wie weit die Integration von Iridium fortgeschritten ist und wie der aktuelle Stand der Neutron-Testflüge aussieht.
Nennt das Management dabei ein belastbares Zeitfenster für den ersten Start, dürfte das reichen, um das Konsens-Kursziel von 99,31 Euro wieder in greifbare Nähe zu rücken. Deuten die Zahlen dagegen auf steigende Entwicklungskosten oder neue Verzögerungen hin, dürfte der Rally der vergangenen Woche schnell die Luft ausgehen.
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