Rocket Lab testet gerade eine Marke, die in der Vergangenheit fast immer eine Erholung eingeleitet hat. Die Aktie notiert bei 69,70 Euro und damit nur knapp über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 67,32 Euro. Genau dieses Zusammentreffen wertet Schaeffer’s Investment Research als historisch bullisches Signal.
Was die Statistik zeigt
Der Analysedienst hat die letzten fünf Fälle untersucht, in denen Rocket Lab auf diese Linie zurückfiel. Das Ergebnis: In 80 Prozent der Fälle stieg der Kurs im folgenden Monat. Der durchschnittliche Gewinn lag bei 37,1 Prozent binnen 30 Tagen.
Der Vergleich zum bisherigen Kursverlauf zeigt das Ausmaß des Rückschlags. Rocket Lab liegt aktuell 47,91 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro vom 27. Mai. Zum 52-Wochen-Tief von 32,60 Euro aus dem November besteht dagegen noch ein Puffer von 113,80 Prozent.
Der Absturz der letzten Wochen war heftig: Auf 30-Tage-Sicht verlor die Aktie 26,17 Prozent, auch der 50-Tage-Durchschnitt liegt mit 94,47 Euro weit über dem aktuellen Kurs. Der RSI von 36,9 signalisiert eine überverkaufte Situation. Zur Einordnung: Auf Jahressicht steht Rocket Lab dennoch mit 80,57 Prozent im Plus.
Der große Umbau: vom Raketenbauer zum Satellitenkonzern
Hinter der Kursschwäche steckt kein operatives Problem, sondern eine strategische Wette von historischem Ausmaß. Am 29. Juni unterschrieb Rocket Lab eine verbindliche Vereinbarung zur Übernahme von Iridium Communications. Das Volumen: rund 8 Milliarden Dollar.
Iridium-Aktionäre erhalten je Anteil 27,00 Dollar in bar plus Rocket-Lab-Aktien. Der Deal soll Mitte 2027 abgeschlossen sein, vorausgesetzt Aktionäre und Aufsichtsbehörden stimmen zu. Mit der Übernahme kombiniert Rocket Lab seine Raketen- und Satellitenfertigung mit Iridiums Netzwerk aus 80 quervernetzten Satelliten im niedrigen Erdorbit. Das bringt dem Konzern zusätzlich 2,55 Millionen aktive Abonnenten.
Morgan Stanley honorierte den strategischen Kurswechsel bereits am 8. Juli mit einer Anhebung des Bull-Case-Kursziels, die Einstufung „Overweight“ blieb bestehen. Die Bank begründet dies mit der wachsenden Ähnlichkeit zu integrierten Weltraumkonzernen, deren Wertschöpfung aus eigener Infrastruktur und wiederkehrenden Serviceerlösen stammt.
Operative Fortschritte parallel zum Umbau
Während der Konzernumbau die Schlagzeilen dominiert, läuft das Tagesgeschäft weiter. Rocket Lab arbeitet an der Fertigstellung von 18 Weltraumfahrzeugen für die US Space Development Agency, Auslieferungen sollen Mitte 2027 beginnen.
Beim neuen Mittelklasse-Träger Neutron bleibt der Zeitplan intakt. Ein vollständiger Hot-Fire-Test des Archimedes-Vakuumtriebwerks lief erfolgreich, der Jungfernflug ist weiterhin für Ende 2026 geplant.
Die Volatilität bleibt hoch: Die annualisierte 30-Tage-Schwankung liegt bei 94,13 Prozent, die Marktkapitalisierung beträgt umgerechnet 44,36 Milliarden Euro. Ob die historische Erfolgsquote am 200-Tage-Schnitt diesmal greift, hängt maßgeblich davon ab, wie der Markt die Iridium-Übernahme in den kommenden Monaten bewertet.
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