Rocket Lab schafft die Kehrtwende. Nach einem brutalen 30-Tage-Absturz von über 36 Prozent legt die Aktie am Donnerstag um 9,18 Prozent zu und schließt bei 55,90 Euro. Der Rebound fällt in eine turbulente Phase: eine milliardenschwere Übernahme, ein neuer Großauftrag und ein sektorweiter Ausverkauf bei Weltraum-Aktien prägen gerade das Bild.
Neuer Auftrag trifft überverkauften Markt
Der Auslöser für die Erholung: Rocket Lab meldet einen neuen Mehrfach-Launch-Vertrag mit dem japanischen Satellitenbetreiber iQPS. Der Deal umfasst drei Starts über die Electron-Rakete. Es ist bereits die dritte Großbestellung von iQPS innerhalb eines Jahres.
Wachstumsaktien gerieten zuvor branchenweit unter Druck, erholten sich am Donnerstag aber besonders kräftig. Ein US-Konjunkturbericht mit nur 1,5 Prozent Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal spielte den Kursen dabei in die Karten. Hinzu kam die Technik: Die Aktie war vor der Erholung deutlich überverkauft.
Große Lücke zu Analystenzielen
Die Rally folgt auf eine Phase, in der der Kurs weit unter die Einschätzungen der Wall Street gefallen war. Im Schnitt sehen 17 Analysten ein Kursziel von 114,33 Dollar für Rocket Lab – rund 79 Prozent über dem aktuellen Kursniveau.
Die jüngsten Analysten-Bewegungen fallen mehrheitlich positiv aus:
- KGI Securities stuft die Aktie am 27. Juli auf „Outperform“ hoch, Kursziel 107 Dollar
- Piper Sandler startet die Coverage am 16. Juli mit „Neutral“ und einem Kursziel von 83 Dollar
- Bank of America bestätigt am 30. Juni ihr „Buy“-Rating und hebt das Kursziel auf 115 Dollar an
Die Analysten begründen ihren Optimismus vor allem mit dem wachsenden Auftragsbestand im Regierungs- und Kommerzgeschäft, weniger mit der kurzfristigen Kursentwicklung.
Die Iridium-Übernahme belastet weiter
Ein Großteil der Kursschwankungen geht auf die geplante Übernahme des Satellitenbetreibers Iridium Communications zurück. Am 29. Juni kündigte Rocket Lab an, Iridium zu einem Unternehmenswert von rund 8 Milliarden Dollar zu übernehmen. Iridium-Aktionäre sollen 54 Dollar je Aktie erhalten – 27 Dollar in bar, den Rest in Rocket-Lab-Aktien über ein Umtauschverhältnis mit Kursband.
Citizens-Analyst Trevor Walsh hob sein Kursziel nach der Ankündigung von 95 auf 130 Dollar an. Seine Begründung: Die Übernahme beschleunige Rocket Labs Vorstoß in höherwertige Weltraumanwendungen erheblich und schaffe eine vertikal integrierte Plattform.
Manche Marktbeobachter sehen die große Lücke zwischen Analystenzielen und Kurs als Zeichen der Skepsis – nicht gegenüber dem operativen Geschäft, sondern gegenüber der Finanzierung des Milliarden-Deals. Der Markt preist demnach eher die Unsicherheit der Transaktionsstruktur ein als schwache Fundamentaldaten.
Auftragsbuch wächst trotz Kursturbulenzen
Unabhängig von der Kursvolatilität wächst das Auftragsbuch weiter. Rocket Lab beendete 2025 mit 602 Millionen Dollar Umsatz und wies zum ersten Quartal 2026 einen Backlog von über 2 Milliarden Dollar aus. Die neue iQPS-Vereinbarung ist bereits die dritte Mehrfach-Buchung des japanischen Kunden binnen eines Jahres und bringt die Gesamtzahl kontrahierter Electron-Missionen auf 18. Die drei neuen Starts sollen Ende 2027 von Rocket Labs Startkomplex 1 abheben.
Der nächste Termin steht bereits fest: Am 10. August 2026 legt Rocket Lab die Zahlen zum zweiten Quartal vor. Investoren dürften dabei genau auf zwei Punkte achten – den Ausblick fürs Kerngeschäft und den Fortschritt bei der Integration von Iridium.
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