Rocket Lab Aktie: FCC prüft Iridium-Übernahme

Symbolbild, KI-generiert

Rocket Lab finanziert die geplante Iridium-Übernahme, steigert den Quartalsumsatz und treibt zugleich die Entwicklung der Neutron-Rakete voran.

Auf einen Blick:
  • FCC eröffnet Verfahren zum Lizenztransfer
  • Aktienemission bringt 1,94 Milliarden Dollar
  • Quartalsumsatz steigt um 62 Prozent
  • Neutron-Erststart für Q4 2026 angepeilt

Es gibt Momente, in denen eine einzelne Branche im Zeitraffer zeigt, was der ganzen Wirtschaft bevorsteht: zu viel Nachfrage, zu wenig Kapazität, und ein paar Unternehmen, die genau in dieser Lücke ihr Geschäftsmodell bauen. Die Raumfahrtindustrie erlebt das gerade live.

Auf dem Glenn Space Technology Symposium in Ohio warnten Branchenvertreter am Mittwoch vor einem strukturellen Engpass bei verfügbaren Trägerraketen: SpaceX verschiebt Ressourcen von der Falcon 9 hin zu Starship, Blue Origins New Glenn steht nach einer Explosion auf der Startrampe im Mai still, ULAs Vulcan Centaur ist seit Februar wegen einer Booster-Anomalie am Boden. Die US-Raumfahrtbehörde plant bis 2030 mit über tausend Starts und Wiedereintritten pro Jahr. Wer soll das fliegen?

Rocket Lab positioniert sich mitten in dieser Lücke, und der Markt honoriert das gerade sehr deutlich. Am Donnerstag legte die Aktie um 6,7 Prozent zu, nach einem Wochengewinn von rund 9 Prozent.

Der Auslöser: Die US-Regulierungsbehörde FCC hat die Lizenztransfer-Anträge für die geplante Übernahme von Iridium Communications angenommen und ein öffentliches Kommentarverfahren eröffnet. Das ist noch keine Freigabe des Deals, aber eine erste formale Hürde ist genommen.

Parallel meldete Rocket Lab den Abschluss einer Aktienemission über 1,94 Milliarden Dollar, mit der die milliardenschwere Iridium-Übernahme finanziert wird. Eine zuvor eingerichtete Brückenfinanzierung über 3,6 Milliarden Dollar wurde daraufhin storniert – ein Schritt, der Zinskosten spart, aber rund 29,3 Millionen neue Aktien in den Markt bringt.

Zwei Geschäfte in einem Unternehmen

Was mich an der Iridium-Wette interessiert, ist nicht nur der Kaufpreis von rund acht Milliarden Dollar, sondern die Logik dahinter: Rocket Lab will die wiederkehrenden Umsätze aus Iridiums Satellitenkommunikation – mehr als 870 Millionen Dollar Jahresumsatz, 66 Satelliten, 2,5 Millionen Abonnenten – mit dem eigenen Launch- und Space-Systems-Geschäft verzahnen.

Aus einem zyklischen Raketenbauer würde so ein Unternehmen mit einem stabilen Abo-Fundament. Der Abschluss ist für Mitte 2027 anvisiert, SpaceX hat die FCC unterdessen aufgefordert, Iridiums Verhalten gegenüber Konkurrenten zu prüfen – ohne den Deal selbst infrage zu stellen.

Die reinen Zahlen des zweiten Quartals sprechen für sich, auch ohne Iridium: 234 Millionen Dollar Umsatz, ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr, Space Systems allein wuchs um 94 Prozent.

Der Auftragsbestand kletterte auf 2,36 Milliarden Dollar, ein Plus von 137 Prozent, davon fast die Hälfte mit Fälligkeit innerhalb von zwölf Monaten. Für 2027 rechnen Beobachter mit über 1,5 Milliarden Dollar Umsatz – auch das schon ohne Iridium eingerechnet.

Neutron als eigentlicher Prüfstein

Während die Iridium-Geschichte die Schlagzeilen dominiert, entscheidet sich das langfristige Schicksal der Aktie an einem anderen Projekt: der neuen Neutron-Rakete.

Diese Woche wurden wichtige Vorflugtests am sogenannten „Hungry Hippo“-Verkleidungssystem abgeschlossen, ein zehn Meter hoher Teststand in Virginia ist installiert, als Nächstes steht ein Test der Schubmodule am Startgestell an, bevor eine nasse Generalprobe und ein statischer Zündtest folgen.

Neutron soll 13 Tonnen in den niedrigen Erdorbit befördern, zu einem Zielpreis von 50 bis 55 Millionen Dollar, mit 10 bis 20 Flügen pro Booster. Der Erststart am Pad wird für das vierte Quartal 2026 angepeilt – ein für 2026 gesichertes Startdatum gibt es noch nicht.

Nicht alles läuft reibungslos: Rocket Lab hat offiziell Protest beim US-Rechnungshof gegen die NASA-Entscheidung eingelegt, einen rund 700 Millionen Dollar schweren Auftrag für einen Mars-Telekommunikationssatelliten an Blue Origin zu vergeben.

Das Unternehmen argumentiert, die Auswahl verstoße gegen vom Kongress vorgegebene Kriterien. Ein Rechtsstreit dieser Art kann sich hinziehen und bindet Aufmerksamkeit, während gleichzeitig die Iridium-Integration und der Neutron-Fahrplan Kapital und Management binden.

Der Kurs notiert derzeit rund 56 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro, hat sich vom Jahrestief bei 32,60 Euro aber deutlich erholt und liegt knapp unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 60,66 Euro.

Die Frage, die sich Anleger stellen müssen, ist weniger, ob Rocket Lab wächst – das tut es klar erkennbar –, sondern ob das Unternehmen zwei komplexe Großprojekte gleichzeitig stemmen kann, ohne sich dabei finanziell und operativ zu übernehmen.

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