Mit der geplanten Übernahme von Iridium Communications will Rocket Lab den Schritt vom reinen Raketenbauer zum vertikal integrierten Raumfahrtkonzern vollziehen. CEO Peter Beck konkretisierte die strategischen Pläne für den Zusammenschluss, der Trägerraketen, den Bau von Raumfahrzeugen sowie weltweite Satellitenkommunikation unter einem Dach vereinen soll.
Beck beziffert das Marktpotenzial für Trägerraketen auf 10 bis 20 Milliarden Dollar und jenes für Raumfahrzeuge auf 20 bis 30 Milliarden Dollar, sieht die weitaus größeren Erlöschancen jedoch im Bereich der nachgelagerten Dienste und Anwendungen.
Am Markt stießen die Ausführungen auf Zuspruch. Im heutigen Handel klettert der Kurs um 2,0 Prozent auf 62,10 Euro und setzt damit den jüngsten Erholungstrend fort. Mit diesem Niveau notiert das Papier wieder über dem 50-Tage-Durchschnitt von 60,09 Euro.
Aktionäre entscheiden über Milliardenübernahme
Die Transaktion bewertet Iridium mit einem Eigenkapitalwert von 6,0 Milliarden Dollar sowie einem Unternehmenswert von 8,1 Milliarden Dollar. Über das Vorhaben stimmen die Iridium-Aktionäre am Donnerstag ab. Das Angebot sieht vor, dass Anteilseigner von Iridium je Aktie 27 Dollar in bar sowie einen variablen Anteil an Rocket-Lab-Papieren erhalten.
Der finale Vollzug der Transaktion wird für Mitte 2027 angestrebt und steht unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen. Nach Abschluss sollen die bisherigen Iridium-Aktionäre rund 5 Prozent an der kombinierten Gesellschaft halten.
Die Finanzierung des Barkaufpreises ist bereits durchstrukturiert. Rocket Lab platzierte im Rahmen eines Aktienprogramms 29,3 Millionen Anteilsscheine und erlöste damit 1,944 Milliarden Dollar.
Ergänzt wird die Finanzierung durch bestehende liquide Mittel sowie einen geänderten Darlehensvertrag von Iridium über 1,775 Milliarden Dollar. Eine zuvor vereinbarte Brückenfinanzierung über 3,6 Milliarden Dollar konnte der Konzern damit vorzeitig auflösen, was die Zinsrisiken im Vorfeld des Abschlusses verringert.
Analysten sehen Katalysatoren bei Großrakete und Zukauf
Rückenwind erhält das Unternehmen auch von Analystenseite. Andres Sheppard vom Analysehaus Cantor Fitzgerald bekräftigte die Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 122 Dollar.
Das Analysehaus sieht zwei maßgebliche Treiber für die künftige Unternehmensbewertung: den geplanten Abschluss der Iridium-Übernahme Mitte 2027 sowie den Erstflug der mittelschweren Trägerrakete Neutron. Neben der etablierten Startinfrastruktur und der wachsenden Zahl von Regierungsaufträgen bilde vor allem die Ausweitung auf größere Nutzlasten einen wichtigen Wettbewerbsvorteil.
Bei der Entwicklung der wiederverwendbaren Neutron-Rakete verzeichnet der Konzern weitere Fortschritte. Die Funktionstests der klappbaren Nutzlastverkleidung wurden erfolgreich abgeschlossen. Zudem installierten die Ingenieure auf dem Startgelände im US-Bundesstaat Virginia einen zehn Meter hohen Teststand, auf dem künftig die Triebwerksmodule der zweiten Raketenstufe vor Ort erprobt werden.
Hohe Startkadenz im operativen Geschäft
Während die Vorbereitungen für das künftige Trägersystem laufen, lastet das operative Geschäft das bestehende Programm stark aus. Rocket Lab brachte kürzlich im Rahmen seiner 96. Gesamtmission den zwölften Radarsatelliten für den japanischen Kunden Synspective ins All.
Die Partnerschaft weist bislang eine Erfolgsquote von 100 Prozent auf; bis zum Ende des Jahrzehnts sind 15 weitere Missionen für Synspective vertraglich fixiert. Insgesamt summierte sich der Auftragsbestand des Konzerns zuletzt auf den Rekordwert von 2,36 Milliarden Dollar. Das Unternehmen bereitet derzeit bereits seinen 97. Start vor, was die vierte Electron-Mission binnen 25 Tagen markiert.
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