Bank of America hat am Montag ihr Kursziel für Rocket Lab von 115 auf 110 US-Dollar gesenkt, die Kaufempfehlung aber bestätigt. Die Anpassung fällt in eine Phase, in der das Raumfahrtunternehmen operativ deutliche Fortschritte zeigt, an der Börse aber unter Druck steht. Der Schlusskurs lag am Dienstag bei 54,30 Euro, nach einem Minus von 1,5 Prozent im Tagesverlauf und einem Rückgang von 11 Prozent auf Monatssicht.
Die Kurszielsenkung von Bank of America wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich angesichts der Geschäftszahlen, die Rocket Lab am 10. August vorgelegt hatte. Der Umsatz kletterte im zweiten Quartal auf einen Rekordwert von 234 Millionen US-Dollar, ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Noch deutlicher fiel der Sprung beim Auftragsbestand aus: Mit 2,36 Milliarden US-Dollar liegt er 137 Prozent über dem Vorjahreswert. Auf der Ergebnisseite verfehlte das Unternehmen die Erwartungen knapp, unter anderem wegen Kosten im Zusammenhang mit der laufenden Iridium-Übernahme.
Neue Aufträge von US-Streitkräften und Viasat
Abseits der Quartalszahlen hat Rocket Lab in den vergangenen Wochen mehrere Verträge mit dem US-Militär und der Rüstungsindustrie an Land gezogen. Die US Space Force wählte das Unternehmen für das Space Data Network Consortium aus und stellte einen Auftrag über 12 Millionen US-Dollar für ein globales militärisches Kommunikationsnetzwerk in Aussicht.
Zusätzlich wurde Rocket Lab in das NITE-STAR-Programm für Test- und Trainingsinfrastruktur im All aufgenommen, das ein Auftragsvolumen von bis zu 981 Millionen US-Dollar umfasst.
Der Satellitenbetreiber Viasat beauftragte Rocket Lab zudem mit dem Bau eines Lightning-GEO-Satellitenbusses für eine Mission der Space Development Agency.
Auch im kommerziellen Bereich tut sich etwas: Der kanadische Anbieter Kepler Communications hat einen dedizierten Neutron-Start gebucht, der frühestens 2028 stattfinden soll. Firmenchef Peter Beck wertete den Vertrag als Signal dafür, dass Neutron zur bevorzugten Alternative für Missionen mittlerer Nutzlast werden könne.
Iridium-Übernahme bleibt Belastungsfaktor
Über all diesen operativen Fortschritten hängt weiterhin die milliardenschwere Übernahme von Iridium Communications, die Rocket Lab zu einem vertikal integrierten Raumfahrtkonzern machen soll.
Die Aktionäre von Iridium stimmen am 24. September 2026 über die Transaktion ab, seither hat der Kurs von Rocket Lab um 2,3 Prozent nachgegeben. Auch SpaceX hatte sich zuvor mit einer Eingabe bei der US-Regulierungsbehörde FCC in das Verfahren eingeschaltet und Bedenken wegen möglicher Frequenzstörungen durch Iridium geäußert, ohne den Deal grundsätzlich abzulehnen.
Da die Gegenleistung an Iridium-Aktionäre an den Aktienkurs von Rocket Lab zum Zeitpunkt des Abschlusses gekoppelt ist, wirkt sich die Kursschwäche unmittelbar auf die Kosten der Übernahme aus. Diese Konstruktion erklärt einen Teil der Nervosität der Investoren, unabhängig von den operativen Nachrichten.
Parallel zu den Wachstumsmeldungen verkauften fünf Führungskräfte, darunter Betriebschef Frank Klein und Finanzchef Adam Spice, Ende August Aktien im Gesamtwert von 5,49 Millionen US-Dollar. Die Transaktionen dienten laut den zugrunde liegenden Pflichtmitteilungen ausschließlich der Begleichung von Steuerverbindlichkeiten aus vestenden Aktienpaketen. Die Führungsriege behielt anschließend rund 97,5 Prozent ihrer Anteile.
Die Investmentgesellschaft ARK von Cathie Wood nutzte die Kursschwäche Anfang August, um für rund 12,8 Millionen US-Dollar zusätzliche Aktien zu erwerben – ein Signal, dass institutionelle Anleger trotz der Volatilität an der langfristigen Wachstumsstory festhalten.
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