Rocket Lab Aktie: 981 Millionen im NITE-STAR-Programm

Rocket Lab erweitert sein Portfolio um mobile Startplätze und optische Satellitenkommunikation. Trotz Rekordaufträgen belastet die Neutron-Verzögerung weiterhin den Aktienkurs.

Auf einen Blick:
  • Mobiles Startsystem GHOST vorgestellt
  • Space-Force-Aufträge über zwölf Millionen
  • Rekordauftragsbestand von 2,36 Milliarden
  • Iridium-Übernahme schreitet planmäßig voran

Es gibt Wochen, in denen ein Unternehmen mehr über seine Zukunft verrät als in ganzen Quartalsberichten. Bei Rocket Lab war das diese Woche der Fall – und die eigentliche Geschichte hat wenig mit der viel diskutierten Neutron-Rakete zu tun, deren Verzögerung die Aktie seit rund zwei Wochen belastet.

Am Dienstag verkündete das Unternehmen zwei Nachrichten, die auf den ersten Blick technisch klingen, in der Summe aber zeigen, wohin sich Rocket Lab wirklich bewegt: weg vom reinen Raketenbauer, hin zum Infrastrukturanbieter für die Datenwelt im Orbit.

Ein mobiler Weltraumbahnhof aus dem Container

Zunächst stellte Rocket Lab „GHOST“ vor – ausgeschrieben Global Hypersonic & Orbital Spaceport Technology. Dahinter verbirgt sich ein mobiles, in sich geschlossenes Startsystem, das Electron- und HASTE-Missionen von temporären oder entlegenen Standorten aus ermöglichen soll.

Die erste Anlage steht bereits am Pacific Spaceport Complex im alaskischen Kodiak. Man kann das als Nischenprojekt abtun. Man kann darin aber auch die logische Antwort auf eine Frage lesen, die das gesamte Raumfahrtgeschäft umtreibt: Wie bringt man Nutzlasten schneller und flexibler ins All, wenn feste Startplätze zum Flaschenhals werden?

Fast zeitgleich meldete Rocket Lab den Beitritt zum Space Data Network Consortium der U.S. Space Force – und sicherte sich direkt zwei Lieferaufträge im Volumen von zusammen 12 Millionen Dollar. Ziel ist die Entwicklung sicherer optischer Kommunikations- und Netzwerktechnik auf Basis der Photon-Plattform.

Auch das klingt zunächst nach einer Randnotiz. Zusammengenommen mit GHOST ergibt sich aber ein Muster: Rocket Lab baut nicht nur Raketen, sondern positioniert sich als Anbieter der Verbindungsschicht zwischen Erde und Orbit – Starts, Satelliten, Datenübertragung, alles aus einer Hand.

Die Rüstungslinie zieht sich durch das ganze Geschäft

Diese Strategie fügt sich in eine Serie staatlicher Aufträge, die sich über den gesamten August zieht. Am 18. August wurde Rocket Lab als einer von 15 Anbietern für das NITE-STAR-Rahmenprogramm der Space Force ausgewählt, mit einem gemeinsamen Volumen von 981 Millionen Dollar bis Juli 2032. Anfang des Monats kam bereits ein Auftrag über 397 Millionen Dollar für die „Flatellites“ im Rahmen des SB-AMTI-Programms hinzu.

Das Militär ist längst kein Nebenkunde mehr, sondern tragende Säule des Auftragsbestands, der zuletzt auf ein Rekordniveau von 2,36 Milliarden Dollar geklettert war – ein Plus von 137 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie das Unternehmen bei der Vorlage der Quartalszahlen Anfang August mitteilte.

Und dennoch: An der Börse zählt derzeit vor allem eine andere Erzählung. Die Neutron-Verzögerung und die Kapitalumschichtung nach der Ankündigung des SpaceX-Börsengangs haben den Kurs in den vergangenen Tagen belastet – gestern schloss die Aktie bei 57,50 Euro, aktuell notiert sie bei 57,10 Euro.

Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 69,29 Euro liegt bei minus 18 Prozent, ein Zeichen dafür, wie stark die kurzfristige Stimmung von den langfristigen Fundamentaldaten abgekoppelt ist.

Zwischen Rekordaufträgen und Milliarden-Übernahme

Parallel läuft im Hintergrund die größte Wette des Unternehmens: die geplante Übernahme von Iridium Communications für 8 Milliarden Dollar. Die Wartefrist nach dem Hart-Scott-Rodino-Gesetz ist bereits abgelaufen, die Registrierungsunterlagen für die Iridium-Aktionäre sind bei der US-Börsenaufsicht eingereicht.

Beide Unternehmen haben zudem gemeinsam die Übertragung der Iridium-Lizenzen bei der amerikanischen Regulierungsbehörde FCC beantragt. Sollte der Deal durchgehen, würde Rocket Lab nicht nur Raketen und Satelliten bauen, sondern auch ein globales Kommunikationsnetzwerk betreiben – ein weiterer Baustein im selben Muster wie GHOST und das Space-Data-Network-Engagement.

Die spannende Frage für Anleger ist deshalb nicht mehr nur, wann Neutron endlich abhebt. Sie lautet: Verwandelt sich Rocket Lab gerade von einem Launch-Anbieter in einen Infrastrukturkonzern für die vernetzte Umlaufbahn – und wird der Markt das erst erkennen, wenn Iridium und Neutron gleichzeitig Realität geworden sind?

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