Insider-Verkauf trifft auf Makro-Schock — das war eine bittere Woche für Rocket-Lab-Aktionäre. Die Aktie schloss am Freitag bei 95,50 Euro, ein Tagesminus von 7,64 Prozent. In sieben Tagen summiert sich der Verlust auf 22 Prozent.
Insider verkauft, Markt straft
Am 5. Juni 2026 trennte sich Direktor Alexander Slusky von 40.000 Aktien. Der Erlös: knapp 4,9 Millionen US-Dollar. Solche Transaktionen lösen selten Panik aus — doch das Timing war denkbar ungünstig.
Denn zeitgleich traf ein starker US-Arbeitsmarktbericht die Technologiebörsen hart. Im Mai entstanden 172.000 neue Stellen, erwartet waren 85.000. Das verschob die Erwartungen für Zinssenkungen deutlich nach hinten. Der Nasdaq verlor 4,18 Prozent, US-Technologiewerte büßten zusammen fast zwei Billionen Dollar an Marktkapitalisierung ein. Kapitalintensive Branchen wie die Raumfahrt traf das besonders.
Starkes Wachstum, hohe Bewertung
Operativ läuft es bei Rocket Lab gut. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz auf 200 Millionen US-Dollar — ein Plus von 63,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für das zweite Quartal erwartet das Management 232,5 Millionen Dollar, rund zwölf Prozent über früheren Analystenprognosen.
Das Problem: Die Aktie ist teuer. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis auf Basis der Erwartungen liegt bei rund 74. Das lässt wenig Spielraum für Enttäuschungen.
Branche im Umbruch
Rund um Rocket Lab verändert sich die Wettbewerbslandschaft spürbar. Blue Origin erlitt einen schweren Rückschlag: Die New-Glenn-Rakete explodierte bei einem Triebwerkstest in Florida. Mondmissionen und Satellitenstarts für Amazon verzögern sich damit um mindestens ein Jahr.
Größere Aufmerksamkeit zieht derzeit der geplante SpaceX-Börsengang am 11. Juni 2026. Eine Bewertung von rund 1,77 Billionen Dollar steht im Raum. Das Listing wird zum Stimmungstest für die gesamte Branche. Clear Street hat seine Einschätzung für Rocket Lab angehoben und verweist auf strukturelle Infrastrukturvorteile bis 2030. Spark AI bleibt hingegen bei „Neutral“ — mit Verweis auf anhaltende Verluste und hohen Kapitalbedarf.
Technisches Bild nach dem Rücksetzer
Trotz des Einbruchs liegt die Aktie noch 14 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 83,61 Euro und deutlich über dem 200-Tage-Schnitt von 61,64 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von knapp 47 Prozent. Der RSI liegt bei 46 — weder überkauft noch überverkauft.
Vom Allzeithoch bei 133,80 Euro, das erst am 27. Mai 2026 markiert wurde, trennt die Aktie ein Abstand von fast 29 Prozent. Der SpaceX-Börsengang nächste Woche wird zeigen, ob die Raumfahrtbranche als Ganzes Vertrauen zurückgewinnt — oder ob der Verkaufsdruck anhält.
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