Ein Kurssturz von über 36 Prozent in einem Monat, während das Unternehmen Rekordumsätze meldet. Bei Rocket Lab klafft die Wahrnehmung der Börse und die operative Realität gerade weit auseinander. Der Auslöser: eine skeptische Analystenstudie zur geplanten Milliarden-Übernahme von Iridium Communications.
Rocket Lab schloss am Freitag bei 59,30 Euro, ein moderates Plus von 0,68 Prozent zum Vortag. Das kann aber nicht über die brutale Woche hinwegtäuschen: Binnen sieben Tagen verlor die Aktie 16,48 Prozent. Auf Monatssicht steht ein Minus von 36,85 Prozent zu Buche.
Vom Rekordhoch tief ins Minus
Noch Ende Mai sah die Welt für Rocket Lab-Aktionäre anders aus. Am 27. Mai markierte die Aktie mit 133,80 Euro ihr 52-Wochen-Hoch. Aktuell liegt der Kurs damit rund 56 Prozent unter diesem Niveau.
Die Aktie notiert inzwischen deutlich unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 93,64 Euro und auch unter dem 100-Tage-Durchschnitt von 78,54 Euro. Einzig zum langfristigeren 200-Tage-Durchschnitt bei 67,33 Euro bleibt der Abstand mit knapp 12 Prozent überschaubar. Genau dieses Niveau könnte für Chart-Trader nun zur nächsten Orientierungsmarke werden.
Der 14-Tage-RSI ist auf 30,2 gefallen. Das gilt unter Tradern klassisch als Signal für eine überverkaufte Aktie. Passend dazu liegt die annualisierte 30-Tage-Volatilität bei 96 Prozent — ein Wert, der die aktuelle Nervosität am Markt greifbar macht.
Piper Sandler bringt den Stein ins Rollen
Den jüngsten Ausverkauf löste maßgeblich eine neue Analyse von Piper Sandler aus. Die Bank nahm die Coverage für Rocket Lab mit einem „Neutral“-Rating auf und äußerte dabei konkrete Bedenken zur geplanten Übernahme von Iridium Communications im Volumen von 8 Milliarden Dollar. Verstärkt wurde der Kursdruck zusätzlich durch Insider-Verkäufe und eine allgemein angespannte Stimmung bei Raumfahrt-Aktien.
Die breitere Analystengemeinde bleibt trotz der Turbulenzen mehrheitlich zuversichtlich. Von 16 Analysten, die eine Einschätzung veröffentlicht haben, stufen 81 Prozent die Aktie als Kauf oder starken Kauf ein. Keiner rät zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel von 117 Dollar würde gegenüber dem aktuellen Niveau ein deutliches Aufwärtspotenzial bedeuten.
Geschäftszahlen laufen der Kursentwicklung davon
Während die Aktie einbricht, meldet das Unternehmen operativ das Gegenteil. Der eigene CEO bezeichnete das jüngste Quartal als „phänomenal“ — mit Rekordumsatz, Rekordauftragsbestand und einer Flut neuer Launch-Verträge.
Das Segment Launch Services erwirtschaftete im ersten Quartal 63,7 Millionen Dollar. Der größere Bereich Space Systems, der Satelliten und kritische Komponenten baut, kam im selben Zeitraum auf 136,7 Millionen Dollar.
Für das laufende zweite Quartal rechnet das Management mit einem Umsatz von rund 233 Millionen Dollar im Mittel der Prognose. Das entspräche einem Wachstum von 61 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Iridium-Deal bleibt Zünglein an der Waage
Die überverkaufte technische Lage und die solide operative Entwicklung sprechen für sich. Am Ende hängt die weitere Kursrichtung aber vor allem an einer Frage: Wird die Iridium-Übernahme Rocket Lab zu einem Anbieter kompletter Weltraum-Lösungen machen — oder bringt sie kurzfristige Integrationsrisiken und Verwässerung mit sich, die die aktuelle Vorsicht der Anleger rechtfertigen? Bis diese Frage sich klärt, dürfte die Aktie volatil bleiben.
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