Rocket Lab Aktie: 3,6-Milliarden-Finanzierung für Iridium

Rocket Lab erhält grünes Licht für Iridium-Deal und meldet Rekordumsatz. Die Übernahme soll Mitte 2027 abgeschlossen sein.

Auf einen Blick:
  • Kartellrechtliche Hürde für Iridium-Deal genommen
  • Rekordumsatz von 234 Millionen Dollar erzielt
  • Brückenfinanzierung über 3,6 Milliarden Dollar gesichert
  • Neutron-Rakete als wichtigster Katalysator genannt

Rocket Lab hat binnen weniger Tage gleich mehrere zentrale Hürden auf dem Weg zur Übernahme des Satellitenbetreibers Iridium genommen. Die Wartefrist nach dem Hart-Scott-Rodino Antitrust Improvements Act lief am Mittwoch um 23:59 Uhr Ostküstenzeit ab, wie das Unternehmen mitteilte.

Am selben Tag reichte Rocket Lab bei der US-Börsenaufsicht SEC eine Registrierungserklärung auf Formular S-4 ein, mit der Aktien für die Iridium-Aktionäre registriert werden sollen. Der Zusammenschluss soll Mitte 2027 abgeschlossen werden.

Für die Finanzierung der Transaktion hat sich Rocket Lab breit abgesichert: Deutsche Bank und Wells Fargo stellten Zusagen für eine besicherte Brückenfinanzierung mit einer Laufzeit von 364 Tagen im Volumen von 3,6 Milliarden US-Dollar bereit.

Zusätzlich führte das Unternehmen ein neues Aktienangebot über bis zu 1,94 Milliarden US-Dollar ein, das den nicht ausgeschöpften Rest einer Vereinbarung aus dem Mai fortführt. Auch bei der Genehmigung durch die US-Kommunikationsbehörde FCC kommt die Übernahme voran: Rocket Lab und Iridium reichten gemeinsam Anträge zur Übertragung der Iridium-Lizenzen ein.

Rekordquartal stützt die Wachstumsstory

Die Milliardenfinanzierung fällt in eine Phase, in der Rocket Lab operativ deutlich zulegt. Am 10. August meldete das Unternehmen für das zweite Quartal 2026 einen Rekordumsatz von 234 Millionen US-Dollar, ein Plus von 62 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und 34 Millionen US-Dollar mehr als im bereits rekordhohen ersten Quartal.

Der Nettoverlust verringerte sich auf 49 Millionen US-Dollar von 66 Millionen US-Dollar im Vorjahr, während der Auftragsbestand um 137 Prozent auf 2,36 Milliarden US-Dollar sprang. Für das dritte Quartal stellte Rocket Lab einen Umsatz zwischen 250 und 265 Millionen US-Dollar sowie eine GAAP-Bruttomarge von 29 bis 31 Prozent in Aussicht.

Bereits im laufenden dritten Quartal habe das Unternehmen zusammen mit nach Quartalsende abgeschlossenen Geschäften Neuaufträge im Wert von mehr als einer Milliarde US-Dollar über Launch- und Weltraumsystemsparte gebucht.

Zu den jüngsten Deals zählen ein Neutron-Startauftrag für den Infrastrukturanbieter Kepler Communications sowie die Gründung einer deutschen Tochtergesellschaft, Rocket Lab Germany GmbH. Zudem stellte das Unternehmen mit GHOST ein neues, weltweit einsetzbares containerisiertes Startsystem für suborbitale und orbitale Missionen vor.

Analysten reagieren verhalten unterschiedlich auf die Zahlen

Nach den Quartalszahlen justierten mehrere Analysten ihre Kursziele. Cantor Fitzgerald-Analyst Andres Sheppard hob sein Kursziel am 11. August von 96 auf 122 US-Dollar an und beließ die Einstufung bei Overweight. Er bezeichnete die Neutron-Rakete als den „materiellsten Katalysator“ für Rocket Lab und sieht in dem Mittelklasse-Träger das Potenzial, Umsatzbasis, Margen und Wettbewerbsposition gegenüber SpaceX deutlich zu stärken. Roth Capital senkte am selben Tag sein Kursziel von 130 auf 110 US-Dollar, beließ die Kaufempfehlung jedoch bestehen.

Die Entwicklung des Neutron-Programms bleibt dabei der wichtigste operative Unsicherheitsfaktor. Rocket Lab plant weiterhin, die Rakete im vierten Quartal zur Startrampe zu bringen, testet zunächst die Oberstufe eigenständig, bevor das Archimedes-Vakuumtriebwerk installiert wird. Firmengründer Peter Beck räumte jedoch ein, dass sich das Zeitfenster für einen Start noch in diesem Jahr verenge.

Kursverlauf spiegelt hohe Schwankungsbreite

Am Aktienmarkt zeigte sich die Nachrichtenflut zuletzt in erhöhter Volatilität. Der Kurs schloss am Freitag bei 69,30 Euro, nahezu unverändert zum Vortag, liegt aber gut sechs Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 74,22 Euro. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 13 Prozent zu Buche, über zwölf Monate hat sich der Kurs nahezu verdoppelt.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 133,80 Euro, erreicht Ende Mai, ist die Aktie mit einem Abstand von 48 Prozent aber weit entfernt – ein Zeichen dafür, wie stark Anleger die milliardenschwere Übernahme und das ambitionierte Neutron-Programm zwischen Euphorie und Risikoabwägung hin- und herbewegen.

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