Rocket Lab Aktie: 266-Millionen-Dollar-Auftrag der Space Force

Rocket Lab verliert trotz milliardenschwerer Pentagon-Aufträge über 57 Prozent an Börsenwert. Am 10. August entscheidet der Quartalsbericht über die Zukunft der hoch bewerteten Raumfahrtaktie.

Auf einen Blick:
  • Aktie verliert seit Mai über 57 Prozent
  • Größter Einzelauftrag von Space Force
  • Neutron-Rakete startet frühestens im Q4
  • Analysten streiten über Kursziele bis 293 Dollar

Rocket Lab steckt mitten in einem Spagat zwischen operativem Erfolg und einer massiven Bewertungskorrektur. Während das Raumfahrtunternehmen in den vergangenen Wochen einen Großauftrag nach dem anderen einsammelte, hat die Aktie seit ihrem Rekordhoch im Mai mehr als die Hälfte ihres Wertes verloren. Am 10. August legt Rocket Lab nun die Zahlen für das zweite Quartal vor – ein Termin, dem Anleger mit besonderer Anspannung entgegenblicken.

Kurs unter Druck, Bewertung bleibt hoch

Im vorbörslichen Handel notiert die Aktie am heutigen Montag bei 56,90 Euro und legt damit um 1,07 Prozent zu. Der Ausblick auf die kurzfristige Erholung täuscht aber über die längerfristige Entwicklung hinweg: Allein in den vergangenen 30 Tagen verlor das Papier 36,14 Prozent an Wert. Vom 52-Wochen-Hoch bei 133,80 Euro, erreicht Ende Mai, trennen die Aktie inzwischen 57,47 Prozent. Der Kursrutsch traf ein Unternehmen, dessen Bewertung selbst nach dem Absturz noch ambitioniert bleibt – Analysten taxierten das Papier zuletzt auf das rund 57-Fache des Umsatzes.

Für das erste Quartal 2026 hatte Rocket Lab einen Umsatz von 200,3 Millionen Dollar gemeldet, ein Plus von 63,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einer Bruttomarge von 38,2 Prozent. Der Auftragsbestand lag bei 2,2 Milliarden Dollar. Gleichzeitig verbrannte das Unternehmen auf Zwölfmonatssicht 316 Millionen Dollar an freiem Cashflow, was einer negativen FCF-Marge von 46,5 Prozent entspricht. Für das zweite Quartal, das am 10. August vorgelegt wird, erwarten Analysten im Konsens einen Umsatz von 231,6 Millionen Dollar und einen Verlust von 0,06 Dollar pro Aktie.

Pentagon füllt das Auftragsbuch

Anlegern, die nach der Substanz hinter den Kursausschlägen suchen, bietet das Militärgeschäft reichlich Stoff. Erst am 27. Juli sicherte sich Rocket Lab den bislang größten Einzelauftrag seiner Geschichte: 266 Millionen Dollar von der U.S. Space Force für zwölf garantierte suborbitale Starts im Rahmen des Programms MACH-TB 2.0, mit einer Option auf sechs weitere. Die Starts sollen bis 2028 vom Standort Kodiak in Alaska aus erfolgen, der erste frühestens Ende 2026. Wie Foreign Policy Journal berichtete, dienen die Missionen der Erprobung von Raketenabwehrsystemen für Pentagon und Missile Defense Agency. CEO Peter Beck kommentierte den Zuschlag mit den Worten: „Cadence, iteration, and relentless execution.“

Der Auftrag reiht sich in eine Serie staatlicher Verträge ein: 816 Millionen Dollar für 18 Warnsatelliten, 515 Millionen Dollar für Raketenabwehr-Satelliten sowie 190 Millionen Dollar für 20 Hyperschall-Testflüge mit dem HASTE-Fluggerät, das seit 2023 eine hundertprozentige Erfolgsquote bei Flügen jenseits von Mach 5 vorweist. Hinzu kommt der erste GEO-Satellitenauftrag des Unternehmens über 89,5 Millionen Dollar für die Space Force. Der Backlog aus Starts und Satellitenaufträgen liegt inzwischen bei über 70 Missionen – die Verkäufe allein im ersten Quartal 2026 erreichten fast das Niveau des gesamten Vorjahres.

Neutron verspätet sich weiter

Der Wachstumsträger Neutron bleibt derweil hinter dem Zeitplan zurück. Nach einer Tankruptur im Januar verschob Rocket Lab den Erststart der teilweise wiederverwendbaren Trägerrakete auf das laufende Jahr, laut jüngeren Einschätzungen sogar erst auf das vierte Quartal 2026. Immerhin meldete das Unternehmen zuletzt einen erfolgreichen Vollbrandtest des Archimedes-Triebwerks über knapp 5,5 Minuten mit 1,5 Millionen Pfund Schub – ein Wert, der laut Rocket Lab mit dem SpaceX-Triebwerk Merlin 1D vergleichbar ist. Beck betonte wiederholt, das Unternehmen fliege erst, „wenn es bereit sei“, und stelle Qualität über Termintreue.

Parallel dazu arbeitet Rocket Lab an der milliardenschweren Übernahme von Iridium für 8 Milliarden Dollar, finanziert unter anderem über eine Brückenfinanzierung von 3,6 Milliarden Dollar und eine Barkomponente von 27 Dollar pro Aktie. Die Transaktion würde das Portfolio um wiederkehrende Satellitenumsätze erweitern, belastet aber zusätzlich die Bilanz eines Unternehmens, das operativ ohnehin noch tief in den roten Zahlen steckt.

Analysten zwischen Skepsis und Kursziel 293 Dollar

Die Meinungen der Analysten über die richtige Bewertung gehen weit auseinander. Piper Sandler stufte die Aktie Mitte Juli auf „Neutral“ zurück, worauf das Papier an jenem Tag um 11,7 Prozent einbrach. Auf der optimistischen Seite steht ein Bull-Case-Szenario von Morgan Stanley mit einem Kursziel von 293 Dollar, während der breitere Analystenkonsens laut Auswertungen mehrheitlich auf „Strong Buy“ lautet, mit Kurszielen zwischen 120 und 170 Dollar. Dass CEO Peter Beck zuletzt rund drei Millionen eigene Aktien verkaufte, dürfte die Debatte über die faire Bewertung bis zum Zahlentermin am 10. August zusätzlich befeuern.

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