Rocket Lab hat am heutigen Dienstag einen entscheidenden Schritt zur Finanzierung der geplanten Übernahme von Iridium vollzogen. Durch den Abschluss eines sogenannten At-the-Market-Aktienprogramms (ATM) generierte das Raumfahrtunternehmen Bruttoerlöse in Höhe von rund 1,944 Milliarden US-Dollar.
Insgesamt wurden im Rahmen dieser Kapitalmaßnahme 29,3 Millionen neue Aktien ausgegeben. Mit diesen Mitteln ist der Barkaufpreis für die Akquisition, die nach Einschätzung des Finanzvorstands die Unternehmensgröße nahezu verdoppeln soll, nun vollständig gedeckt.
Kapitalerhöhung und Kreditänderungen sichern Übernahme
Parallel zur erfolgreichen Aktienplatzierung wurden wesentliche Anpassungen an der bestehenden Fremdkapitalstruktur vorgenommen. Wie aus entsprechenden Mitteilungen hervorgeht, wurde der Kreditvertrag für ein Darlehen über 1,775 Milliarden US-Dollar angepasst.
Durch diesen vierten Nachtrag zum Kreditvertrag entfällt die bisherige Beschränkung hinsichtlich eines Kontrollwechsels („Change of Control“). Nach dem Abschluss der Transaktion wird Rocket Lab USA zudem eine unbesicherte Garantie für diese Verbindlichkeiten übernehmen.
In der Folge dieser gesicherten Finanzierung wurde eine zuvor eingerichtete Brückenfinanzierung in Höhe von 3,6 Milliarden US-Dollar ersatzlos gekündigt. Der Deal sieht vor, dass Iridium-Aktionäre pro Anteilsschein 27,00 US-Dollar in bar sowie eine volumenabhängige Anzahl an Rocket-Lab-Aktien erhalten.
Iridium wies für das Jahr 2025 einen Umsatz von 871,7 Millionen US-Dollar bei einer operativen EBITDA-Marge von 57 Prozent aus. Das Unternehmen bedient derzeit rund 2,55 Millionen Abonnenten.
Rechtlicher Vorstoß gegen NASA-Entscheidung
Abseits der finanziellen Weichenstellungen setzt sich Rocket Lab gegen die Konkurrenz zur Wehr. Das Unternehmen reichte am vergangenen Freitag formellen Protest beim US Government Accountability Office (GAO) gegen die NASA-Vergabe eines Mars-Kommunikationsauftrags an Blue Origin ein. Dabei geht es um ein Volumen von bis zu 700 Millionen US-Dollar für das Mars Telecommunications Network.
In der Begründung rügt Rocket Lab, dass die Auswahl von Blue Origin gegen gesetzliche Eignungskriterien verstoße und die technische Bewertung des eigenen Angebots fehlerhaft gewesen sei.
Der Auftrag umfasst das Design, den Start und den Betrieb eines Orbiters auf Basis der „Blue Ring“-Plattform bis zum Jahr 2030. Durch den Protest wurde die Vertragsumsetzung vorerst automatisch ausgesetzt. Eine Entscheidung des GAO wird bis Mitte Dezember erwartet.
Bewertung und Ausblick bis 2027
Trotz der operativen Fortschritte bleibt die Marktbewertung des Unternehmens ein Thema für Investoren. Marktbeobachter von Gurufocus weisen darauf hin, dass das Papier auf Basis historischer Kennzahlen derzeit deutlich überbewertet sein könnte.
Die Aktie notiert heute bei 55,30 € und liegt damit rund 59 % unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 133,80 €. Zwar konnte das Papier heute um 2,0 % zulegen, doch die umfangreiche Neuemission von Aktien zur Finanzierung des Iridium-Deals führt zu einer Verwässerung für die Altaktionäre.
Die nächsten Termine sind bereits gesetzt: Am 24. September stimmen die Aktionäre von Iridium über die Fusion ab. Sofern alle behördlichen Genehmigungen erteilt werden, wird der endgültige Abschluss der Übernahme für Mitte 2027 erwartet. Bis dahin muss Rocket Lab beweisen, dass die Integration des Satelliten-Spezialisten die erhofften Synergien und das angestrebte Wachstum im Bereich der orbitalen Infrastruktur realisieren kann.
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