Rocket Lab gerät zwischen die Fronten. Eine neue Analystenstudie trifft auf einen branchenweiten Ausverkauf im Raumfahrtsektor. Die Aktie rutscht dabei tief in überverkauftes Terrain.
Am Donnerstag schloss das Papier bei 58,90 Euro. Auf Wochensicht bedeutet das ein Minus von 17 Prozent, binnen eines Monats sogar 37 Prozent. Vom Rekordhoch bei 133,80 Euro aus Ende Mai trennen die Aktie inzwischen fast 56 Prozent.
Piper Sandler startet mit Vorsicht
Die Investmentbank Piper Sandler hat die Coverage für Rocket Lab aufgenommen. Das Rating: Neutral, das Kursziel: 83 US-Dollar. Die Analysten sehen vertikal integrierte Launch-Anbieter wie SpaceX und Rocket Lab über mehrere Jahre gut positioniert.
Für die kommenden zwölf Monate sehen sie das bessere Risiko-Rendite-Verhältnis jedoch bei AST SpaceMobile. Ihr Argument: Rocket Lab sei „kein Geheimnis“ mehr. Die Aktie handle bereits mit einem Bewertungsaufschlag gegenüber SpaceX.
Piper Sandler erwartet, dass sich die Bewertung von Rocket Lab im nächsten Jahr eng an SpaceX orientiert – unabhängig davon, ob Meilensteine bei der neuen Neutron-Rakete oder Aufträge der Space Development Agency positiv überraschen. Das Kursziel von 83 Dollar basiert auf dem 39-Fachen des für 2027 erwarteten Umsatzes.
Der Sektor zieht die Aktie mit runter
Der Kursrutsch ist kein Rocket-Lab-spezifisches Problem. Am 16. Juli fiel die Aktie um mehr als 12 Prozent und markierte damit den tiefsten Stand seit dem 13. April. Der Nasdaq gab an diesem Tag um 0,83 Prozent nach, der S&P 500 um 0,24 Prozent – die Weltraumwerte traf es deutlich härter.
Auch AST SpaceMobile musste Federn lassen. Die Aktie verlor 13 Prozent, nachdem das Unternehmen eine Wandelanleihe über eine Milliarde Dollar ankündigte und Gerüchte über eine Übernahme im Launch-Bereich aufkamen. Analysten führen den breiten Ausverkauf auf Gewinnmitnahmen nach dem SpaceX-Börsengang zurück, nicht auf ein Rocket-Lab-spezifisches Problem.
Charttechnik zeigt Extremwerte
Der 14-Tage-RSI liegt bei 29,6 – ein klares Überverkauft-Signal. Die 30-Tage-Volatilität kletterte auf fast 97 Prozent annualisiert, ein Wert, der die Nervosität rund um das Papier unterstreicht.
Zum 50-Tage-Durchschnitt klafft eine Lücke von 37,5 Prozent, zum 200-Tage-Durchschnitt von gut 12 Prozent. Beide Linien wirken damit als Widerstand von oben – Erholungsversuche dürften an diesen Marken zunächst wieder verkauft werden.
Geschäft läuft, Vertrauen fehlt
Das operative Geschäft zeigt bislang keine Bremsspuren. Der Umsatz wuchs im letzten Quartal um 63 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der Auftragsbestand kletterte um 20 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar. Dazu kommen fünf geplante Neutron-Flüge, die den Ausbau der eigenen Trägerrakete vorantreiben sollen.
Die geplante Übernahme von Iridium soll zusätzliche, margenstarke Umsätze aus dem Kommunikationsgeschäft bringen – inklusive wertvollem L-Band-Spektrum. Das würde die Position gegenüber Konkurrenten wie Starlink stärken.
Das größte Risiko bleibt die Ausführung. Verzögert sich der Neutron-Zeitplan oder scheitert ein Start, gerät die gesamte Wachstumsgeschichte ins Wanken. Die Iridium-Investition würde dann schnell wie eine teure Ablenkung wirken.
Die nächsten Quartalszahlen erwartet der Markt für August. Bis dahin bleibt die von Piper Sandler aufgeworfene Frage im Raum: Rechtfertigt das vertikal integrierte Geschäftsmodell den Bewertungsaufschlag gegenüber SpaceX, oder ist die Aktie schlicht anfällig für den nächsten Risk-off-Schub im Sektor?
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