Nach einem Kursanstieg von über 60 Prozent seit Jahresbeginn trifft Rocket Lab nun die Gegenbewegung. Am Montag brach die Aktie um rund 14 Prozent ein — während der Nasdaq leicht zulegte. Das operative Geschäft liefert weiter starke Zahlen. Die Frage ist, ob der Kurs das bereits eingepreist hat.
Momentum-Trade unter Druck
Der Einbruch traf nicht nur Rocket Lab. Raumfahrt-Aktien mit starker Kursperformance gerieten breit unter Druck — ein klassisches Zeichen, dass Momentum-Investoren Gewinne mitnehmen. Rocket Lab notiert mit rund 105 Euro noch immer weit über dem 200-Tage-Durchschnitt von etwa 60 Euro. Das 52-Wochen-Hoch von 129,20 Euro, erst wenige Tage alt, liegt dagegen schon 18 Prozent entfernt.
Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 74 Milliarden Dollar. Das lässt wenig Spielraum für Verzögerungen — bei Starts, in der Fertigung oder beim Neutron-Programm.
Starke Zahlen, hohe Erwartungen
Das operative Bild bleibt überzeugend. Im ersten Quartal 2026 erzielte Rocket Lab einen Umsatz von 200 Millionen Dollar — ein Plus von 63,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Auftragsbestand kletterte auf 2,2 Milliarden Dollar, ein Anstieg von über 20 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Hinzu kommen 31 neue Electron- und HASTE-Verträge sowie fünf Neutron-Starts. Das Gesamtmanifest umfasst nun mehr als 70 gebuchte Missionen.
Für das zweite Quartal erwartet das Unternehmen einen Umsatz zwischen 225 und 240 Millionen Dollar. Die GAAP-Bruttomarge soll 33 bis 35 Prozent erreichen. Beim bereinigten EBITDA plant Rocket Lab weiterhin mit einem Verlust — zwischen 20 und 26 Millionen Dollar. Profitabilität bleibt ein offenes Kapitel.
Aktienverkaufsprogramm als Zusatzrisiko
Ein weiterer Faktor belastet die Stimmung. Rocket Lab hat Mitte Mai ein Programm zur Ausgabe neuer Aktien über bis zu 3 Milliarden Dollar registriert. Verkäufe können jederzeit über die Nasdaq erfolgen — zu Marktpreisen oder ausgehandelten Konditionen. Eine vollständige Ausschöpfung ist nicht vorgeschrieben.
Das Programm war nicht der Auslöser des Montags-Einbruchs. Es schafft aber potenziellen Angebotsdruck auf eine Aktie, die bereits mit hohen Erwartungen bewertet ist. Kein Wunder, dass das die Nerven mancher Investoren strapaziert.
Was jetzt zählt
Der Kursrückgang lässt sich als Bewertungskorrektur lesen — nicht als Vertrauensverlust in das Geschäftsmodell. Rocket Lab wächst schnell, hat volle Auftragsbücher und expandiert in Verteidigung und Satellitensysteme.
Der nächste Prüfstein ist konkret: Wenn das Unternehmen im zweiten Quartal erneut einen Umsatzrekord meldet und gleichzeitig den Neutron-Zeitplan hält, dürfte die aktuelle Schwäche als Einstiegsgelegenheit gelten. Bleibt die Ausführung hinter den Erwartungen zurück, könnte die Korrektur noch weiter gehen — die annualisierte Volatilität von über 130 Prozent zeigt, wie schnell sich das Bild drehen kann.
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