Roche hat am Dienstag gleich zwei Nachrichten aus der Pipeline geliefert – und der Markt reagiert gespalten. Während die EU-Zulassung für das Augenmedikament Susvimo die Aktie sogar tiefer schickte, sorgen frische Studiendaten zum Diabetes- und Abnehmwirkstoff Enicepatide für Aufmerksamkeit in der Fachwelt.
Enicepatide liefert starke Phase-II-Daten
In der Studie CT-388-104 erreichte der wöchentlich injizierte GLP-1/GIP-Wirkstoff bei der höchsten Dosis von 24 Milligramm nach 48 Wochen eine HbA1c-Senkung von 2,65 Prozentpunkten.
Bei Patienten mit besonders schlechter Ausgangslage – einem HbA1c-Wert über 8,5 Prozent – lag die Reduktion sogar bei 4,13 Prozentpunkten. Der mittlere Gewichtsverlust in der höchsten Dosisgruppe betrug 15,5 Prozent, ohne dass sich nach 48 Wochen ein Plateau abzeichnete.
Bemerkenswert: 90 Prozent der Patienten in der 24-Milligramm-Gruppe erreichten den diagnostischen Zielwert für Typ-2-Diabetes, 62 Prozent normalisierten ihren Blutzucker vollständig. Das Nebenwirkungsprofil fiel für die Wirkstoffklasse typisch aus, überwiegend leichte bis moderate Magen-Darm-Beschwerden bei niedriger Abbruchrate.
Roche treibt das Programm nun in Richtung Marktreife. Zwei Phase-III-Studien zur Gewichtsreduktion laufen bereits, ein Phase-III-Programm zur Blutzuckerkontrolle sowie kardiovaskuläre Outcome-Studien sollen in der ersten Jahreshälfte 2027 starten. Der Markt für GLP-1/GIP-Präparate gilt als einer der umkämpftesten im Pharmasektor – mit Enicepatide positioniert sich Roche als ernsthafter Herausforderer der etablierten Anbieter.
Susvimo erobert Europa, Anleger bleiben zurückhaltend
Parallel zur Diabetes-Nachricht hat die Europäische Union grünes Licht für Susvimo gegeben. Das Augenimplantat darf künftig auch in der EU vermarktet werden und öffnet damit einen bedeutenden neuen Absatzmarkt außerhalb der USA.
Trotz der positiven Zulassung gab die Aktie nach – ein Muster, das zeigt, wie stark der Kurs mittlerweile von den Cardiometabolic-Ambitionen des Konzerns getrieben wird statt von einzelnen Zulassungserfolgen im Ophthalmologie-Geschäft.
Die Kombination aus beiden Meldungen macht deutlich, wohin Roche steuert: Neben dem etablierten Onkologie- und Diagnostikgeschäft baut der Konzern gezielt ein drittes Standbein im Bereich Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf. Ob Enicepatide diesen Anspruch langfristig einlösen kann, dürfte sich mit dem Start der kardiovaskulären Outcome-Studien Anfang 2027 konkretisieren.
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