Roche hat innerhalb weniger Tage zwei regulatorische und wissenschaftliche Erfolge vermeldet, die das Onkologie- und Diagnostikgeschäft des Basler Konzerns stärken sollen. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat den Begleitdiagnostik-Test VENTANA PTEN (SP218) zugelassen – den ersten immunhistochemischen Test seiner Art für die Prostatakrebs-Diagnostik. Parallel erhielt die Kombination aus Tecentriq und Chemotherapie bei Darmkrebs eine Priority Review der FDA. Die Entscheidung der Behörde wird bis zum 9. Oktober 2026 erwartet.
Tecentriq zeigt deutliche Risikoreduktion
Grundlage für die beschleunigte Prüfung sind Daten aus der Alliance-ATOMIC-Studie. Demnach senkt Tecentriq in Kombination mit Chemotherapie das Risiko für ein Rezidiv oder einen Tod um 50 Prozent gegenüber der bisherigen Standardbehandlung. Für Roche ist der Vorstoß strategisch bedeutsam: Das Onkologiegeschäft soll durch die neue Indikation zusätzlichen Rückenwind erhalten, während die Diagnostiksparte über den neuen Prostatakrebs-Test enger mit der Therapieentwicklung verzahnt wird. Nach vorläufigen Zahlen wuchs der Konzernumsatz im laufenden Jahr währungsbereinigt um 7 Prozent, der Kerngewinn legte um 13 Prozent zu. Die Diagnostiksparte steuerte ein währungsbereinigtes Plus von 2 Prozent bei. Vollständige Details liefert der Halbjahresbericht, den Roche am 23. Juli 2026 veröffentlicht.
Fortschritte bei Trontinemab gegen Alzheimer
Neben der Onkologie rückt auch die Neurologie-Pipeline in den Fokus. Auf der Alzheimer’s Association International Conference 2026 präsentierte Roche neue Daten zum Antikörper Trontinemab. Bei einer Dosierung von 3,6 Milligramm pro Kilogramm erreichten 92 Prozent der Studienteilnehmer nach 28 Wochen eine Amyloid-Negativität im Gehirn – ein Hinweis auf eine deutliche Reduktion der für Alzheimer typischen Plaques. Die Phase-III-Studien TRONTIER 1 und TRONTIER 2 laufen bereits, zusätzlich soll in den kommenden Monaten die PrevenTRON-Studie starten, die sich an Patienten in einem frühen Krankheitsstadium richtet.
Auf der Sicherheitsseite berichtete Roche von Infusionsreaktionen bei 8,6 Prozent der Studienteilnehmer und Anämie bei 3,7 Prozent. Ein Todesfall während der Studie wurde nicht auf das Präparat zurückgeführt. Sollten sich die Amyloid-Ergebnisse in den laufenden Phase-III-Studien bestätigen, könnte Trontinemab Roche in einem der am schnellsten wachsenden Pharmasegmente positionieren – dem Markt für Alzheimer-Therapien, in dem parallel auch andere Anbieter an neuen Wirkstoffen und Bluttests arbeiten.
Kurs bewegt sich seitwärts vor Zahlen
An der Börse hat die Nachrichtenflut den Kurs bislang kaum bewegt. Die Roche-Aktie schloss am Freitag bei 323,90 GBP und verlor auf Tagesbasis 1,58 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 47,0 signalisiert eine neutrale Marktverfassung, weder überkauft noch überverkauft. Mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 354,23 Milliarden Euro bleibt Roche einer der größten Pharmawerte Europas.
Anleger richten den Blick nun auf den Halbjahresbericht am 23. Juli. Dort dürfte sich zeigen, ob sich die vorläufigen Wachstumszahlen aus Onkologie und Diagnostik in konkreten Ergebnissen niederschlagen und wie belastbar die Fortschritte bei Trontinemab langfristig für die Neurologie-Pipeline des Konzerns sind. Die Entscheidung der FDA zu Tecentriq bei Darmkrebs im Oktober dürfte ein weiterer Prüfstein dafür sein, wie erfolgreich Roche sein Onkologieportfolio ausbauen kann.
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