Rivian hat sich selbst übertroffen. Der Elektroautobauer wollte im zweiten Quartal einen Verlust von 66 Cent je Aktie ausweisen – tatsächlich waren es nur 63 Cent. Auch beim Umsatz lag das Unternehmen klar über den Erwartungen von 1,51 Milliarden Dollar.
Die Zahlen im Detail
Der Nettoverlust schmolz auf 833 Millionen Dollar, nach 1,117 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Der Umsatz kletterte um 27 Prozent auf 1,658 Milliarden Dollar. Das Automobilgeschäft trug mit 1,143 Milliarden Dollar den Löwenanteil bei, ein Plus von 23 Prozent – getrieben von mehr ausgelieferten Fahrzeugen und Erlösen aus regulatorischen Emissionsgutschriften.
Auffällig ist das Tempo im Software- und Servicegeschäft: Hier wuchsen die Erlöse um 37 Prozent auf 515 Millionen Dollar. Für ein Unternehmen, das operativ noch tief in den roten Zahlen steckt, ist das ein Segment mit spürbar besseren Margen.
Rivian nutzte die Vorlage, um seine Jahresprognose anzuheben. Die Auslieferungsspanne für 2026 liegt jetzt bei 65.000 bis 70.000 Fahrzeugen, das EBITDA-Verlustziel wurde auf 1,80 bis 2,00 Milliarden Dollar verbessert. Parallel dazu senkte das Unternehmen die geplanten Investitionsausgaben auf 1,70 bis 1,80 Milliarden Dollar.
R2-Rampe trifft auf Margendruck
Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht der R2, das neue SUV-Modell, das seit April in Kundenproduktion läuft und im Juni erstmals ausgeliefert wurde. Die Bruttomarge lag über die vergangenen zwölf Monate bei gerade einmal 1,03 Prozent – jede Verbesserung der Stückkosten dürfte daher genau beobachtet werden.
Analysten sind uneins, wie schnell sich das ändert: Manche rechnen mit steigenden Fahrzeugkosten durch die R2-Anlaufkosten, andere sehen einen realistischen Weg zu einer positiven Bruttomarge bis Jahresende. Piper Sandler hatte die Aktie erst Ende Juli auf „Buy“ hochgestuft und ein Kursziel von 20 Dollar ausgegeben, mit Verweis auf eine entschärfte Bilanzsituation und einen reibungslosen R2-Anlauf.
Um die angehobene Jahresprognose in der Mitte zu treffen, muss Rivian in der zweiten Jahreshälfte rund 45.000 Fahrzeuge ausliefern – nahezu das Vierfache dessen, was im ersten Quartal 2026 mit 12.194 Einheiten gelang. Ob die R2-Nachfrage dieses Tempo trägt, dürfte sich in den kommenden Quartalsberichten zeigen, wenn die ersten vollen Produktionsmonate des neuen Modells in die Zahlen einfließen.
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