Riot Platforms vollzieht einen massiven strategischen Wandel vom reinen Bitcoin-Miner hin zum Anbieter von Infrastruktur für Künstliche Intelligenz (KI). Am gestrigen Dienstag sorgten Berichte über einen milliardenschweren Vertrag mit dem KI-Unternehmen Anthropic für einen deutlichen Kurssprung.
Die Vereinbarung sieht vor, dass Riot über eine Laufzeit von 20 Jahren Rechenzentrumskapazitäten in Texas bereitstellt. Der Basiswert des Deals wird auf 9,1 Milliarden US-Dollar beziffert, wobei optionale Verlängerungen das Gesamtvolumen auf bis zu 16,1 Milliarden US-Dollar heben könnten.
Transformation der Infrastruktur in Texas
Der Standort Rockdale im US-Bundesstaat Texas wird durch die Kooperation zu einem zentralen Knotenpunkt für KI-Rechenleistung. Anthropic sichert sich dort eine Kapazität von 191 Megawatt.
Während Riot Platforms für den Bau und den Betrieb der physischen Infrastruktur verantwortlich zeichnet, stellt Anthropic die spezialisierten Server und KI-Chips bereit. Die schrittweise Inbetriebnahme soll im Dezember 2027 mit den ersten 96 Megawatt beginnen und bis Juni 2028 die volle Kapazität erreichen.
Dieser Schritt folgt einem breiteren Branchentrend, bei dem Betreiber großer Rechenzentren ihre Energiekapazitäten zunehmend von volatilen Krypto-Aktivitäten hin zu stabilen, langfristigen Mietverträgen für KI-Anwendungen umwidmen.
Zur Absicherung der notwendigen Investitionen hat sich das Unternehmen bereits eine Zwischenfinanzierung von Morgan Stanley in Höhe von 573 Millionen US-Dollar gesichert. Parallel dazu besteht eine weitere Vereinbarung mit AMD über 50 Megawatt, wovon ein Teil bereits geliefert wurde.
Quartalszahlen zeigen operative Neuausrichtung
Gleichzeitig veröffentlichte das Unternehmen seine Finanzergebnisse für das zweite Quartal 2026. Der Gesamtumsatz kletterte im Jahresvergleich um 14 Prozent auf 174,2 Millionen US-Dollar. Trotz des Umsatzwachstums verbuchte Riot einen Nettoverlust von 237,2 Millionen US-Dollar, was unter anderem auf Wertminderungen in Höhe von rund 28 Millionen US-Dollar zurückzuführen ist.
Die Umsatzverteilung unterstreicht den laufenden Wandel: Während das Segment Bitcoin-Mining mit 113,7 Millionen US-Dollar noch den größten Teil beisteuerte, sank dieser Betrag im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 19 Prozent. Der Bereich Datencenter generierte hingegen bereits 23,2 Millionen US-Dollar.
Auffällig ist zudem die Reduzierung der Krypto-Bestände. Zum Ende des Quartals hielt Riot noch 11.380 Bitcoin, nachdem der Bestand zuvor bei 15.680 Einheiten gelegen hatte. Die Kosten für die Produktion eines Bitcoin gab das Unternehmen mit 49.912 US-Dollar an.
Analysten heben die Daumen für die KI-Strategie
Am Kapitalmarkt wurde die Nachricht von der Partnerschaft mit Anthropic sehr positiv aufgenommen. Die Aktie notiert heute bei 17,61 € und liegt damit etwa 10,3 % über ihrem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage. Seit Jahresbeginn konnte das Papier bereits um 56,0 % zulegen, was die Erwartungen der Anleger an die Diversifizierung des Geschäftsmodells widerspiegelt.
Analysten bewerten den Schwenk in Richtung KI-Infrastruktur als wertsteigernd. Die Experten von Bernstein hoben ihr Kursziel für die Aktie von 30 auf 35 US-Dollar an und bestätigten die Einstufung als „Outperform“. Laut Einschätzung des Hauses macht das KI-Colocation-Geschäft mittlerweile den überwiegenden Teil des Unternehmenswertes aus.
Auch die Analysten der Citi äußerten sich positiv und rufen ein Kursziel von 32 US-Dollar aus, da der Abschluss mit Anthropic die Geschichte des Unternehmens als reiner Bitcoin-Miner grundlegend verändere. Durch die langfristig garantierten Einnahmen aus dem Mietgeschäft wird mit einem stabileren Cashflow gerechnet, der die Abhängigkeit von den Preisschwankungen am Kryptomarkt reduziert.
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