Am aktuellen Handelstag notiert der Titel bei 12,69 Euro und verliert 4,20 Prozent. Damit setzt sich eine Abwärtsbewegung fort, die den Wert inzwischen 74,76 Prozent unter sein 52-Wochen-Hoch von 50,30 Euro vom 15. Oktober 2025 gedrückt hat. Der gesamte Quantencomputing-Sektor stand zuletzt unter Abgabedruck: IonQ verlor an einem Handelstag rund 4,5 Prozent, Rigetti selbst rutschte um 5,3 Prozent ab, und auch D-Wave Quantum gab knapp 3,6 Prozent nach. Analysten führten den Rückschlag auf Gewinnmitnahmen zurück, nachdem softere Juni-Inflationsdaten zuvor eine Rally im Sektor ausgelöst hatten. Der Nasdaq und der Dow legten am selben Tag zu, während insbesondere Chip-Werte wie AMD, Intel und Micron deutlich nachgaben – ein Hinweis darauf, dass Anleger zyklische Technologiewerte breiter neu bewerten.
Schwaches Umsatzniveau trotz Wachstum
Rigetti wies für das erste Quartal 2026 einen Umsatz von 4,4 Millionen US-Dollar aus, getrieben von Auslieferungen der Novera-QPU-Systeme und von Regierungsaufträgen. Das Unternehmen bleibt damit verlustträchtig, verbessert sich aber im Jahresvergleich. Eine Analyse von Simply Wall St skizziert ein Szenario, wonach Rigetti bis 2029 auf einen Jahresumsatz von 170 Millionen US-Dollar und einen Gewinn von 28,7 Millionen US-Dollar kommen könnte – dafür wäre allerdings ein jährliches Wachstum von 157 Prozent notwendig. Die daraus abgeleitete Fair-Value-Schätzung liegt bei 29,65 US-Dollar je Aktie, was einem theoretischen Aufwärtspotenzial von 94 Prozent entspräche. Als Risiken nennt die Analyse die Abhängigkeit von staatlicher Förderung sowie mögliche weitere Verwässerung der Aktionäre durch Kapitalmaßnahmen.
Das 1832 gegründete, in Berkeley, Kalifornien ansässige Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben 162 Mitarbeiter. An der Spitze steht CEO Subodh Kulkarni, dessen Vergütung mit 636.000 US-Dollar beziffert wird. Zum Produktportfolio zählen die 9-Qubit-QPU Novera, der 84-Qubit-Quantencomputer Ankaa-3 sowie ein Quantum-Computing-as-a-Service-Angebot. Die Governance-Bewertung von ISS stuft das Unternehmen mit 8 von 10 Punkten als vergleichsweise risikoreich ein.
Insider trennen sich in großem Umfang von Aktien
Auffällig ist das Verhalten von Führungskräften und institutionellen Anlegern. Private Advisor Group reduzierte ihre Rigetti-Position im ersten Quartal um 58 Prozent und verkaufte 67.076 Aktien; der verbliebene Bestand von 48.558 Aktien war zuletzt rund 682.000 US-Dollar wert. Auch aus dem Führungskreis kamen Verkäufe: Direktor Ray Johnson trennte sich am 8. Juni von 122.188 Aktien zu je 21,30 US-Dollar, Finanzchef Jeffrey Bertelsen veräußerte am 22. Mai 3.682 Aktien zu 22,95 US-Dollar. Über die vergangenen 90 Tage summierten sich die Insider-Verkäufe auf 728.901 Aktien im Wert von 17,55 Millionen US-Dollar. Käufe aus dem Kreis der Insider blieben im gleichen Zeitraum bei null US-Dollar – ein Muster, das Marktbeobachter als negatives Signal werten.
Analysten sehen langfristiges Potenzial, kurzfristig bleibt Skepsis
Trotz der operativen Schwäche und der Insider-Verkäufe stufen Analysten die Aktie im Konsens weiterhin als „Moderate Buy“ ein, mit einem durchschnittlichen Kursziel von 32 US-Dollar. Die Diskrepanz zwischen diesem Kursziel und der aktuellen Marktbewertung – die Marktkapitalisierung liegt derzeit bei 4,81 Milliarden Euro – spiegelt die Unsicherheit über den Weg von einem 4,4-Millionen-Umsatzquartal zu profitablem Wachstum wider. Der Relative-Stärke-Index von 32,5 signalisiert eine überverkaufte Situation, was kurzfristig für eine technische Gegenbewegung sprechen könnte, ohne die fundamentalen Fragezeichen zu beseitigen.
Richtungsweisend dürfte der nächste Quartalsbericht werden, der für den 11. August 2026 terminiert ist. Anleger werden dabei genau darauf achten, ob Rigetti seine Umsatzbasis aus Novera-Lieferungen und Regierungsaufträgen weiter ausbauen kann und wie sich die Kostenseite angesichts des anhaltenden Kapitalbedarfs entwickelt.
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