Ein neuer Großauftrag aus Indien konnte den Ausverkauf bei Rigetti Computing nicht stoppen. Die Aktie des Quantencomputer-Pioniers ist binnen sieben Handelstagen um 14,80 Prozent eingebrochen und notiert nun bei 12,36 Euro. Das liegt nur noch 12,33 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 11,00 Euro, das die Aktie Ende März markierte.
Der Kursverfall zieht sich schon seit Wochen durch. Auf 30-Tage-Sicht steht ein Minus von knapp 30 Prozent, seit Jahresbeginn hat sich der Verlust auf 35,65 Prozent aufsummiert. Der 14-Tage-RSI von 31,5 signalisiert überverkaufte Bedingungen — ein Hinweis darauf, wie stark der Abwärtsdruck der vergangenen Wochen war.
Der ganze Sektor rutscht ab
Rigetti steht mit diesem Problem nicht allein da. Quantencomputer-Aktien fallen derzeit im Gleichschritt, wenn Technologiewerte insgesamt unter Druck geraten. Genauso schnell erholen sie sich gemeinsam, sobald milde Inflationsdaten die Stimmung aufhellen.
Das deutet auf einen Sektor hin, der aktuell stärker auf Makro-Signale reagiert als auf Nachrichten einzelner Unternehmen. Genau das macht den jüngsten Rücksetzer bei Rigetti bemerkenswert: Es gab durchaus eine positive Firmennachricht.
Neuer Auftrag aus Bengaluru
Rigetti hat einen Auftrag zur Lieferung eines Quantencomputers mit 108 Qubits an Indiens Centre for Development of Advanced Computing gesichert. Der Deal baut auf einer Absichtserklärung vom September 2025 auf und sieht die Installation am C-DAC-Standort in Bengaluru vor.
Das Geschäft unterstreicht die wachsende Nachfrage von Regierungen und Forschungseinrichtungen nach eigener Quanten-Infrastruktur. Trotzdem konnte die Nachricht den Abwärtstrend der Aktie nicht bremsen. Marktbeobachter verweisen darauf, dass Rigetti auf Sicht von drei Jahren zwar eine sehr kräftige Kursentwicklung vorzuweisen hat, die Bewertung nach der jüngsten Rally aber eher teuer als günstig wirkt.
Die entscheidende Frage für Investoren lautet deshalb: Reicht der aktuelle Kurs noch als Kompensation für Ausführungsrisiken und Wettbewerbsdruck, nachdem die Aktie über Jahre so stark gestiegen ist?
Die Bilanz bleibt ein Puffer
Ein Aspekt relativiert die Kursschwäche zumindest teilweise. Rigetti sitzt auf rund 569 Millionen Dollar Barmitteln und hat keine Schulden in der Bilanz. Dieses Polster verschafft dem Unternehmen Spielraum, um weiter aggressiv in die Chip-Entwicklung zu investieren und den Kundenkreis international auszubauen — selbst während die Aktie nahe mehrmonatiger Tiefs handelt.
Analysten führen die solide Kapitalausstattung regelmäßig als Gegengewicht zur Kursvolatilität an. Bares Geld ersetzt aber keine Umsätze.
Ausblick
Ob sich die Aktie stabilisiert, hängt zunächst davon ab, wie sich die Risikobereitschaft für spekulative Technologiewerte insgesamt entwickelt. Investoren richten den Blick zudem auf den nächsten Quartalsbericht, der für die zweite Sommerhälfte erwartet wird. Dort dürfte es vor allem um den Cash-Verbrauch, den Fortschritt bei der Installation in Indien und das Tempo des Umsatzwachstums gehen — Faktoren, die am Ende darüber entscheiden, ob die noch immer hohe Bewertung der Aktie gerechtfertigt ist.
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