Nachdem die Aktie des Quantencomputer-Spezialisten am Montag im breiten Technologie-Ausverkauf kräftig nachgegeben hatte, zeigte sie am Dienstag eine Gegenbewegung: Der Kurs legte um 2,49 Prozent auf 13,75 Euro zu, nach einem Schlusskurs von 13,42 Euro am Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Minus von 5,22 Prozent zu Buche, auf Monatssicht sind es sogar 29,93 Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Papier 31,92 Prozent verloren.
Der Ausverkauf vom Vortag war nicht in erster Linie unternehmensspezifisch begründet. Verschärfte Spannungen zwischen den USA und dem Iran sowie ein Ölpreissprung – Brent-Rohöl legte um 9,6 Prozent auf 83,30 US-Dollar zu – schürten Inflationssorgen und trafen spekulative Technologiewerte besonders hart. Rigetti-Aktien fielen dadurch zeitweise um bis zu acht Prozent, bevor am Mittwoch eine Erholung im vorbörslichen Handel einsetzte. Die aktuelle Kursstruktur bleibt fragil: Mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 83,16 Prozent zählt Rigetti weiterhin zu den schwankungsintensivsten Werten am Markt. Der Relative-Stärke-Index von 35,6 signalisiert eine Annäherung an überverkauftes Terrain, und die Aktie notiert sowohl unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 17,66 Euro als auch unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 20,22 Euro, von dem sie knapp 32 Prozent entfernt liegt. Zum 52-Wochen-Hoch von 50,30 Euro aus dem Oktober 2025 klafft eine Lücke von über 72 Prozent, während der Abstand zum erst im März markierten Jahrestief von 11,00 Euro rund 25 Prozent beträgt. Die Marktkapitalisierung liegt bei 4,82 Milliarden Euro.
Staatliche Fördermittel und operative Fortschritte
Abseits der Marktturbulenzen bleibt die politische Unterstützung für die Quantenbranche ein zentrales Thema. Das US-Handelsministerium hat im Rahmen des CHIPS Act insgesamt zwei Milliarden US-Dollar an neun Quantenunternehmen vergeben, darunter IBM mit einer Milliarde Dollar sowie IonQ, D-Wave und auch Rigetti. Handelsminister Howard Lutnick sprach von einer neuen Ära amerikanischer Innovation. Für Rigetti stand zuvor eine nicht bindende Zusage über 100 Millionen Dollar im Raum, die zunächst für einen Kursschub gesorgt hatte – ein Effekt, der sich inzwischen wieder umgekehrt hat, während Anleger zunehmend auf sinkende Umsätze und den anhaltenden Mittelabfluss des Unternehmens blicken.
Operativ setzt Rigetti auf den Ausbau der eigenen Chipfertigung Fab-1 und eine modulare Architektur seiner Quantenprozessoren. Einen konkreten Auftrag verbuchte das Unternehmen mit der Lieferung eines 108-Qubit-Quantencomputers an das indische Forschungszentrum C-DAC, der Rechner läuft zudem über Cloud-Plattformen. Bilanziell weist Rigetti einen Umsatz auf Zwölfmonatssicht von rund 10,02 Millionen Dollar bei einem Nettoverlust von 225,72 Millionen Dollar aus, verfügt aber über eine Kassenposition von 418,25 Millionen Dollar bei einer Verschuldungsquote von lediglich 1,16 Prozent.
Analysten uneins über den weiteren Weg
Die Einschätzungen zur Aktie fallen gegensätzlich aus. Seeking Alpha bekräftigte eine Kaufempfehlung mit Blick auf einen als glaubwürdig eingestuften Pfad zum sogenannten Quantum Advantage um das Jahr 2030 – Rigettis supraleitendes Protokoll erreicht derzeit eine Fidelity von 91 Prozent, angestrebt werden Zielwerte von 99,5 und später 99,9 Prozent. Zacks bewertet die Aktie dagegen mit Rang 4 („Sell“) und vergibt für die Bewertungskennzahlen die Note F, unter anderem wegen eines Kurs-Buchwert-Verhältnisses von 9,42. Der durchschnittliche Analysten-Kursziel-Konsens auf Basis von Yahoo Finance liegt bei 29,65 US-Dollar, andere Einschätzungen sprechen von einem moderaten Kaufrating mit Zielen um 30 bis 33 US-Dollar. Ein Vergleich mit dem Konkurrenten IonQ fällt zugunsten des größeren Anbieters aus: Dieser kommt auf ein 256-Qubit-System und deutlich höhere Umsatzdynamik, während Rigetti mit seinem 108-Qubit-System und einem im Vergleich höheren Kurs-Gewinn-Multiple als das risikoreichere Investment gilt. Für Anleger bleibt Rigetti damit eine Wette auf einen langfristigen technologischen Durchbruch, deren kurzfristige Kursbewegungen stark von makroökonomischen und geopolitischen Faktoren abhängen.
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