Ein Quantencomputer-Konzern mit vier Millionen Dollar Quartalsumsatz und fünf Milliarden Dollar Börsenwert. Diese Lücke treibt Rigetti-Aktionäre seit Wochen um. Nun soll eine neue Erzählung die Aktie retten: staatlich abgesicherte Quantenhardware statt reiner Technik-Wette.
Die Aktie notiert bei 12,12 Euro, ein Minus von 1,21 Prozent zum Vortag. Der Titel liegt damit rund 31 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 17,45 Euro. Von seinem Rekordhoch aus dem Oktober 2025 bei 50,30 Euro trennen die Aktie inzwischen fast 76 Prozent.
Washington als Hoffnungsträger
Ein Analysevideo des Finanzportals Motley Fool sorgte diese Woche für frischen Gesprächsstoff. Die Kernthese: Rigetti baut mit seiner US-Fabrik Fab-1 und seiner Forschung im Bereich supraleitender Quantenprozessoren an einer riskanten, aber strategisch relevanten Story. Sollte Washington heimische Quantentechnik künftig als kritische Infrastruktur einstufen, könnte das dem Unternehmen zugutekommen.
Diese Idee stützt sich auf eine bereits bestehende Absichtserklärung mit dem US-Handelsministerium. Im Rahmen des CHIPS Act könnte Rigetti über drei Jahre bis zu 100 Millionen Dollar für die Forschung an supraleitenden Quantencomputern erhalten. Im Gegenzug würde das Ministerium eine Beteiligung an Rigetti erhalten, mit einem Preisabschlag auf den Aktienkurs an festgelegten Stichtagen.
Bindend ist die Vereinbarung bisher nicht. Genau das macht sie zum Testfall: Investoren versuchen derzeit genau zu unterscheiden, welche Quanten-Werte auf echter Staatsförderung stehen und welche nur von Stimmung getragen werden.
Ausverkauf trifft die ganze Branche
Der Kursverfall bei Rigetti hat wenig mit dem Unternehmen selbst zu tun. Anfang Juli lösten die Spannungen in der Straße von Hormus und ein Ölpreis-Sprung eine breite Risikoaversion aus, die Quantenwerte branchenweit erfasste. Rigetti fiel damit einer Marktbewegung zum Opfer, nicht einem eigenen Rückschlag.
Händler beschreiben die Entwicklung seither als Abkühlungsphase nach einem steilen Anstieg. Die Aktie war zuvor von Kursen im niedrigen 20-Euro-Bereich bis in den mittleren Teenager-Bereich gerutscht. Der RSI von 30,6 signalisiert inzwischen eine Nähe zur überverkauften Zone, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität von über 75 Prozent das Ausmaß der Schwankungen unterstreicht.
Bewertung bleibt der Knackpunkt
Der Kern des Problems liegt in der Diskrepanz zwischen Erzählung und Zahlen. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 4,46 Milliarden Euro. Der Quartalsumsatz beträgt gerade einmal 4,4 Millionen Dollar.
Diese Kluft nährt Skepsis unter Analysten. Wie schnell lässt sich die Technik tatsächlich in kommerzielle Erlöse verwandeln? Eine Analyse von Motley Fool ging in diesem Monat sogar weiter und warnte vor einer möglichen schmerzhaften Kurskorrektur im zweiten Halbjahr — als Gründe nannte sie die hohe Bewertung, schrumpfende Umsätze und anhaltende Aktienverwässerung.
Auf der Habenseite steht die Bilanz. Rigetti verweist auf hunderte Millionen Dollar an Bargeld und kurzfristigen Investitionen bei kaum vorhandenen Schulden. Das verschafft dem Unternehmen finanziellen Spielraum, um Fabrikation und Forschung weiter zu finanzieren, auch wenn der Kurs weit unter seinen früheren Höchstständen bleibt.
Ob die „souveräne Quantenhardware“-Story bei Investoren wirklich zieht, hängt an zwei Fragen. Erstens: Wird aus der unverbindlichen Absichtserklärung mit dem Handelsministerium eine feste Zusage? Zweitens: Kann Rigetti Umsatzwachstum zeigen, das zur aktuellen Bewertung passt. Bis dahin dürfte die Aktie mit der hohen Schwankungsbreite handeln, die den gesamten Quantencomputer-Sektor in diesem Sommer prägt.
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