Liebe Leserinnen und Leser,
sehr schwach schnitt am Freitag die Aktie von Rheinmetall ab. Mit – 1,6 % oder – 18,16 Euro ging es abwärts. 1.145,60 Euro waren noch auf den Kurstafeln zu lesen. Das bedeutet, dass die Aktie von Rheinmetall weiterhin in ausgesprochen schwacher Verfassung ist. Formal hat sie ohnehin einen Abwärtstrend erreicht.
Die Stimmung rund um die Rheinmetall hat sich noch immer nicht verbessert
Auch stimmungstechnisch hat sich die Situation wieder verschlechtert, nachdem es zuvor in den Tagen der vergangenen Woche nach einem kleinen möglichen Comeback aussah. Unter anderem war dafür ein 500-Millionen-Euro-Auftrag der Bundeswehr für ein Litauen-Camp verantwortlich gewesen, wie es hieß. Dort sollen Bundeswehrsoldaten untergebracht werden. Dieser Auftrag ist im Rahmen eines allgemeinen Vertrages durch einen Abruf zustandegekommen, stellt also insgesamt noch keine gänzlich neue Entwicklung dar.
Zur Einordnung: Die ungeschützten und geschützten Systeme, wie es heißt, hätten einen Bruttoauftragswert von mehr als 500 Millionen Euro gehabt. Die Produktion beginnt im ersten Quartal 2027. Das Volumen ist also überschaubar. Auf der anderen Seite wurde dies unter anderem als Signal interpretiert, dass die Bundeswehr weiterhin entsprechende Aufträge erteilt.
Das wiederum hat, wie beschrieben, an den Börsen für wenig Euphorie gesorgt. Offensichtlich warten die Börsen weiterhin auf Größeres. Interessanter dürfte ein Auftrag sein, der sehr viel höhere Volumina in Aussicht stellt.
Rheinmetall Aktie Chart
Hier kommt Großes auf die Rheinmetall zu
Hier geht es um das sogenannte Arminius-Programm der Bundesregierung. Im Dezember wird möglicherweise ein Auftrag über 1.800 Boxer-Fahrzeuge im Umfang von annähernd 25 Milliarden Euro ausgeschrieben. Die Produktion soll nach den aktuellen Angaben zu 50 % auf KNDS und zu 50 % auf Rheinmetall entfallen.
Zudem würde genau zu diesem Projekt im Januar 2027 ein Wartungsauftrag erteilt werden, der 4 Milliarden Euro Auftragsvolumen umfasst. Dazu werden diesem Auftragspaket insgesamt noch Optionen zugerechnet, die das Gesamtvolumen des Auftrags auf mehr als 75 Milliarden Euro nach oben hieven könnten. Das wiederum ist für Rheinmetall eine Aussicht, die durchaus für Aufsehen sorgen könnte, auch zum heutigen Wochenauftakt. Zur Einordnung: Der Jahresumsatz wird für 2026 auf insgesamt zwischen 13,7 und 14,2 Mrd. Euro geschätzt, es geht also um erhebliche Größenordnungen.
Rohstoffmangel für die Branche
Auf der anderen Seite wird immer deutlicher, warum die Unternehmen aus der Rüstungsindustrie und zumal Rheinmetall aktuell unter Druck geraten sind. So rückt im Moment das Problem Wolfram in den Fokus. Sprich: Hier geht es um einen Rohstoff, der unabdingbar für die Rüstungsproduktion ist, aber zu über 80 % in China oder von China kontrolliert wird. China hat zudem vor Kurzem die Exportkontrollen dazu verschärft, was bedeutet, dass die am Weltmarkt gehandelten Mengen sicherlich geringer geworden sind bzw. dass auch die Erwartungen dazu schwächer ausfallen. Die Märkte haben sich hier zumindest empfindlicher gezeigt, als dies ggf. erwartet worden ist.
Gelingt der Kapazitätsaufbau? Der Zweifel für die Rheinmetall
Ein zweiter Punkt bei Rheinmetall ist und bleibt auch der Umstand, dass es Zweifel daran gibt, ob die benötigten Kapazitäten aufgebaut werden können. Zur Einordnung: Rheinmetall selbst hatte bei den Quartalszahlen zum zweiten Quartal einen Auftragsbestand in Höhe von über 80 Milliarden Euro angegeben.
Dies war zum einen ein neuer Rekordauftragsbestand, der um annähernd 10 Milliarden Euro gegenüber dem ersten Quartal angewachsen war. Zum Zweiten war dies auch die Basis für die Schätzung zum Jahresende. Der CEO von Rheinmetall avisiert mittlerweile einen Auftragsbestand in Höhe von 100 Milliarden Euro für das Jahresende. Das wäre eine Steigerung um weitere 25 % im 2. Halbjahr.
Dafür benötigt Rheinmetall nicht nur Rohstoffe, sondern auch Kapazitäten, um zu produzieren. Der Kapazitätsaufbau wird schon seit einigen Monaten in Zweifel gezogen. Ein Grund dafür ist u.a. das fehlende Geld, so die Implikationen. Dabei hat Rheinmetall im zweiten Quartal einen negativen Free Cashflow produziert. Hierzu verweist das Unternehmen unter anderem auf den Vorratsaufbau zur Lieferfähigkeit. Auf der anderen Seite sind die Märkte offenbar nicht immer und durchgehend davon überzeugt, dass die nötigen Kapazitäten tatsächlich bereitgestellt werden können.
Auf Seiten der Analysten allerdings sind die Zweifel wohl weniger groß. Die Kommentare nach den Quartalszahlen waren insgesamt durchaus positiv, und Rheinmetall wird weiterhin bezogen auf das Kursziel auf einen Wert in Höhe von über 1.60 Euro geschätzt. Das hat zur Folge, dass Rheinmetall ein rechnerisches Aufwärtspotenzial in Höhe von über 45 % hat.
Der Markt scheint dies derzeit nicht zu sehen. Kleineren Kursgewinnen folgen immer wieder Gewinnmitnahmen. Insofern ist die Aktie derzeit praktisch im Abwärtstrend. Ein Ende ist nicht direkt in Sicht. Mittelfristig sollten allerdings auch die Sichtweisen der Analysten hier noch Gehör finden. Die Zahlen sind recht eindeutig.
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