Liebe Leserin, lieber Leser,
die Aktie von Rheinmetall begann den September so, wie sie den August beendet hatte: mit Abschlägen. Von 1.116 Euro noch am letzten Handelstag des Vormonats sind die Papiere des Rüstungskonzerns auf mittlerweile rund 1.040 Euro gefallen. Ob die Marke von 1.000 Euro bei der Rheinmetall-Aktie hält, ist keinesfalls sicher, trotz diverser Analystenempfehlungen und leichter Erholungstendenz am Dienstag. Selbst zwei Auftragsmeldungen seit Monatsanfang hatten keinerlei positive Wirkung an den Märkten. Wie kann das sein?
Rheinmetall mit zwei (kleinen) Auftragsmeldungen
Es sind wohl unter anderem die relativ niedrigen Summen, die Rheinmetall aus neuen Bestellungen in Nordamerika erlösen wird. Da wäre etwa American Rheinmetall, das von Kongsberg Defense & Aerospace einen Auftrag zur Herstellung von Komponenten für den Mittelkaliberturm MCT-30 erhalten hat, wie das Rüstungsunternehmen am 2. September mitgeteilt hatte.
Die bearbeiteten Bauteile seien für die Radschützenpanzervariante des Amphibious Combat Vehicle (ACV) des United States Marine Corps bestimmt, welche als ACV-30 bekannt ist. „Im Rahmen des Auftrags im Wert von rund 710.000 US-Dollar (607.000 Euro) werden die Werke von American Rheinmetall in Lapeer und Lansing, Michigan, bearbeitete Teile für MCT-30-Türme fertigen“. Die Lieferungen sind für die Jahre 2026 und 2027 vorgesehen.
- Dies sei der erste Auftrag von Kongsberg an die Standorte von American Rheinmetall in Michigan, heißt es
- American Rheinmetall werde die Arbeiten als Subunternehmer für Kongsberg Defense & Aerospace ausführen
Ersatzteile für zwei zentrale Komponenten
Die nächste Auftragsmeldung dann am Freitag: Rheinmetall Canada beliefere die US-Navy mit Ersatzkomponenten für die Mobile Start Units (MSU) des Typs MSU-200NAV, wie es in der Mitteilung hieß. Der Auftrag des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums an die Canadian Commercial Corporation (CCC) hat demnach einen Wert im einstelligen Millionen-Euro-Bereich. Die Auslieferung sei zwischen Ende 2026 und Ende 2028 vorgesehen.
„Die Bodenstartgeräte MSU-200NAV werden von der US-Navy zum Starten von Flugzeugtriebwerken an Land und an Bord von Schiffen eingesetzt“, so die Mitteilung. Rheinmetall Canada liefere Ersatzteile für zwei zentrale Komponenten: den Anlasser, der den Turbinenbetrieb einleitet, sowie die digitale Vollautoritäts-Triebwerkssteuerung (Full Authority Digital Engine Control, FADEC). Diese regelt Leistung, Ablaufsteuerung und Sicherheit der Turbine. „Der Auftrag unterstreicht die Rolle von Rheinmetall als verlässlicher Partner im Verteidigungsbereich und stärkt zugleich die kanadische industrielle Wertschöpfung bei kritischen Bodenunterstützungstechnologien.“
Rheinmetall-Kursziel von 1.800 Euro bestätigt
Überzeugt hat die Anleger aber offenbar keine der beiden Bestellungen. Auch die erneuerte Kaufempfehlung der Deutschen Bank mit einem Kursziel von 1.800 Euro für die Rheinmetall-Aktie vom 1. September blieb ohne Wirkung. Dabei stützen die durchgesickerten deutschen Rüstungspläne für 2027 „die Anlagestory“, wie Analyst Christoph Laskawi vor einer Woche schrieb.
Eigentlich spreche vieles für Rheinmetall, kommentierte auch Matthias Kemter von der Stuttgarter Zeitung an diesem Montag. Die Auftragsbücher seien voll, die Verteidigungsausgaben stiegen und der Konzern investiere kräftig in neue Kapazitäten. Was also hält die Käufer so zurück?
Bei Rheinmetall vieles bereits eingepreist
Viele positive Entwicklungen seien „längst bekannt und damit zumindest teilweise eingepreist“, meint Kemter. Für neue Kursimpulse reichten gute Nachrichten deshalb nicht mehr aus. „Anleger wollen sehen, dass sich die starke Nachfrage auch schnell in steigenden Umsätzen, Gewinnen und Cashflows niederschlägt“. Das Problem nur:
- Rheinmetall arbeite an komplexen, langfristigen Projekten, so der Jorunalist
- „Zwischen Auftrag, Produktion und Ergebniswirkung können Jahre liegen“
Quartalszahlen erst am 5. November
In diesem Sinne könnte der Düsseldorfer Konzern lediglich mit überzeugenden Quartalszahlen für einen frischen Impuls sorgen. Die jüngsten von Anfang August hatten allerdings nur kurz für einen Aufschwung gesorgt. Auf die nächsten Zahlen müssen Interessierte hingegen noch lange warten: Rheinmetall will den Bericht zum dritten Quartal am 5. November vorlegen.
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