Rheinmetall-Aktie: War alles nur ein Irrtum?

Rheinmetall verliert nach F126-Auftragsstorno massiv an Wert. Analysten sehen den Kurssturz als übertrieben an und halten an Kaufempfehlungen fest.

Auf einen Blick:
  • F126-Auftrag an TKMS vergeben
  • Kurssturz unter 1.000 Euro
  • Analysten sehen Übertreibung
  • Kursziele bleiben optimistisch

Liebe Leserinnen und Leser,

die Aktie der Woche ist wahrscheinlich die Düsseldorfer Rheinmetall. Die Düsseldorfer haben in den vergangenen Tagen in einer Weise verloren, die wohl kaum jemand für möglich gehalten hätte. Am Ende des Tages ging es gestern auf nur noch 946,30 Euro nach unten. Die Aktie hatte einen kleinen Verlust produziert. Schlimm war am Vortag der Verlust in Höhe von 18,6 %, der die Aktie erstmals unter die Marke von 1.000 Euro führte.

Rheinmetall ist geschockt und schockt die Börse

Die Situation ist alarmierend, nach Meinung diverser Analysten allerdings möglicherweise auch relativ positiv. Das Unternehmen hat jetzt faktisch insofern ein Problem im laufenden Jahr, als die Bundesregierung es nicht mehr für umsetzbar hält, das F126-Programm zur Entwicklung respektive zum Bau von Fregatten umzusetzen. Am Mittwoch wurde bekannt, dass die Bundesregierung lieber TKMS mit anderen Aufträgen in diesem Zusammenhang betraut.

Das bedeutet für Rheinmetall einen völlig unerwarteten Rückschlag, insofern das Unternehmen erst vor wenigen Wochen die NVL gekauft hat. Der Konzern handelte im Glauben, dass die Werft damit auch geeignet sei, die Fregatten zu bauen. Nun hat Rheinmetall dort sprichwörtlich mit Zitronen gehandelt.

Wie viel ist die Rheinmetall hier noch wert?

Allerdings ist die Bewertung am Markt ein wenig schwierig. Tatsächlich ist die Frage, wie weit im laufenden Jahr die Umsätze und damit auch die Gewinne zurückgehen werden. So gab es durch den Rücksetzer in Höhe von fast 20 % am Mittwoch für Rheinmetall das Problem, dass das Unternehmen bei der Marktkapitalisierung ungefähr 10 Milliarden Euro einbüßen musste. Das ist erheblich, zur Einordnung: Der Umsatz im laufenden Jahr wird immer noch auf circa 14,1 Milliarden Euro geschätzt. Das Nettoeinkommen soll bei 1,6 Milliarden Euro liegen.

Nun mag es im Zuge der Revision des Auftrags aus der Bundesregierung zu einem Umsatz- und auch Nettoeinkommenseinbruch kommen. Der allerdings fällt wahrscheinlich deutlich moderater aus, als die Marktkapitalisierung hier erkennen lässt. Insofern ist der Stimmungsabfall zum Ende der Woche wahrscheinlich aus rein wirtschaftlicher Sicht zu stark ausgefallen. Derzeit dominiert also ein wenig die Panik. Das gilt es zunächst einmal zu beleuchten.

Unterstützung für den Kurs ist nun unterkreuzt

Rheinmetall Aktie Chart

Rheinmetall hat mit der Unterstützung bei 1.000 Euro über einige Wochen immer gegen einen weiteren Absturz angekämpft. Chartanalysten fanden aktuell keine Argumente für die Annahme, dass der ohnehin laufende Abwärtstrend unter die runde Marke von 1.000 Euro führen würde. Jetzt ist genau diese Argumentation in sich zusammengebrochen. Damit befindet sich die Aktie formal zumindest aus charttechnischer Sicht im freien Fall.

Technische Analysten hatten immer darauf verwiesen, dass die Aktie zum Beispiel auf Basis der Beurteilung nach dem GD100 noch deutlich im Abwärtstrend sei. Der GD100 verläuft bei circa 1.410 Euro. Die 200-Tage-Linie liegt noch etwas darüber, bei circa 1.600 Euro, je nachdem, wer berechnet. Hier gibt es unterschiedliche Angaben.

Also fehlten der Aktie vorher ungefähr 15 bis 20 % für eine Trendwende. Inzwischen fehlen 33 % auf die 100-Tage-Linie und über 40 % auf den GD200. Solche massiven Distanzen zu so wichtigen Trendindikatoren gelten gemeinhin als Beleg dafür, dass eine solche Aktie eventuell sogar überverkauft ist. Das wiederum wird nicht direkt in eine Korrektur nach oben übersetzt. Allerdings weisen technische Analysten für gewöhnlich darauf hin, dass die so erzielten Kursniveaus nicht immer in dem Sinne echt sind, dass das neue Niveau dann hält.

Die Aktie hat damit ggf. durch den massiven Kursverlust am Donnerstag möglicherweise wertvolles Potenzial nach oben aufgebaut. Das wiederum sehen offenbar auch die Analysten so, die sich mit den Kurszielen für die Aktie beschäftigen. Ganz allgemein liegt das mittlere Kursziel für die Aktie derzeit noch bei knapp 1.800 Euro. Das wäre ein Aufschlag von über 89 %.

Wer gewinnt den Kampf um die Deutungshoheit?

Nun kann es sein, dass einige Analysten derzeit etwas spät reagieren. Insofern lohnt sich ein Blick auf das, was am Donnerstag teilweise über die Aktie gesagt wurde. Warburg Research hat sich gemeldet und das eigene Kursziel gesenkt. Allerdings lag das Kursziel vorher bei 1.550 Euro und beläuft sich nunmehr auf nur noch 1.500 Euro. Das signalisiert zweierlei: Das Kursziel selbst wurde nur um 50 Euro gesenkt und damit um etwa 3 %. Gleichzeitig liegt es mit 1.500 Euro noch sehr deutlich über dem aktuellen Kursniveau. Die Kaufempfehlung wurde sogar beibehalten.

Warburg Research bezeichnete den gesamten Vorgang als unerwarteten Rückschlag. Die Kursreaktion jedoch sei übertrieben. Die Wachstumsambitionen des Konzerns seien vom Markt infrage gestellt worden. Insofern ist die Stimmungslage laut Warburg Research bestimmt nicht so schlecht, wie der Markt sie derzeit erkennen lässt.

Eine zweite Stimme kam von der DZ Bank. Die DZ Bank hatte sogar eine ausgesprochen aufmerksamkeitserzeugende Meinung. Sie hat ihr faires Kursziel von 2.188 Euro auf 1.205 Euro gesenkt. Das heißt, die Aktie hätte noch mehr als 750 Euro Potenzial vor sich. Die Kaufempfehlung wurde indes bestätigt.

Der Rückschlag war zu heftig

Achtung: Der verlorene Auftrag für die Fregatten der F126-Klasse würde schmerzen, sei aber kein Schiffbruch, heißt es. Der Nettogegenwartswert des Projekts – und dies ist aus wirtschaftlicher Sicht sicherlich mitentscheidend – habe deutlich unter dem Kursverlust gelegen. Auch hier wird betont, dass die Marktkapitalisierung von Rheinmetall um gut 10 Milliarden Euro gesunken sei. Aus der DZ Bank selbst heißt es dazu, der operative Gewinn des Auftrags, verteilt auf viele Jahre, hätte bei gut 1,5 Milliarden Euro gelegen. Das Unternehmen habe damit jedoch einen Rückschlag für die eigenen Ambitionen im Marinegeschäft erhalten.

Das deckt sich in etwa mit der Einschätzung, die man vielleicht auch von anderen Analysten erwarten darf. Denn Rheinmetall hat sicherlich einen herben Rückschlag erlitten. Allerdings haben die Börsen maßlos übertrieben, wenn man das rein aus wirtschaftlicher Sicht betrachten möchte.

Die Perspektive muss nicht notwendig schlecht sein

Insofern eröffnet sich jetzt folgende Perspektive: Wenn der Markt aktuell möglicherweise die wirtschaftlichen Einschätzungen von Analysten studiert, wird gegebenenfalls eine schnelle Kurserholung eingeläutet. Diese Aussage jedoch ist keine Prognose dahingehend, dass dies auf jeden Fall passiert.

Die Trendstimmung ist definitiv negativ. Durch den Rutsch auf weniger als 1.000 Euro sind hier quasi Dämme gebrochen. Der Markt ist damit insgesamt letztlich zweigeteilt. Die Chartanalysten sprechen von einem extrem klaren Abwärtstrend. Die Stimmung liegt am Boden. Wirtschaftlich orientierte Beobachter und Analysten sind der Meinung, das alles sei deutlich übertrieben gewesen. In den kommenden Tagen zeigt sich, welche der beiden Kräfte hier vor allem das Zepter übernimmt.

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