Rheinmetall-Aktie: Wahnsinnige Wende!

Rheinmetall überwindet die 1.100-Euro-Marke und erholt sich vom Fregatten-Aus. Analysten sehen weiteres Kurspotenzial von über 55 Prozent.

Auf einen Blick:
  • Kursplus von über 6 Prozent
  • Fregatten-Aus belastet nur kurzfristig
  • Analysten sehen 55 Prozent Potenzial
  • CEO Papperger kauft eigene Aktien

Liebe Leserinnen und Leser

einen sehr starken Aufschlag hat gestern die Aktie von Rheinmetall geschafft. Auf Xetra ging es gar um 6,1 % nach oben: 1.115 Euro meldeten die Börsen. In anderen Handelsumgebungen ging es etwas weniger nach oben. So hat die Aktie in Stuttgart 4,55 % gewonnen und in München 5,38 %.

Das allerdings zeigt derzeit deutlich, dass die Aktie die Marke von 1.100 Euro gestern an allen Plätzen überwunden hat. Dies wiederum ist aus rein technischer Sicht eine sehr starke Nachricht.

Rheinmetall: Es geht wieder aufwärts!

Die Düsseldorfer haben in den zurückliegenden fünf Tagen insgesamt 17,5 % zugelegt. Die Notierungen waren bereits auf weniger als 950 Euro gefallen und drohten weiter nach unten zu kippen, nachdem in der vergangenen Woche der schwache Mittwoch mit einem Minus von über 18 % dafür gesorgt hatte, dass rund um die Düsseldorfer Aktie Alarmstimmung herrschte.

Hintergrund war, dass die Bundesregierung, anders als erwartet, doch nicht an dem eigenen Fregattenauftrag an Rheinmetall bzw. deren Tochter NVL festhielt. Die Bundesregierung hat darauf verzichtet, diesen Deal überhaupt noch weiter in Angriff zu nehmen. Das bedeutete für Rheinmetall zunächst einmal, dass die Stimmung extrem nach unten lief. Das bedeutet auch, dass die NVL, die erst vor Kurzem gekaufte Werft, möglicherweise für Rheinmetall ein schwieriges Pflaster sein wird.

Rheinmetall: Der Schock war nicht so groß wie befürchtet

Allerdings beschränkt sich das Düsseldorfer Unternehmen nicht nur auf dieses Geschäft. Und das wiederum haben auch die Analysten in den vergangenen Tagen aufgegriffen, weil immer wieder davon berichtet worden ist, dass Rheinmetall von verschiedenen Analysten noch viel, viel zuversichtlicher bewertet wird, als dies der Markt derzeit tut.

Insofern haben die Düsseldorfer zwar einige Kurszieländerungen nach unten hinnehmen müssen, allerdings noch keinen Crash hinsichtlich der Kursziele bei den Analysten. Das heißt ganz konkret, dass die Analysten immer noch der Meinung sind, dass die Aktie deutlich steigen wird. Im Mittel sehen die Kursziele mit 1.765,60 Euro fast noch so gut aus wie in den Wochen zuvor. Die Aktie hat immer noch ein Potenzial von über 55 %. Und dies dokumentiert, dass die Analysten zuversichtlich bleiben.

Rheinmetall Aktie Chart

Der Konzern prüft die Auswirkungen

Ganz konkret geht es jetzt für Rheinmetall tatsächlich darum, die wirtschaftlichen Gegebenheiten neu aufzusetzen. Jetzt prüft das Unternehmen die möglichen Auswirkungen des Baustopps der sechs nun nicht in Auftrag gegebenen F126-Fregatten auf die Bilanz.

Rheinmetall teilte gestern mit, dass das Unternehmen das erwartete Umsatzwachstum von über 60 % im zweiten Quartal tatsächlich geschafft hat. Auf der anderen Seite jedoch enttäuschte Rheinmetall etwas mit der sogenannten Rheinmetall Nomination. Diese Kennziffer stellt die Summe des Auftragseingangs und des Volumens neu vereinbarter Rahmenverträge dar. Rahmenverträge sind Vereinbarungen, die erst im Laufe der Zeit zu Umsatzzuwächsen führen, nämlich dann, wenn die entsprechenden Aufträge tatsächlich formuliert oder abgerufen werden.

Diese Rheinmetall Nomination hatte zum Ziel, 20 Milliarden Euro zu erreichen. Dies ist offenbar nicht ganz gelungen. Rheinmetall hat dazu mitgeteilt, man werde hier ein niedriges zweistelliges Euro-Milliarden-Niveau erreichen. Das wiederum hat der Markt vergleichsweise gut hingenommen.

Zudem hat Rheinmetall mitgeteilt, dass das Unternehmen nun prüfen werde, ob das in der vergangenen Woche verkündete Ende für das Fregattenprogramm durch die Bundesregierung weitere Auswirkungen auf die Gesamtjahresprognose haben werde. Der Umsatz könne, wenn es nicht gelinge, die ausgefallenen Zahlungen kurzfristig zu kompensieren, im laufenden Jahr um bis zu 300 Millionen Euro geschmälert werden, heißt es.

Das wiederum ist insofern interessant, als der Gesamtumsatz im laufenden Jahr auf ungefähr 14,1 bis 14,3 Milliarden Euro taxiert wird. Das bedeutet auch, dass zumindest umsatzseitig der entgangene Auftrag im laufenden Jahr keine besonders hohen Auswirkungen haben werde. Dies jedenfalls meinen Beobachter nach der Mitteilung dieser Werte.

Mittelfristig sind die Auswirkungen gleichsam überschaubarer als gedacht

Speziell für die mittelfristige Prognose kann sich das Bild allerdings anders darstellen. Der Auftrag galt durchaus als bedeutend. Rheinmetall hatte indes vor einigen Monaten mitgeteilt, dass der eingeplante Beitrag dieses Auftrags für die mittelfristige Prognose bis 2030 weniger als 3 % ausmachen würde. Und diesen Effekt möchte Rheinmetall laut eigener Mitteilung sogar noch reduzieren.

Das heißt im Grunde genommen, dass die Fregattenproblematik für Rheinmetall sicherlich am Ende spürbar sein wird, allerdings nicht in dem Ausmaß, wie es die Börse hier mit den massiven Kursabschlägen eingepreist hatte.

Zur Einordnung: Die Notierungen lagen nach dem Crash von über 18 % ungefähr noch 50 bis 80 Euro über dem aktuell erreichten Kurs. Das wiederum heißt, Rheinmetall befindet sich direkt auf dem Weg dazu, das Ausgangsniveau vor dem kleinen Crash wieder zu erreichen.

Der Crash ist ggf. schon weitgehend überwunden!

Nun sollte die Euphorie noch nicht in den Himmel wachsen, denn Rheinmetall ist damit formal immer noch im Abwärtstrend. Die 100-Tage-Linie liegt bei 1.385,20 Euro und ist mehr als 200 Euro entfernt. 1.563 Euro zeigt der GD200 an, und auch der ist immer noch rund 450 Euro entfernt. Insofern ist die Aktie formal immer noch klar im Abwärtstrend.

Sehr gut allerdings ist der Umstand, dass Rheinmetall den Weg nach oben bereits wieder einschlägt. Es gibt, wie beschrieben, einige Stimmen, die ein solches Comeback für möglich hielten. Die vielleicht interessanteste Stimme kam von der DZ Bank.

DZ Bank mit wichtiger Studie

Die DZ Bank hatte der gesamten Rüstungsbranche eine deutliche Unterbewertung bescheinigt. Zudem hat die DZ Bank auch in dieselbe Kerbe gehauen und Rheinmetall einige Abschläge durch den entgangenen Auftrag bescheinigt. Allerdings wurde das Kursziel doch deutlich über dem taxiert, was Rheinmetall derzeit tatsächlich zu bieten hatte.

Die DZ Bank hat wörtlich wissen lassen, dass der verlorene Deal mit den Fregatten vom Typ F126 wehtue, aber kein Schiffbruch sei. Auch hier wurde darauf verwiesen, dass der Barwert des Projekts sehr viel niedriger wäre als der Rückgang des Aktienkurses. Insofern liegt das Kursziel der DZ Bank, die sich wirklich intensiv mit den Folgen auseinandergesetzt hatte, nun bei 1.705 Euro, während es vorher bei 2.188 Euro lag.

Auch hiernach hat die Aktie also massiv Potenzial. Insofern sind eigentlich die meisten wirtschaftlich orientierten Experten der Meinung, dass die Aktie noch ordentliches Potenzial nach oben hat, da Rheinmetall bis zuletzt zudem wieder immer neue Aufträge eingefahren hat, zum Beispiel aus der Ukraine.

Darf man davon ausgehen, dass die Aktie noch weitere Comeback-Versuche über höhere Hürden in Angriff nehmen wird? Davon scheint auch CEO Papperger überzeugt zu sein. Er hatte kürzlich Aktien im Wert von über drei Millionen Euro gekauft. Allein dies ist schon Beleg dafür, dass selbst die sehr unternehmensnahen Personen den Crash offensichtlich in keiner Weise verstehen konnten.

Insofern ist die Aktie jetzt wieder klar im Angriffsmodus.

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