Liebe Leserinnen und Leser,
Immer noch sieht es bei der Aktie von Rheinmetall ausgesprochen schlecht aus. Das Unternehmen hat zwar zuletzt gewonnen. Die Aktie bewegt sich jedoch weiterhin nur knapp oberhalb der Marke von 1.000 Euro.
Die Rheinmetall-Aktie befindet sich damit weiterhin in einer schwierigen Situation, denn die charttechnische Ausgangslage kündet unverändert von einem ausgesprochen schwachen Abwärtstrend. Immerhin schafft es die Aktie seit Tagen, die Marke von 1.000 Euro immer wieder zu verteidigen. Lediglich Mitte September ging es einmal kurz unter diese Marke.
1.000 Euro sollten halten
Die Notierungen kämpfen also darum, die letzten Unterstützungen auf dem Weg nach unten nicht preisgeben zu müssen. Würde die Aktie unter 1.000 Euro fallen, wäre bei circa 960 Euro mit einer weiteren Unterstützung zu rechnen. Aus Sicht von Chartanalysten müssten die Notierungen dort allerdings direkt die Trendwende schaffen. Ansonsten könnte ein Rückgang bis auf 900 Euro drohen.
Rheinmetall Aktie Chart
Daran kann selbstverständlich gezweifelt werden, denn die Chartanalyse liefert keine exakten Prognosen, sondern zeigt lediglich Tendenzen auf. Technische Analysten sehen die Aktie allerdings ebenfalls in einem ausgeprägten Abwärtstrend.
Analysten sind trotz aller Bedenken im Durchschnitt weiterhin der Meinung, dass die Aktie deutlich mehr wert sein könnte. Die durchschnittlichen Kursziele liegen erheblich über dem aktuellen Niveau. Teilweise reichen die Schätzungen sogar deutlich über 2.000 Euro hinaus.
Rheinmetall ist zuletzt in nur wenigen Punkten schwächer geworden
Rheinmetall musste bei der Präsentation der Quartalszahlen zum 2. Vierteljahr vor kurzem seine Umsatzprognose für das laufende Jahr nach unten korrigieren. Statt der zuvor erwarteten 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro stellt das Unternehmen nun 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro in Aussicht. Der Rheinmetall-Backlog ist zum Ende des zweiten Quartals zugleich auf 80,5 Milliarden Euro angewachsen, sprich der Auftragsbestand.
Auch die Profitabilität entwickelte sich zuletzt positiv. Im zweiten Quartal erreichte die operative Marge 17,1 %. Für das Gesamtjahr peilt Rheinmetall weiterhin eine operative Marge von rund 19 % an.
Das Unternehmen konnte bei seinen Quartalszahlen zudem nicht nur den extrem hohen Auftragsbestand von über 80 Milliarden Euro nachweisen, sondern damit auch einen Zuwachs gegenüber dem zweiten Quartal des vergangenen Jahres in Höhe von circa 44 % melden. Die gut 80 Mrd. Euro stellen zudem einen neuen Rekord dar. Das wiederum unterstreicht die Geschwindigkeit, mit der Rheinmetall die Umsatzentwicklung inzwischen vorantreibt.
Zudem war auch im zweiten Quartal der Umsatz schon erheblich gestiegen. Hier ging es um circa 69 % nach oben. Der Umsatz erreichte einen Wert von mehr als 3,2 Milliarden Euro.
Am stärksten war jedoch der Eindruck, den das operative Ergebnis hinterließ. Dieses wurde mit 562 Millionen Euro ausgewiesen und war im Vergleich zum Vorjahr um 115 % geklettert. Das bedeutet, dass Rheinmetall schon im zweiten Quartal die vielleicht etwas schwächeren Zahlen aus dem ersten Quartal wieder ad acta legen konnte und eigentlich mehr Rückenwind hätte gewinnen müssen.
Operative Free Cashflow das eigentliche Problem
Das allerdings wurde vor allem mit Blick auf den operativen Free Cashflow etwas verhagelt. Dieser war negativ und wurde mit einem Minus von über 1,6 Milliarden Euro ausgewiesen, was wiederum an den Börsen für etwas Verärgerung sorgte.
Rheinmetall selbst begründete diesen Umstand damit, dass bestimmte Anzahlungen für größere Projekte verzögert würden und dass auch die Vorräte aufgebaut worden seien. Insofern ist auch dieser Umstand letztlich gut zu erklären und kann zumindest nicht begründen, warum die Notierungen derart weit nach unten gelaufen sind.
Können die Kapazitäten hinreichend schnell ausgebaut werden?
Damit bleibt vor allem die Frage, wie schnell und wie gut die Kapazitäten ausgebaut werden können, um die enormen Auftragsvolumina abzuarbeiten. An neuen Aufträgen mangelt es derzeit nicht.
So hat Rheinmetall einen weiteren Großauftrag erhalten. Ein internationaler Kunde bestellte eine niedrige fünfstellige Anzahl von 155-Millimeter-Artilleriegeschossen. Das Auftragsvolumen liegt im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Die Fertigung ist bereits angelaufen, die Auslieferung soll 2027 abgeschlossen werden.
Auch in den USA bleiben die Perspektiven interessant. American Rheinmetall Vehicles ist im Wettbewerb um die Nachfolge des M2 Bradley engagiert. Rheinmetall hat mit dem Lynx XM30 einen Prototyp entwickelt und setzt dabei auf eine starke industrielle Präsenz in den USA.
Bemerkenswert bleibt vor dem Hintergrund solcher guten Nachrichten, wie hartnäckig die Börsen die gesamte Rüstungsindustrie einschließlich Rheinmetall zuletzt nach unten geschickt haben. Die Analysten bleiben trotz dieser Entwicklung insgesamt und zumindest in vielen Fällen ausgesprochen zuversichtlich. Die Kursziele sprechen für sich. Zinsängste oder dergleichen scheinen zumindest die Experten für die Rheinmetall kaum zu kennen. Die steigenden Zinsen könnten bedeuten, dass die Staaten als Auftraggeber etwas kürzer treten. Das passiert ersichtlich nicht.
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