Liebe Leserin, lieber Leser,
zum Wochenstart war die Aktie von Rheinmetall noch im Flow: Ausgehend von 910 Euro am 8. Oktober, hatten sich die Papiere des Rüstungskonzerns auf der Handelsplattform Tradegate bis auf 1.104 Euro vorgearbeitet, ein Aufschlag von gut 20 Prozent binnen weniger Tage. Doch seitdem ist die Luft irgendwie raus. Am Donnerstag im frühen Handel fiel die Rheinmetall-Aktie auf genau 1.000 Euro zurück, bevor sie sich wieder fing. Sollten sich all die Analysten so getäuscht haben, die zuletzt ihre hohen Kursziele für Rheinmetall bestätigten? Oder warten die Anleger auf den Tag der Wahrheit?
Warten auf die Quartalszahlen bei Rheinmetall
Denn dieser wird in zwei Wochen sein: Am 5. November will Rheinmetall seinen Quartalsbericht vorlegen – und die institutionellen Beobachter erwarten nichts anderes als einen anhaltenden Boom im Rüstungssektor, dazu entsprechend steigende Umsatzzahlen.
Mit einer Ausnahme halten die Analysten die Aktie für derzeit unterbewertet. Kein Wunder: Es ist gut ein Jahr her, da wurden für die Rheinmetall-Aktie mehr als 2.000 Euro bezahlt, wenngleich nur kurz. Seitdem hat sie sich im Wert glatt halbiert.
Prognosen sprechen für Rheinmetall-Aktie
Dass dies zu Unrecht geschah, davon geht man bei Banken und Analysehäusern mehrheitlich aus. So liegt das durchschnittliche Kursziel für Rheinmetall aus 21 Analysen laut marketscreener.com derzeit bei 1.559 Euro. Mittelfristig erwarten die Beobachter somit einen Kurszuwachs von gut 50 Prozent. Entsprechend lauten die Empfehlungen:
- 17 Analysten raten aktuell zum Kauf der Aktie
- vier würden Rheinmetall immerhin halten
- kein einziger gibt eine Verkaufsempfehlung
Berenberg ist bei Rheinmetall skeptisch
Die Schweizer Großbank UBS etwa hatte das Kursziel für Rheinmetall am Dienstag zwar von 1.600 auf 1.360 Euro gesenkt, aber die Einstufung auf „Buy“ belassen. Am skeptischsten ist die Privatbank Berenberg: Sie hatte die Aktie von Rheinmetall vor zwei Wochen von „Buy“ auf „Hold“ abgestuft und das Kursziel von 1.600 auf 1.020 Euro gesenkt, sieht sie derzeit also als fair bewertet an. Die mittelfristigen Wachstumsperspektiven des Rüstungskonzerns seien „mit Unsicherheiten behaftet“, begründete George McWhirter laut Medienberichten sein Downgrade. Es benötige deutlich mehr Aufträge, um auch über 2030 hinaus für Wachstum zu sorgen.
Völlig anderer Meinung war am selben Tag Mark Fielding von der kanadischen Bank RBC: Er hatte die Einstufung für die Aktie vor Quartalszahlen auf „Outperform“ mit einem Kursziel von 1.600 Euro belassen. Die Umsatzdynamik im Industriegütersektor verbessere sich trotz konjunktureller Risiken, schrieb der Analyst in einer Sektorstudie. Das sollte sich im dritten Quartal fortgesetzt haben, glaubt Fielding. Und es dürfte sich auch in den Aussagen zu 2027 widerspiegeln, „trotz fortgesetzter Zurückhaltung der Unternehmen“. Bei Rheinmetall indes dürfte das Quartal von einem starken Auftragseingang geprägt gewesen sein, so der RBC-Analyst.
Deutsche Bank mit 1.800-Euro-Kursziel
Von einem solchen Szenario geht auch Christoph Laskawi von der Deutschen Bank aus. Die Quartalszahlen am 5. November dürften abermals ein mehr als 40-prozentiges Umsatzwachstum belegen und zeigen, dass der Rüstungskonzern auf einem guten Weg zu seinen Jahreszielen sei, schrieb er Anfang Oktober. Auftragsseitig dürfte das Schlussquartal eine wichtige Rolle spielen. Der wichtigste Kurstreiber bleibe das Panzer-Großprojekt „Arminius“ der Bundeswehr, welches Anfang Dezember die Zustimmung des Haushaltsausschusses erhalten sollte.
- In der Folge hatte Laskawi die Rheinmetall-Aktie auf „Buy“ mit einem Kursziel von sogar 1.800 Euro belassen
- Der Analyst der Deutschen Bank erwartet bei den Papieren mittelfristig ein Kursplus von rund 80 Prozent
Die Anleger hingegen wollen den positiven Prognosen derzeit nicht folgen. Vielmehr hat Rheinmetall, trotz zwischenzeitlicher Erholung, allein seit Anfang Mai, als zwischenzeitlich 1.469 Euro auf dem Kurszettel standen, fast ein Drittel an Wert eingebüßt.
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