Rheinmetall-Aktie: Da stimmt etwas nicht!

Berenberg reduziert Prognosen und Kursziel, während RBC an seiner Kaufempfehlung festhält; Rheinmetall hat die Kreditlinie auf 1,5 Milliarden Euro erhöht.

Auf einen Blick:
  • Berenberg stuft auf Halten herab
  • Kursziel sinkt auf 1.020 Euro
  • RBC bestätigt Kaufempfehlung und Kursziel
  • Kreditlinie auf 1,5 Milliarden Euro erhöht

Liebe Leserinnen und Leser,

die neue Woche wird ausgesprochen interessant, unter anderem auch für Aktien wie Rheinmetall. Die Notierungen hatten sich zuletzt etwas stabilisiert. Am Freitag ging es allerdings lediglich um 0,45 % nach oben. Je nach Börsenplatz stand sogar ein kleines Minus von 0,39 % zu Buche. Auf den Kurstafeln wurden zuletzt 935,30 Euro angezeigt.

Damit hat Rheinmetall seinen Abwärtstrend noch immer nicht verlassen. Ganz im Gegenteil: Das Tief der vergangenen Monate bei 926,20 Euro liegt weiterhin gefährlich nahe.

Die Rahmenbedingungen an den Börsen werden evtl. besser

Eine große Hoffnung für die Aktienmärkte insgesamt könnte nun ausgerechnet von den Ölpreisen ausgehen. Donald Trump hat mit seiner Drohung gegenüber der Ukraine offenbar zumindest vorübergehend eine Art Energiefrieden bewirkt. Wie es heißt, sollen Angriffe auf die Energieinfrastruktur zwischen den beiden Ländern zunächst unterbleiben.

Mit Rheinmetall hat das unmittelbar wenig zu tun. Indirekt könnte eine solche Entwicklung allerdings die Stimmung an den europäischen Märkten beruhigen. Davon würden möglicherweise auch die Aktien profitieren. Zum Beginn der neuen Woche notiert die Ölsorte Brent allerdings noch immer bei 104,34 Dollar je Barrel. Das zeigt, wie stark die allgemeine Stimmung weiterhin von der Entwicklung der Energiepreise beeinflusst wird. Sollten diese nachgeben, könnte das den Börsen zusätzlichen Spielraum nach oben eröffnen. Davon könnte schließlich auch Rheinmetall profitieren.

Allerdings hat die Aktie zuletzt auch bei den Analysten für erhebliche Diskussionen gesorgt. Besonders bemerkenswert ist eine Herabstufung durch Berenberg. Die Analysten halten Rheinmetall inzwischen nicht mehr für einen Kauf und haben ihre Empfehlung von „Kaufen“ auf „Halten“ gesenkt.

Zweifel bei der Berenberg

Hintergrund sind Zweifel an den langfristigen Wachstumsaussichten nach 2030. Die Analysten gehen davon aus, dass sich die großen europäischen Aufträge bis dahin stabilisieren könnten. Um anschließend weiterhin ein nachhaltiges Wachstum zu erzielen, müsste Rheinmetall deutlich mehr neue Aufträge gewinnen.

Berenberg hat dazu sein eigenes Bottom-up-Modell überarbeitet, das insgesamt 74 öffentlich bekannte Verträge berücksichtigt. Das Ergebnis: Für die Zeit nach 2030 wären deutlich mehr Aufträge erforderlich, als derzeit in der modellierten Pipeline vorgesehen sind.

Zwar deutet die schwache Aktienentwicklung seit Jahresbeginn nach Einschätzung der Analysten darauf hin, dass ein Teil dieser Risiken bereits eingepreist sein könnte. Dennoch könnten sowohl die Stimmung als auch die künftige Gewinnentwicklung belastet bleiben.

Deshalb hat Berenberg seine Umsatzprognose für 2030 um 6 % und seine Gewinnerwartung um 8 % reduziert. Die Konsequenz ist erheblich: Das Kursziel wurde von zuvor 1.600 Euro auf nur noch 1.020 Euro gesenkt. Das ist eine deutliche Enttäuschung für die Märkte.

RBC hält an seiner Einschätzung fest

Demgegenüber hält RBC an seiner positiven Einschätzung fest. Die Analysten haben ihre Kaufempfehlung für Rheinmetall bekräftigt und das Kursziel unverändert bei 1.600 Euro belassen. Damit gehen die Einschätzungen inzwischen erheblich auseinander.

Insgesamt bleiben die Analysten allerdings deutlich optimistischer, als es die aktuelle Kursentwicklung vermuten lässt. Das durchschnittliche Kursziel liegt trotz sukzessiver Abwärtskorrekturen noch immer bei 1.580,33 Euro. Gemessen am aktuellen Kurs ergibt sich daraus ein rechnerisches Aufwärtspotenzial von rund 68,3 %.

Rheinmetall Aktie Chart

Auch Rheinmetall selbst konnte kurz vor dem Wochenende eine positive Nachricht veröffentlichen. Das Unternehmen hat seine syndizierte Kreditlinie verdoppelt. Damit steht Rheinmetall künftig ein deutlich größerer finanzieller Spielraum zur Verfügung.

Kreditlinie ist angehoben worden

Die Kreditlinie wurde von zuvor 750 Millionen Euro auf 1,5 Milliarden Euro erhöht. Zudem konnten zusätzliche internationale Bankpartner gewonnen werden. Diese Entwicklung ist durchaus wichtig. Rheinmetall muss erheblich investieren, um die Produktionskapazitäten aufzubauen, die zur Abarbeitung des Auftragsbestands von mehr als 18 Milliarden Euro erforderlich sind.

Die zusätzliche Finanzierung könnte dazu beitragen, den Kapazitätsausbau abzusichern und die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit des Konzerns zu stärken. An den Aktienmärkten wurde diese Nachricht allerdings kaum honoriert.

Auch über das Wochenende wurden keine neuen Entwicklungen bekannt, die unmittelbar eine Ausbruchssituation auslösen könnten. Deshalb dürften sich die Börsen zum Wochenauftakt zunächst wieder an den bereits vorliegenden Nachrichten orientieren.

Dazu gehört auch die Stellungnahme der Bundesregierung zum deutsch-französischen Panzerprojekt. Berlin hat die Behauptung zurückgewiesen, dass das gemeinsame Vorhaben eingestellt worden sei. Zuvor hatten entsprechende Spekulationen zusätzliche Unsicherheit ausgelöst.

Abwärtstrend hat sich noch nicht verändert

Generell bleibt die Situation für Rheinmetall an den Aktienmärkten schwierig. Die Aktie befindet sich in einem klaren Abwärtstrend. Das zeigt sich bereits daran, dass selbst die Marke von 1.000 Euro derzeit nur schwer erreichbar erscheint.

Noch deutlicher wird die Schwäche beim Blick auf die technischen Indikatoren. Bis zur 200-Tage-Linie fehlen dem Papier nach dem aktuellen technischen Muster ungefähr 400 Euro. Erst eine entsprechende Erholung würde Rheinmetall wieder in die Nähe eines langfristigen Aufwärtstrends bringen.

Seit Jahresbeginn hat die Aktie bereits knapp 40 % an Wert verloren. Das Problem betrifft allerdings nicht allein Rheinmetall. Die Börsen betrachten inzwischen die gesamte Rüstungsindustrie deutlich skeptischer.

Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob die Unternehmen ihre Produktionskapazitäten tatsächlich schnell genug ausbauen können, um die gewaltigen Auftragsbestände abzuarbeiten.

Zinsniveau spielt Rheinmetall und Co. nicht in die Karten

Hinzu kommt das gestiegene Zinsniveau. Die Finanzierung neuer Kapazitäten wird dadurch teurer. Rheinmetall und andere Rüstungskonzerne müssen entsprechend mehr Geld aufwenden, um ihre Investitionen langfristig abzusichern.

Gerade deshalb könnte die Verdopplung der syndizierten Kreditlinie ein wichtiger Schritt sein. Sie verbessert den finanziellen Spielraum und könnte zumindest einen Teil der Finanzierungssorgen entschärfen. Dennoch bleibt die Stimmung angespannt.

Analysten rechnen mit fast 1.600 Euro

Für die neue Woche stellt sich deshalb die Frage, ob möglicherweise sinkende Ölpreise und eine allgemein freundlichere Marktstimmung auch der Rüstungsindustrie wieder Auftrieb verleihen können. Sollte dies gelingen, könnten die weiterhin hohen Analystenkursziele erneut stärker in den Vordergrund rücken. Immerhin liegen die Schätzungen im Durchschnitt noch immer bei annähernd 1.600 Euro.

Zunächst müsste Rheinmetall allerdings die Marke von 950 Euro zurückerobern und anschließend wieder die Schwelle von 1.000 Euro ins Visier nehmen. Immerhin sprechen Charttechniker inzwischen nicht mehr durchgehend von einem unmittelbar bevorstehenden Crash. Von einer nachhaltigen Trendwende kann allerdings ebenso wenig die Rede sein.

Damit bleibt Rheinmetall zum Wochenauftakt ein ausgesprochen spannender, aber auch riskanter Wert: Auf der einen Seite stehen eine verbesserte Finanzierung und hohe Analystenkursziele. Auf der anderen Seite belasten der ausgeprägte Abwärtstrend und die Zweifel an den langfristigen Wachstumsaussichten.

Entscheidend wird sein, ob die Märkte endlich wieder bereit sind, die wirtschaftlichen Perspektiven stärker zu gewichten als die derzeitigen Risiken.

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