Rheinmetall-Aktie: Sämtliche Kursziele bestätigt!

Rheinmetall gewinnt an der Börse, während ein Auftragsbestand von über 80 Milliarden Euro und ein negativer Quartals-Cashflow prägen.

Auf einen Blick:
  • Aktie steigt binnen einer Woche 9,92 Prozent
  • Auftragsbestand übersteigt 80 Milliarden Euro
  • Zweiter Quartals-Free-Cashflow war negativ
  • Analystenkonsens liegt bei rund 1.570 Euro

Liebe Leserinnen und Leser,

am gestrigen Donnerstag konnte Rheinmetall einen überragenden Erfolg erzielen. 5,66 % Plus brachten den Düsseldorfer Titel auf 1.034,40 Euro. Andere Börsen zeigten nur 1.026 Euro an, bei einem Plus von 4,34 %. Einerlei, die Notierungen sind in erstklassiger Verfassung, zumindest bezogen auf die kurzfristige Entwicklung von Rheinmetall.

Rheinmetall endlich wieder im Rennen

Innerhalb einer Woche konnte die Aktie 9,92 % zulegen und schafft es damit unter dem Strich auch auf Sicht von vier Wochen, ein Plus von 1,12 % zu erwirtschaften. Das täuscht natürlich nicht darüber hinweg, dass der Titel im laufenden Jahr immer noch mit 34,17 % hinten liegt. Allerdings haben sich die Verhältnisse deutlich verbessert.

Apple Aktie Chart

Auch die technische Lage verdient deshalb in diesen Tagen und besonders zum Ende der Woche Aufmerksamkeit. Der Abstand zum GD100, dem mittelfristig bedeutenden Trendindikator, beläuft sich auf nur noch 4,6 %. Auch der GD200 ist bei einem Abstand von 21 % inzwischen wieder etwas näher gerückt.

Charttechniker klatschen Beifall

Vor allem freuen sich natürlich die Charttechniker, die bei dieser Aktie derzeit vermuten dürfen, dass der Titel jetzt etwas mehr Substanz gewinnt, was die Trendentwicklung betrifft. Denn die Überwindung der Marke von 1.000 Euro hat an den Märkten deutliche Reaktionen ausgelöst. Das Papier konnte damit Aufmerksamkeit erzeugen. Der Handel ist um etwa 40 bis 45 % stärker geworden. Das heißt, auch das Interesse der Anleger hat deutlich zugenommen.

Was ist tatsächlich passiert? Zumindest auf der Nachrichtenseite war für Rheinmetall am 15. Oktober nicht allzu viel zu verbuchen. Auch am 14. Oktober betrafen die meisten Nachrichten das Unternehmen nicht direkt. Für die jüngste Kursentwicklung war also wohl vor allem die Stimmung verantwortlich. Bereits am Mittwoch war es für die Aktie um 3,24 % aufwärtsgegangen.

Rüstungsindustrie durch die Ukraine wieder stärker!?

Rheinmetall profitiert davon, dass plötzlich wieder etwas Schwung in die Rüstungsindustrie generell gekommen ist. Mutmaßlich hängt das damit zusammen, dass die Überzeugung wächst, dass der Krieg in der Ukraine weitergeführt wird, so bitter es ist. Das ist einer der Treiber für das Unternehmen und auch für die gesamte Branche.

Zudem hat Rheinmetall, wie andere Unternehmen der Branche gleichfalls, einen zu heftigen Kursabschlag hinnehmen müssen. Jetzt besinnen sich die Börsen langsam offenbar wieder darauf, dass in dieser Branche relativ viel Potenzial steckt.

Möglicherweise wird es auch eine sogenannte Branchenrotation geben. Das heißt, Investoren, vor allem die großen Adressen, orientieren sich in eine andere Richtung. Hier wäre es dann das Rüstungssegment statt der KI-Aktien, die vielleicht derzeit darunter leiden, dass die Verschuldung in diesem Segment extrem hoch ist. Steigende Zinsen lassen die Risiken entsprechend klettern.

Hohe Zinsen sind jetzt kein Hindernis gewesen

Bei der Rüstungsindustrie sieht es anders aus. Dort wirken die hohen Zinsen zwar ebenfalls als Bremse für die Finanzierungsmöglichkeiten. Auf der anderen Seite sind die Auftragsvolumina so hoch, dass hier wenig Risiko besteht, dass Kredite nicht zurückgezahlt werden könnten. Das Geld wird verwendet, um tatsächlich Kapazitäten aufzubauen.

Rheinmetall hatte zum zweiten Quartal einen Auftragsbestand von mehr als 80 Milliarden Euro und ist damit auf einem Rekordniveau gelandet. Der CEO meinte sogar, dass bis zum Jahresende ein Auftragsbestand von 100 Milliarden Euro möglich sei.

Zum Vergleich, um das Ganze einzuordnen: Das Unternehmen schafft es gerade mal, im laufenden Jahr einen Umsatz von vielleicht 14 Milliarden Euro zu erwirtschaften. Der Auftragsbestand ist damit um ein Vielfaches höher. Würde es beim laufenden Umsatz bleiben und würden alle Aufträge tatsächlich zu Umsätzen werden, dann würde allein dieser Auftragsbestand schon dafür sorgen, dass das Unternehmen fünf Jahre lang ausgebucht wäre oder sogar acht Jahre lang.

Aufträge um den Faktor 2 höher als der Jahresumsatz

Die Marktkapitalisierung des Unternehmens beläuft sich inzwischen auf über 48 Milliarden Euro. Das bedeutet, dass der Umsatz, der in den Auftragsbüchern lauert, selbst noch einmal ungefähr um den Faktor zwei höher ist.

All das sind deutliche Signale dafür, dass es für Rheinmetall zumindest wirtschaftlich wenig Zweifel daran gibt, dass sich das Unternehmen über Jahre halten wird.

Allerdings bleiben Belastungsfaktoren. Die Zinsen sind hoch. Das ist wie oben beschrieben der eine Bremspunkt, der hier tatsächlich noch Beachtung findet. Zum Zweiten war aber lange darüber diskutiert worden, dass Rheinmetall für das zweite Quartal einen negativen Free Cashflow gemeldet hatte, was wiederum bedeutet, dass hier ein relativer Geldmangel besteht. Insofern war die Stimmung schlecht, allerdings auch in der gesamten Rüstungsindustrie.

Negative Free Cash-Flow-Bilanz als Belastung

Analysten waren indes schon immer der Meinung, dass das Unternehmen, genau wie die gesamte Rüstungsbranche, sich wieder drehen werde. Die Frage war immer nur, wann.

Ob es jetzt so weit ist, weiß niemand, da es durchaus auch in den vergangenen Monaten Schwankungen gegeben hat. Die Aktie ist nicht zum ersten Mal unter die Marke von 1.000 Euro gefallen. Schon Ende Juni und auch im Juli war sie unterhalb dieser runden Marke und hat sich dann jeweils erholt.

Insofern muss noch etwas Zeit vergehen, bis überhaupt entschieden werden kann, ob Rheinmetall jetzt endlich den Krisenmodus unterhalb von 1.000 Euro verlassen kann. Wenn dies gelingt, sind allerdings die oben genannten Trendmarken nicht mehr so weit entfernt, dass Zweifel daran bestehen müssten, dass die Aktie auch formal diese Trendentwicklung drehen könnte.

Zu der Nachrichtenlage war im Grunde genommen schon relativ viel gesagt. Rheinmetall selbst hat eine recht gute Auftragslage, wie beschrieben, mit einem Rekordauftragsbestand. Das Unternehmen hatte auch im ersten Halbjahr ein starkes Umsatzwachstum von ungefähr 39 % erzielt. Der Gewinn war um gute 74 % geklettert. Das zeigt, dass das Unternehmen insgesamt trotz des Verlustes eines Auftrags im Juni immer noch auf gutem Wege ist.

Der zweite Punkt, der tatsächlich Erwähnung finden muss, ist der bereits beschriebene negative Free Cashflow im zweiten Quartal. Rheinmetall hatte sich selbst sozusagen eine Carte blanche erteilt, insofern das Unternehmen Kapazitätsaufbau beziehungsweise Capex-Investitionen, vor allem auch in Vorräte, hatte betreiben müssen, um die Lieferfähigkeit zu sichern.

Neue Aufträge halfen bis dato an den Börsen nicht. Aber…

Wäre dieses Thema abgehakt, bliebe der Umstand, dass das Unternehmen in der vergangenen Zeit interessante Aufträge akquiriert hat.

So hatte Rheinmetall im September des laufenden Jahres aus einem NATO-Staat einen Auftrag über Artilleriemunition erhalten. Eine fünfstellige Anzahl von 155-Millimeter-Artilleriegeschossen soll geliefert werden. Das Auftragsvolumen liegt im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich. Das ist noch nicht viel, allerdings ein Signal dafür, dass auch hier Geld verdient wird.

Zudem hat das Unternehmen beziehungsweise seine Tochter in den USA einen Auftrag von der US-Army erhalten. Er beläuft sich auf 220,7 Millionen Dollar für die Lieferung von MK93-Maschinengewehrlafetten. Wichtig ist daran auch das Signal, dass Rheinmetall auf dem amerikanischen Markt durchaus vertreten ist.

Das wird im kommenden Jahr helfen. Die Amerikaner wollen ihr Rüstungsbudget deutlich nach oben treiben, von etwas weniger als 1,5 Billionen Dollar auf 1,5 Billionen Dollar. Jedenfalls hat Donald Trump das angekündigt. Rheinmetall möchte auch da Geld verdienen.

Ein weiterer Auftrag kam aus Rumänien. Dort wird ein durch das europäische SAFE-Programm finanziertes Projekt bearbeitet, bei dem es um den Bau von vier Marineschiffen geht. Hier wird ein Wert von 29 Millionen Euro angegeben.

Diese und weitere Aufträge, zum Beispiel von der Bundeswehr, haben die Stimmung insgesamt nicht direkt drehen können. Allerdings wissen die Analysten, die sich mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten befassen, dass diese Aufträge existieren.

Das bedeutet in mehrerlei Hinsicht Günstiges. Rheinmetall wird damit die Umsatzerwartungen im laufenden Jahr am Ende doch noch erfüllen oder zumindest nicht deutlich verfehlen. Zum Zweiten wird damit auch der Gewinn deutlich steigen. Die Marge soll im zweiten Halbjahr und bis zum Ende des Jahres deutlich klettern. Zuletzt waren 17,1 % im zweiten Quartal gemeldet worden.

Zum Dritten werden damit auch die Wachstumsziele für die Zukunft unterstrichen. Kooperationen und Projekte, die Rheinmetall abschließt, zahlen auf die Zukunft ein.

Umsatz soll sich langfristig vervielfachen

Bis zum Jahr 2030 soll der Umsatz, der wie beschrieben im laufenden Jahr bei circa 14 Milliarden Euro zu erwarten ist, auf 50 Milliarden Euro steigen. Das wäre ein eminenter Zugewinn. Sollte die Marge knapp 20 % erreichen, entspräche das bei 50 Milliarden Euro Umsatz rechnerisch annähernd 10 Milliarden Euro Gewinn vor den noch abzuziehenden Positionen. Welche Gewinnkennzahl dafür maßgeblich ist, muss anhand der Unternehmensangaben geklärt werden.

Das sind überragende Zahlen, die bis zum Jahr 2030 zu erwarten sind. Allein vor diesem Hintergrund ist das, was Analysten sagen, derzeit sehr interessant.

Berenberg hatte erst vor wenigen Tagen das Kursziel von 1.600 auf 1.020 Euro nach unten geschraubt. Der Durchschnitt der Analysten sieht allerdings immer noch Kurse von circa 1.570 Euro als Konsens.

Davon ist die Aktie auch nach dem jetzigen Ansturm nach oben weit entfernt. Insofern ergeben sich hier noch deutliche Potenziale, wenn die Erholung in den kommenden Tagen weitergeht. Es sieht jetzt deutlich besser aus als in den vergangenen Wochen.

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