Verzögerungen bei zentralen Bundeswehr-Projekten und Berichte über Qualitätsmängel bei Schutzausrüstung setzen den Rüstungssektor seit Anfang September unter Beschuss. Rheinmetall traf es am Freitag besonders hart: Die Aktie schloss bei 1.036,00 Euro, ein Minus von 3,2 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 9,9 Prozent zu Buche.
Bundeswehr und Beschaffungsamt bemängeln laut Medienberichten Verzögerungen beim Flugabwehrsystem Skyranger 30 sowie beim Radpanzerprogramm Schwerer Waffenträger Infanterie. Hinzu kommen Berichte über Qualitätsmängel bei Schutzplatten aus dem Rheinmetall-Konzernkreis: Berlin hatte demnach über 5.200 Schutzplatten aus Polizeischutzwesten aus dem Einsatz genommen.
Diese Häufung negativer Meldungen belastet das Vertrauen in die operative Umsetzungsfähigkeit des Konzerns gerade in einer Phase, in der Anleger nach den jüngsten Zahlen ohnehin schon vorsichtig geworden sind.
Rekordumsatz, aber gesenkte Prognose
Der eigentliche Stimmungsknick begann bereits Anfang August. Am 6. August legte Rheinmetall Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor: Der Umsatz stieg um 69 Prozent auf 3,289 Milliarden Euro, das operative Ergebnis kletterte um 115 Prozent auf 562 Millionen Euro, die operative Marge lag bei 17,1 Prozent.
Der Auftragsbestand wuchs um 44 Prozent auf rund 80 Milliarden Euro. Trotz dieser Rekordwerte reagierte der Markt negativ, weil das Unternehmen die Jahresprognose 2026 von zuvor 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro senkte.
Grund war der Stopp des F126-Fregattenprojekts durch Verteidigungsminister Boris Pistorius Ende Juni, bei dem der Generalunternehmer Naval Vessels Lürssen als Rheinmetall-Tochter involviert war. Der operative Free Cashflow blieb zudem deutlich negativ.
Die Kombination aus gesenkter Guidance und schwachem Cashflow wiegt für Anleger schwerer als das reine Umsatzwachstum. Ein Konzern, der auf massive Rüstungsnachfrage baut, muss zugleich zeigen, dass er Projekte termingerecht und in der geforderten Qualität abliefert – genau daran zweifeln Kritiker derzeit.
Auftragslage bleibt robust, Kurs findet keinen Boden
Operativ gibt es durchaus positive Signale: Ende Juli bestellte die Bundeswehr 149 zusätzliche mobile Rettungsstationen im Volumen von über 500 Millionen Euro brutto, womit das Gesamtprogramm auf 165 Systeme und mehr als 600 Millionen Euro anwächst.
Im Juli sicherte sich Rheinmetall zudem im Konsortium Omnia Training einen Anteil von knapp einer Milliarde Euro an einem 15-jährigen Vertrag zur Digitalisierung der britischen Armee-Gefechtsausbildung. Anfang September kam ein Auftrag der US Navy über Ersatzteile für mobile Triebwerksstartgeräte im einstelligen Millionen-Euro-Bereich hinzu.
Der Kurs spiegelt diese Auftragsdynamik derzeit nicht wider. Die Aktie notiert rund 5,5 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt, ein Zeichen dafür, dass der jüngste Abwärtstrend noch nicht gebrochen ist.
Zusätzlichen Druck erzeugt eine ausgebaute Leerverkaufsposition: Der Fonds Capital Fund Management SA stockte seine Shortposition Anfang September auf 0,90 Prozent des Aktienkapitals auf – ein Indiz dafür, dass professionelle Investoren kurzfristig mit weiterem Kursrückgang rechnen.
Im Blick der Anleger bleibt der 9. Dezember, wenn das Arminius-Projekt zur Beschaffung von Boxer-Radfahrzeugen mit einem Fixvertragsvolumen von 12,4 Milliarden Euro parlamentarisch behandelt werden soll. Bis dahin dürfte die Aktie zwischen operativen Erfolgsmeldungen und der Sorge um Umsetzungsprobleme bei Großprojekten schwanken.
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