Liebe Leserin, lieber Leser,
am Dienstag sah es wieder etwas besser aus für die Aktie von Rheinmetall. Nach einer Kaufempfehlung durch die US-Investmentbank Goldman Sachs mit einem Kursziel von nicht weniger als 2.300 Euro, waren die Papiere des Rüstungskonzerns von zuvor 1.020 Euro wieder auf bis zu 1.060 Euro gestiegen. Die Gefahr, dass die Rheinmetall-Aktie erneut die psychologisch wichtige Marke von 1.000 Euro nach unten durchbrechen könnte, wirkte wieder etwas geringer. Doch was soll man sagen? Am Donnerstagsmorgen ist es passiert: Am Handelsplatz Frankfurt standen zeitweilig nur noch 990 Euro auf dem Kurszettel, bevor sich die Aktie wieder fing.
Analysten empfahlen Rheinmetall bis zuletzt
Die Analysten wurden damit Lügen gestraft – nicht nur Goldman Sachs. Ob Deutsche Bank, RBC oder Warburg Research, sie alle hatten im Laufe des zurückliegenden Monats die Aktie des Düsseldorfer Unternehmens zum Kauf empfohlen. So hatte etwa Christoph Laskawi von Deutsche Bank Research die Einstufung für Rheinmetall am 1. September mit einem Kursziel von 1800 Euro auf „Buy“ belassen. Die durchgesickerten deutschen Rüstungspläne für 2027 stützten die Anlagestory, schrieb er in seinem Kommentar.
- Nur kurz hatte die Aktie daraufhin angezogen, den Tag sogar im Minus beendet
- Seit der Empfehlung ging es von damals 1.117 Euro wieder zweistellig zurück
Selbst JP Morgan war zu optimistisch
Etwas zurückhaltender hatte sich Mitte August die US-Bank JP Morgan gezeigt: Die Ergebnisse des zweiten Quartals seien zwar stark gewesen, schrieb David Perry laut finanzen.net. Auf mittlere Sicht gebe es jedoch zunehmend Unsicherheiten, mahnte er. So deuteten die geänderten Prognosen der Düsseldorfer für den Auftragsbestand zum Ende des Jahres 2026 sowie die Investitionsausgaben bis 2028 auf geringere Umsätze zwischen 2027 und 2030 hin als bisher erwartet – trotz des unveränderten Konzernziels für 2030. Perry wies darauf hin, dass seine unveränderten Ergebnisschätzungen bis 2030 um bis zu 17 Prozent unter dem Konsens lägen.
In der Folge hatte der US-Analyst die Einstufung für Rheinmetall mit einem Kursziel von 1350 Euro auf „Neutral“ belassen – sah zum damaligen Zeitpunkt, die Aktie notierte bei rund 1.200 Euro, allerdings noch immer Kurspotenzial. Angesichts der aktuellen Entwicklung, rudert man bei der US-Bank nun zurück.
Rheinmetall jetzt auf „Negative Catalyst Watch“
JP Morgan drückte der Rheinmetall-Aktie nun sogar den Stempel „Negative Catalyst Watch“ auf, meldet marketscreener.com am Donnerstagmorgen. Die Analysten gehen laut dpa-Informationen „skeptisch in den Kapitalmarkttag im November“. Sie befürchteten demnach einen neuen Mix bei den Umsatzzielen, mit weniger Erlösen aus für den Konzern profitableren „alten Produkten“ wie Munition und bemannten Fahrzeugen.
Die „neuen Produkte“ aus den Bereichen Drohnen, autonome Waffensysteme und Weltraum stammten dem Bericht zufolge eher aus Gemeinschaftsunternehmen. „Konkret geht JP Morgan daher von geringeren Ergebnissen in der konzerneigenen Bilanz aus“, heißt es.
18 von 21 rieten zum Kauf der Rheinmetall-Aktie
Diese Warnung kommt für Anleger freilich reichlich spät. Andere bleiben ohnehin unbeirrt bei ihren hohen Prognosen. So liegt das durchschnittliche Kursziel für die Rheinmetall-Aktie laut marketscreener.com aktuell bei 1.669 Euro, was ein Kurspotenzial von fast 70 Prozent verspricht. Enstprechend lauten die Empfehlungen der 21 gelisteten Beobachter:
- 18 empfehlen Rheinmetall zum Kauf
- drei würden die Papiere derzeit halten
- kein einziger hat die Aktie auf „Verkaufen“
Dies zeigt das Analysten-Dilemma: Während sie mit ihren Kurszielen bis zum Oktober 2025, als die Aktie bei 2.008 Euro ihr Rekordhoch ausgebildet hatte, bei Rheinmetall kaum hinterherkamen, geschieht nun dasselbe in umgekehrter Richtung. Kein einziger hatte den Absturz des Rüstungstitels vorhergesehen. Noch im Januar lag das durchschnittliche Kursziel für Rheinmetall bei rund 2.200 Euro. Goldman Sachs bleibt diesbezüglich offenbar unbelehrbar.
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