Liebe Leserin, lieber Leser,
nur ganz kurz profitierte die Aktie von Rheinmetall von der Eskalation des Konflikts im Nahen Osten. Von einem Kurs von 1.664 Euro noch zum Handelsschluss in Frankfurt am Freitag, ging es mit den Papieren des Düsseldorfer Rüstungskonzerns am Montag auf bis zu 1.781 Euro, ein Aufschlag von gut sieben Prozent. Doch das war‘s. Bereits zum Abend rutschte die Rheinmetall-Aktie auf 1.647 und damit ins Minus. Der Kursverfall setzte sich am Dienstag fort, der Mittwoch startete zunächst ebenfalls mit einem Abschlag auf zwischenzeitlich 1.564 Euro, bevor sich wdie Aktie ieder fing. Wie ist das zu erklären?
„Kein Überraschungsmoment“ für Rheinmetall
Der Angriff der USA und Israels auf den Iran hätten „theoretisch ein Kurstreiber für Rüstungsaktien wie Rheinmetall sein können“, hieß es bei der Stuttgarter Zeitung. Doch die Marktreaktion sei verhalten geblieben. „Ein Grund dafür ist, dass die Ereignisse zwar kurzfristig überraschend waren, jedoch in ihrer Gesamtheit erwartet wurden“, so die Einschätzung. Anders als beim Angriff Russlands auf die Ukraine 2022, der der Rheinmetall-Aktie damals zu einem massiven Kurssprung verholfen habe, fehlte diesmal das Überraschungsmoment.
- Zudem sei die direkte Verbindung zwischen den aktuellen Spannungen und dem Wachstumspotenzial von Rheinmetall begrenzt
- Rheinmetalls Kernkompetenzen, wie schwere Landfahrzeuge, seien in diesem Konflikt „weniger gefragt“, heißt es
Übernahme von NVL ist nun perfekt
Doch Rheinmetall ist längst dabei, sein Portfolio auszuweiten. Dass das Unternehmen just am Montag einen entscheidenden Schritt meldete, verkam angesichts der Weltenlage zur Randnotiz. Denn zum Wochenstart, inmitten der Turbulenzen an den Börsen, gaben die Düsseldorfer den Abschluss der Übernahme von NVL, dem militärischen Bereich der Unternehmensgruppe Lürssen, bekannt. Nach der Ankündigung im September 2025 und der Unterzeichnung des Kaufvertrags im Oktober habe Rheinmetall nun alle kartellrechtlichen Freigaben zum Erwerb der Naval Vessels Lürssen (NVL B.V. & Co. KG, Bremen-Vegesack) und all ihrer Töchter erhalten, hieß es.
Der Übergang erfolgte bereit zum 1. März. Zur Höhe des Kaufpreises hatten beide Parteien Stillschweigen vereinbart. Mit dieser bedeutenden strategischen Akquisition schaffe Rheinmetall „ein deutsches Systemhaus für die Entwicklung und Fertigung hochmoderner Marineschiffe und Küstenwachboote sowie von autonomen maritimen Überwassersystemen“, so die Mitteilung. Rheinmetall baue sein Portfolio in der Domäne See damit weiter aus.
Rheinmetall wird zum Komplettanbieter
Die aktuelle Konfliktlage zeigt laut Rheinmetall, dass es auch im maritimen Bereich immer mehr auf militärische Durchsetzungsfähigkeit ankomme. Dem massiv steigenden Bedarf der Seestreitkräfte und den steigenden Budgets für die Beschaffung wolle man mit leistungsfähigen Systemlösungen entsprechen, die über eine hochmoderne digitale Infrastruktur verfügen und das komplette Spektrum abdecken – von der Plattform über die Elektronik bis hin zu den Sensoren und Effektoren.
„Mit der Verbindung der Rheinmetall- und NVL-Kompetenzen schaffen wir einen leistungsfähigen Komplettanbieter für hochmoderne Überwasserschiffe“, hatte Rheinmetall-Vorstandschef Armin Papperger bereits zur Bekanntgabe der Pläne erläutert. „So erzeugen wir gemeinsames Wachstum und ermöglichen eine starke Positionierung unseres Konzerns in der Domäne See“, gab er sich überzeugt. Gleichzeitig leiste Rheinmetall „einen substanziellen Beitrag zur Stärkung der maritimen Verteidigungsfähigkeiten Deutschlands und der NATO-Partnerstaaten“.
Mittleres Rheinmetall-Kursziel bei 2.244 Euro
Die Analysten sind daher mehrheitlich überzeugt, dass das Unternehmen an der Börse derzeit unter Wert gehandelt wird. Laut aktien.guide liegt das durchschnittliche Kursziel für die Rheinmetall-Aktie aktuell bei 2.244 Euro – und verfügt damit über ein Kurspotenzial von mehr als 40 Prozent. Von 25 Analysten, die eine Prognose abgegeben haben
- empfehlen 21 Rheinmetall zum Kauf
- vier raten zum Halten der Papiere
- keiner gibt eine Verkaufsempfehlung
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