Rheinmetall-Aktie: Ein Millionen-Coup!

Rheinmetall verbessert die Marge im zweiten Quartal auf 17,1 Prozent, doch negativer Free Cashflow und Kapazitätsfragen belasten weiter.

Auf einen Blick:
  • Aktie legt um drei Prozent zu
  • Auftragsbestand erreicht gut 80 Milliarden Euro
  • Ziel von 100 Milliarden Euro avisiert
  • Panzerwerk in Hessen kostet über 285 Millionen

Liebe Leserinnen und Leser

Rheinmetall ist aktuell wieder aufwärts etwas starker geworden, was an den Märkten durchaus mit Freude registriert worden ist. Die Frage wird am Ende sein, ob der kurze Ausflug um am Ende vielleicht 50 Punkte in den vergangenen Tagen bereits eine Kehrtwende darstellt. Die Analysten warten darauf, dass  die Notierungen von Rheinmetall und auch bei anderen Rüstungsunternehmen nun wieder klettern können.

Rheinmetall: Die Hoffnung ist und bleibt recht groß

Rheinmetall ist unter den großen deutschen Aktien sicherlich einer der Werte, die am meisten Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Ein deutlicher Gewinn wie gestern wird daher breit  kommentiert.

Die Notierungen sind um weitere 3 % nach oben gelaufen. Jetzt steht die Aktie davor, die Marke von 1.170 Euro wieder zu erobern. Damit kann es auch relativ schnell wieder auf 1.200 Euro nach oben gehen. Insofern haben sich die Verhältnisse für Rheinmetall deutlich verbessert, ohne dass es hier einen entscheidenden Durchbruch gegeben hätte.

Charttechniker sind vom gegenwärtigen Ausbruch noch nicht überzeugt

Der Durchbruch würde verlangen, dass die Aktie zumindest 1.250 Euro erreicht, um charttechnisch hier mehr Optionen zu bieten. Technische Analysten sind ohnehin sehr im Zweifel, ob die Aktie schnell den Aufwärtstrend erreichen kann. Der GD 100 und der GD 200 liegen einige hundert Euro entfernt. Die Aktie müsste mindestens 1.400 bis 1.450 Euro erreichen, um hier wieder zu punkten.

Rheinmetall Aktie Chart

Die technischen Indikatoren haben insofern eine Bedeutung, als zahlreiche Algorithmen sich bei ihren Entscheidungen für oder gegen den Kauf einer solchen Aktie an diesen Signalen orientieren.

Faktisch ist die Aktie also noch immer im Abwärtstrend, was durchaus für Diskussionsstoff sorgt.

Rheinmetall: Geldmangel und Kapazitätsausbau sind (angeblich) die Gründe

Rheinmetall leidet immer noch unter den Reaktionen auf die präsentierten Quartalszahlen. Die waren extrem stark, allerdings gab es durchaus einige Schwächen, die offenbar eine große Rolle spielen.

Rheinmetall hatte bei der Präsentation der Quartalszahlen mit einem Auftragsbestand in Höhe von gut 80 Milliarden Euro einen neuen Rekord aufgestellt. Zudem avisiert das Unternehmen einen Auftragsbestand von bis zu 100 Milliarden Euro bis zum Ende des gesamten Jahres. Die große Frage der Märkte lautet bei der Rheinmetall  wie auch für Werte der Konkurrenz, also Renk oder Hensoldt, ob die Kapazitäten aufgebaut werden können, die nötig sind.

Diese Fragen konnte die Rheinmetall aus der Sicht der Märkte auch zuletzt noch nicht beantworten.

Die Finanzkennzahlen lassen weiterhin jede Interpretation zu

Rheinmetall hat die kritischen Kennzahlen nicht vom Tisch nehmen können. Die Notierungen leiden seit der Präsentation vor nunmehr fast drei Wochen darunter, dass zum Beispiel der Free Cashflow negativ ist. Das heißt, das Unternehmen produziert keinen Zahlungsmittelzufluss, der am Ende am Markt zur Verfügung bleibt. Das wird insofern als Schwäche identifiziert, als das Unternehmen massiv investieren muss und beim Aufbau von Produktionskapazitäten Milliardenbeträge entstehen.

Das zahlt darauf ein, dass der Markt nun auch mit Zinssteigerungen durch die EZB rechnet. Dies würde die Refinanzierung für die Rheinmetall wie auch für andere Rüstungsunternehmen unter diesen Gesichtspunkten erschweren und verteuern.

Demgegenüber hat die Rheinmetall bereits erkennen lassen, dass der negative Free Cash Flow u.a. auch für den Vorratsaufbau verwendet wurde, um die bestehenden Aufträge zuverlässig abarbeiten zu können. Sprich: Das Kapital ist nicht verschwunden, es ist gebunden.

Margen werden bessern

Zudem hat die Rheinmetall sich zu ihren Margen zuversichtlich geäußert. Noch im 1. Quartal war die Ergebnismarge mit 15 % deutlich von dem entfernt, was der Markt für das laufende Jahr erwartet. Rheinmetall selbst hatte sich zum Ziel gesetzt, eine Marge von 19 % zu produzieren. Im 2. Quartal nun ist die Marge auf 17,1 % geklettert und damit sehr deutlich besser geworden. Am Ziel von 19 % hält die Rheinmetall weiter fest.

Wenn die Margen klettern und  gleichzeitig die Auftragsvolumina größer werden (s. o. die genannten 100 Mrd. Euro) zahlt dies auf den Cash-Bestand des Unternehmens ein, darf daher erwartet werden. Mit anderen Worten: Die Kritik an den aktuellen Free-Cash-Flow-Zahlen ist am Ende ggf. nicht mehr so massiv.

Dass die Rheinmetall auf dem richtigen Weg ist, zeigt sich deutlich. So zeigen die jüngsten Nachrichten, dass weitere Aufträge gewonnen werden und wurden: So baut Rheinmetall nun in Hessen Europas größtes Panzerwerk mit Gesamtinvestitionen (das Land Hessen wirkt mit) von über 285 Millionen Euro.

Wenig verwunderlich sind Analysten daher unter dem Strich unverändert der Meinung, dass die Aktie deutlich mehr wert sei. Mehr als 1.650 Euro werden hier als Kursziel für die Aktie genannt. Rheinmetall ist im Moment noch immer davon entfernt, diesen entscheidenden Schritt nach vorn zu schaffen.

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