Die Düsseldorfer Rheinmetall-Aktie wird mit einer angeschlagenen Verfassung in die neue Börsenwoche gehen. Auch am Freitag änderte sich an der grundsätzlichen Tendenz wenig. Im späten deutschen Handel rutschte der Kurs auf 1.035,30 Euro ab. Das entsprach einem Minus von 3,44 %. Innerhalb der vergangenen fünf Handelstage verlor das Papier mehr als 7 %.
Damit ist die Marke von 1.000 Euro wieder deutlich näher gerückt. Charttechniker sehen diese Schwelle als wichtig an. Sollte die Aktie unter 1.000 Euro fallen, könnten daraus neue Verkaufssignale entstehen.
Geschäfte der Rheinmetall laufen indes wesentlich besser
Rheinmetall Aktie Chart
Der Kontrast zur Geschäftsentwicklung der Düsseldorfer ist allerdings erheblich. Rheinmetall steigerte den Umsatz im zweiten Quartal 2026 von 1,949 auf 3,289 Milliarden Euro. Das war ein Zuwachs von mehr als 69 %. Auch das operative Ergebnis legte deutlich zu. Es stieg von 262 auf 562 Millionen Euro und damit um 115 %. Der Auftragsbestand kletterte auf mehr als 80 Milliarden Euro.
Einen Rückschlag brachte allerdings das F126-Fregattenprojekt. Nach dessen Stopp senkte Rheinmetall die Umsatzprognose für 2026 auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro. Zuvor hatte der Korridor bei 14,0 bis 14,5 Milliarden Euro gelegen. Zudem musste Rheinmetall für das zweite Quartal einen negativen operativen Free Cashflow ausweisen. Der Konzern begründete dies unter anderem mit dem Aufbau von Vorräten, um die Lieferverpflichtungen erfüllen zu können.
Neue Projekte für die Rheinmetall
Auf der anderen Seite stehen weiterhin neue Projekte. Dazu zählt das amerikanische XM30-Programm. Rheinmetall hat den ersten Lynx-Prototypen an die US Army ausgeliefert. Insgesamt sind acht Fahrzeuge für die laufende Entwicklungsphase vorgesehen. Der Vertrag für Entwicklung und Prototypenbau umfasst derzeit rund 764 Millionen Dollar.
Der XM30 soll den M2 Bradley ersetzen. Sollte es später zu einem Serienauftrag kommen, könnten rund 4.000 Fahrzeuge beschafft werden. Das mögliche Volumen liegt bei mehr als 45 Milliarden Dollar. Rheinmetall hat den Auftrag allerdings noch nicht gewonnen. Der Konzern konkurriert mit General Dynamics Land Systems. Die Entscheidung über die Serienvergabe wird um das Ende des US-Fiskaljahres 2027 erwartet.
Der Lynx setzt unter anderem auf einen hybrid-elektrischen Antrieb und eine offene, modulare Architektur. Rheinmetall arbeitet bei dem Projekt mit Raytheon, L3Harris, Textron Systems, Allison Transmission und Anduril Industries zusammen. Zugleich baut der Konzern seine industrielle Basis in den USA aus.
Kleinerer US-Auftrag kommt hier hinzu
Hinzu kommt ein zweiter, deutlich kleinerer US-Auftrag. Rheinmetall Canada liefert der US Navy Ersatzkomponenten für mobile Startaggregate des Typs MSU-200NAV. Der Vertrag bewegt sich im einstelligen Millionen-Euro-Bereich. Die Lieferungen sollen von Ende 2026 bis Ende 2028 erfolgen. Zum Auftrag gehören Starter sowie Komponenten der digitalen FADEC-Triebwerkssteuerung.
Auch aus Deutschland könnte ein weiterer Großauftrag kommen. Es geht um das Boxer-Programm Arminius. Dort steht eine parlamentarische Befassung bevor. Das Projekt umfasst bis zu 3.000 Fahrzeuge und ein mögliches Volumen von bis zu 40 Milliarden Euro. Eine Entscheidung könnte bereits im Dezember fallen und damit deutlich früher als beim amerikanischen XM30-Programm.
Neues Werk in Kassel
Rheinmetall erweitert dafür und für andere Aufträge seine Kapazitäten. In Kassel sollen rund 242 Millionen Euro in Panzerproduktion, Logistik und ein Drohnen-Testzentrum investiert werden. Die Zahl der Beschäftigten am Standort soll auf 3.500 steigen.
Auch an anderer Stelle kamen neue Aufträge hinzu. Aus Litauen erhielt Rheinmetall einen Auftrag über 250 Millionen Euro für ein Militärlager, das für bis zu 2.000 Soldaten ausgelegt ist. Die Bundeswehr bestellte außerdem 149 weitere mobile Rettungsstationen für mehr als 500 Millionen Euro brutto. Zusammen umfasst das Programm 165 Systeme mit einem Gesamtvolumen von mehr als 600 Millionen Euro.
Auftrag aus Großbritannien mit knapp einer Milliarde Euro
In Großbritannien ist Rheinmetall an einem Programm zur Digitalisierung der Gefechtsausbildung beteiligt. Der auf Rheinmetall entfallende Anteil soll bei annähernd einer Milliarde Euro liegen. Der Vertrag hat eine Laufzeit von 15 Jahren.
Allerdings gibt es derzeit nicht ausschließlich gute Nachrichten. Beim Flugabwehrsystem Skyranger 30 kam es zu Verzögerungen. Hinzu kamen Qualitätsprobleme bei Schutzplatten für die Berliner Polizei. Mehr als 5.200 Platten wurden aus dem Einsatz genommen.
Bei einem Auftragsbestand von mehr als 80 Milliarden Euro muss Rheinmetall damit zahlreiche Projekte gleichzeitig abarbeiten. Neue Kapazitäten werden bereits aufgebaut. Gleichzeitig müssen die vereinbarten Liefertermine eingehalten und Qualitätsprobleme vermieden werden.
Analysten bleiben für die Rheinmetall noch immer zuversichtlich!
Auf der anderen Seite bleiben die Analysten trotz des Kursrückgangs deutlich zuversichtlicher. Das durchschnittliche Kursziel liegt derzeit bei rund 1.700 Euro. Die Spanne der einzelnen Schätzungen ist allerdings groß. JPMorgan und Jefferies liegen mit jeweils 1.350 Euro am unteren Ende. Warburg nennt 1.500 Euro, UBS und RBC jeweils 1.600 Euro. Die Deutsche Bank kommt auf 1.800 Euro, Bernstein auf 1.900 Euro und Barclays auf 2.000 Euro. Goldman Sachs setzt mit 2.300 Euro das höchste Kursziel.
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