Rheinmetall Aktie: MGCS scheitert offenbar

China setzt Rheinmetall auf Sanktionsliste, während der Konzern 350 Millionen Euro investiert und das deutsch-französische Panzerprojekt MGCS scheitert.

Auf einen Blick:
  • Peking setzt Rheinmetall auf Sanktionsliste
  • 350 Millionen Euro Investition in Aschau
  • Deutsch-französisches Panzerprojekt MGCS gescheitert
  • Aktie zeigt sich von Nachrichten unbeeindruckt

Rheinmetall steht am Wochenende gleich in mehrfacher Hinsicht im Fokus geopolitischer Entwicklungen. China hat am Wochenende seine Exportkontrollliste für Dual-Use-Güter erweitert und den Düsseldorfer Rüstungskonzern auf die Sanktionsliste gesetzt. Parallel meldet das Unternehmen eine Investition von 350 Millionen Euro am Standort Aschau, während ein zentrales europäisches Rüstungsprojekt mit Rheinmetall-Beteiligung offenbar gescheitert ist.

Peking reagiert auf EU-Sanktionen

Chinas Handelsministerium hat die Exportkontrollliste für Dual-Use-Güter erweitert und Rheinmetall gemeinsam mit dem Sensorspezialisten Hensoldt sowie dem Lkw-Hersteller Tatra auf die Liste gesetzt. Die Maßnahme ist eine direkte Antwort auf das jüngste EU-Sanktionspaket gegen Moskau und trifft nach Angaben aus dem Umfeld der Meldung insgesamt 14 europäische Firmen. Das Exportverbot gilt sofort und soll auch über Drittländer nicht umgangen werden können – betroffen sind unter anderem Seltene Erden, Sensorik und Chemikalien. Bereits im April war Hensoldt auf eine vergleichbare Liste gesetzt worden.

Brisant ist der Zeitpunkt: Die EU hatte der Ukraine zuvor eine Sondergenehmigung erteilt, Drohnenkomponenten im Umfang von 3,9 Milliarden Euro in China zu kaufen, wie die Financial Times bereits Mitte Juli berichtete. Chinesische Bauteile stecken nach Einschätzung von Beobachtern in nahezu jeder Drohne, auch in europäischen Modellen. Russland soll seit längerem darauf gedrängt haben, diese Lieferketten zu unterbinden. Für die ukrainische Drohnenproduktion, die stark auf chinesische Zulieferungen angewiesen ist, dürfte die Maßnahme spürbare Folgen haben – auch wenn unklar bleibt, in welchem Umfang Rheinmetall selbst auf chinesische Dual-Use-Komponenten zurückgreift.

Investition in Aschau und gescheitertes Panzerprojekt

Neben der Sanktionsmeldung investiert Rheinmetall nach eigenen Angaben 350 Millionen Euro in den Standort Aschau. Details zur konkreten Mittelverwendung liegen bislang nicht vor, die Investition reiht sich aber in eine Serie von Kapazitätsausbauten des Konzerns der vergangenen Monate ein.

Gleichzeitig zeichnet sich ein Rückschlag für die europäische Rüstungskooperation ab: Das deutsch-französische Panzerprojekt MGCS gilt als gescheitert, wie die NZZ berichtete. Ein gemeinsamer Nachfolger für Leopard 2 und Leclerc kommt demnach nicht zustande – Hauptstreitpunkt war die Kaliberfrage, bei der Rheinmetall auf 130 Millimeter setzt, während der französische Partner KNDS 140 Millimeter favorisiert. Deutschland arbeitet nun offenbar eigenständig am Leopard 3, Frankreich an einem eigenen Übergangspanzer. Die EU fördert stattdessen zwei parallele Projekte, das deutsche MARTE und das französische FMBTech, mit jeweils 20 Millionen Euro. Für Rheinmetall als zentralen deutschen Player in der Landsystem-Sparte bedeutet das Aus für MGCS zunächst mehr Klarheit über den nationalen Weg, aber auch den Verlust eines gemeinsamen europäischen Großprojekts.

Politisch bleibt das Thema Ukraine-Rüstung derweil hochaktuell: CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann forderte vor der Klausurtagung der CSU-Landesgruppe in Kloster Banz ein bilaterales Rüstungsabkommen mit der Ukraine. Im Gegenzug für deutsche Milliardenhilfen solle Kiew sein Know-how bei Drohnen, Drohnenabwehr und Marschflugkörpern mit der Bundeswehr teilen – ein Politikfeld, in dem Rheinmetall als Rüstungslieferant der Bundeswehr mittelbar betroffen wäre.

Kurs bleibt trotz Nachrichtenflut stabil

An der Börse zeigt sich die Aktie von der Sanktionsmeldung bislang unbeeindruckt. Am Freitag schloss das Papier bei 1.032,60 Euro und legte damit um 1,29 Prozent zu. Vom 52-Wochen-Hoch aus dem vergangenen Oktober trennen die Aktie damit weiterhin rund 48,5 Prozent – ein Abstand, der die tiefgreifende Kurskorrektur der vergangenen Monate widerspiegelt. Die jüngste Stabilisierung deutet darauf hin, dass Anleger die China-Restriktionen bislang eher als politisches Signal denn als unmittelbare Ertragsgefahr einordnen. Ob sich das ändert, dürfte auch davon abhängen, wie stark Rheinmetalls Lieferketten tatsächlich von chinesischen Dual-Use-Komponenten abhängen – dazu hat der Konzern sich bislang nicht öffentlich geäußert.

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