Rheinmetall verlagert seinen Fokus zunehmend aufs Wasser. Bei der multinationalen NATO-Übung REPMUS26 vor der portugiesischen Küste testet der Konzern bis zum 25. September vernetzte unbemannte Systeme zum Schutz von Häfen und Küstengewässern. Für einen Rüstungskonzern, der lange für Panzer und Munition stand, ist das ein bemerkenswerter Schwerpunkt.
Battlesuite als Systemkern
Technologisches Rückgrat der Übung ist die Rheinmetall Battlesuite, eine offene Softwarearchitektur, die Sensoren und Missionsmodule verschiedener Hersteller zu einem gemeinsamen Lagebild verknüpft. Im Zentrum steht dabei ein containerisiertes, mobiles Führungszentrum, das die Deutsche Marine während der Übung nutzt. Die Technik führt Unterwasser- und Überwasserdaten zusammen und soll frühzeitig Bedrohungen erkennen.
Die Dimension von REPMUS26 zeigt, wie stark der Markt für maritime Autonomie wächst: Über 1.500 Teilnehmer aus 36 Marinen, mehr als 300 unbemannte Systeme und 14 Schiffe sind im Testgebiet vor Portugal im Einsatz.
Für Rheinmetall fügt sich das in eine Serie von Schritten ein — im März schloss der Konzern die Übernahme des Militärschiffbauers NVL ab, in Hamburg läuft seit April die Serienproduktion des unbemannten Schnellbootes Kraken K3 Scout. Gemeinsam mit Partnern entsteht zudem der autonome Versuchsträger AMC12.
Kein Auftrag, aber Positionierung
REPMUS26 bringt Rheinmetall noch keinen neuen Großauftrag. Die Übung dient vielmehr dazu, Technologien unter realistischen Bedingungen vor potenziellen Kunden zu zeigen und sich für kommende Beschaffungsprogramme zu positionieren. Der Konzern verfolgt damit die Strategie, nicht mehr nur einzelne Drohnen oder Schiffe zu liefern, sondern als Systemintegrator komplette maritime Netzwerke anzubieten.
Belastend bleibt ein anderes Thema im Hintergrund: Seit Ende Juli dürfen chinesische Firmen Rheinmetall keine Güter mit doppeltem Verwendungszweck mehr liefern, auch keine Seltenerdmetalle. Der Konzern verweist auf Lagerbestände, die nach eigenen Angaben für vier bis fünf Jahre reichen sollen — Deutschland selbst hält keine nennenswerten eigenen Reserven an kritischen Rohstoffen.
Der Ausbau des Marinegeschäfts liefert damit ein weiteres Argument dafür, dass Rheinmetall sein Portfolio jenseits von Landsystemen und Munition verbreitert. Ob sich aus der Erprobung in Portugal konkrete Aufträge ergeben, dürfte sich erst in den kommenden Beschaffungsrunden der beteiligten Marinen zeigen.
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